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Dreier-Debatte
Hagels Spruch über Schülerin – das sagt Özdemir dazu

Vor der Landtagswahl: SWR-Triell mit CDU, Grünen und AfD
Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir hat seinen CDU-Kontrahenten Manuel Hagel mit Blick auf dessen Äußerung über eine Schülerin vor acht Jahren in Schutz genommen. Foto: Bernd Weißbrod
Im Wahlkampfendspurt sorgt ein Video aus 2018 für Wirbel: CDU-Mann Hagel spricht darin über eine Schülerin – und bekommt scharfe Kritik von den Grünen. Deren Spitzenkandidat äußert sich live im TV.

Stuttgart. Keine zwei Wochen vor der Landtagswahl hat ein Video mit einer Aussage über eine Schülerin CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel in die Kritik gebracht. Der verwies darauf, dass der Clip acht Jahre alt sei und er heute so nicht mehr reden würde. Sein Kontrahent von den Grünen, Cem Özdemir, nahm Hagel am Abend in einer Live-Sendung gegen Kritik in Schutz.

Die Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer aus Karlsruhe hatte auf X ein Video gepostet, in dem der Ausschnitt eines Interviews mit Hagel zu sehen ist. Das Gespräch war im Frühjahr 2018 auf Youtube veröffentlicht worden. Zunächst hatten mehrere Medien berichtet.

Äußerung über Aussehen

Der Clip zeigt Hagel bei einem Interview in einer Ulmer Gaststätte für die Regio-TV-Sendung «Auf ein Bier mit». Er war damals 29 Jahre alt, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU.

Hagel berichtet in der Szene von einem Besuch an einer Realschule. In der Klasse hätten damals 80 Prozent Mädchen gesessen. «Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen», sagt Hagel. Dann geht er auf eine Schülerin näher ein, die die erste Frage gestellt habe: «Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.»

Eigentlich möchte Hagel in dem Interview mit dem Beispiel ausdrücken, dass Sprache in der Politik wichtig ist und die Menschen erreichen muss.

Zoe Mayer
Die Karlsruher Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer (Grüne) hat den Clip veröffentlicht. (Archivbild) Foto: Sabina Crisan

Die Grünen-Politikerin Mayer postete den Clip und kritisierte: «Was meint ein erwachsener Mann damit, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Klassenzimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt?» Mayer fragt auch, warum es um das Aussehen eines minderjährigen Mädchens gehen müsse, wenn doch ihre Frage im Mittelpunkt stehe, und was das für ein Signal an Mädchen und junge Frauen sende, die sich in der Politik engagieren wollten.

«Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist», sagte Hagel daraufhin unter anderem der Deutschen Presse-Agentur. «Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen. Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt 12 Tage vor der Landtagswahl acht Jahre zu spät.»

AfD-Kandidat wirft das Thema in TV-Debatte auf

Am Dienstagabend wurde das Thema noch einmal im SWR Fernsehen aufgegriffen – in der Live-Sendung «Die Debatte - wer überzeugt Baden-Württemberg?». Als gegen Ende die drei Spitzenkandidaten eine Frage an einen Konkurrenten ihrer Wahl stellen konnten, wollte AfD-Mann Markus Frohnmaier von Özdemir wissen, ob er sich vor diesem Hintergrund weiter eine Zusammenarbeit mit der CDU vorstellen könne.

Der Grünen-Spitzenkandidat antwortete: «Ich bin mir sicher, Herr Hagel würde das heute nicht mehr so formulieren. Im Übrigen sind wir uns glaube ich einig, dass man Frauen so beurteilen sollte, wie man Männer beurteilt: nach ihrer Leistung, nach nichts anderem. So wollen wir Männer auch beurteilt werden.»

Dann räumte er noch Hagel die Chance ein, sich selbst zu äußern. Der wiederholte dabei im Grunde seine vorherige Äußerung und schilderte die damalige Situation. Die Schülerin habe kritisiert, Politiker sagten immer das Gleiche. Er habe darüber am Ende der Veranstaltung noch mit ihr gesprochen.

Özdemir sagte, die Parteien sollten im Wahlkampf anständig und fair miteinander umgehen. Auf die Bemerkung Frohnmaiers, seine Partei habe den Clip veröffentlicht, entgegnete der Grünen-Politiker: «Meine Partei hat nichts veröffentlicht, sondern eine Abgeordnete hat was veröffentlicht, was im Netz frei zugänglich ist.» Hagel habe gesagt, dass er das so heute nicht mehr sagen würde. «Und das gilt für mich.»

© dpa-infocom, dpa:260224-930-731247/2