Stuttgart. Im Prozess um den vielfachen schweren sexuellen Missbrauch von Kindern wird vor dem Stuttgarter Landgericht heute (13.00 Uhr) das Urteil gegen einen ehemaligen Tagesvater erwartet.
Der 53 Jahre alte Mann aus dem Rems-Murr-Kreis soll die ihm anvertrauten Kinder in Dutzenden Fällen teils schwere sexualisierte Gewalt angetan haben. Die Anklage wirft ihm unter anderem schweren Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen sowie die Herstellung kinderpornografischer Inhalte vor.
Angeklagter hatte Vorwürfe eingeräumt
Der Mann hatte die Vorwürfe am ersten Prozesstag eingeräumt. «Alles, was mir vorgeworfen wird, stimmt», sagte der ehemalige Tagesvater. Das, was er den Kindern angetan habe, könne er nicht mehr gutmachen.
Dass der Angeklagte heute schuldig gesprochen wird, gilt deswegen als sicher. Offen ist, wie lange er ins Gefängnis muss - und ob er danach wieder auf freien Fuß kommt. Die Staatsanwaltschaft forderte laut Gericht eine Haftstrafe von 11 Jahren und 9 Monaten und beantragte auch die anschließende Anordnung der Sicherungsverwahrung. Der Verteidiger des Mannes plädierte für eine Haftstrafe von 8 Jahren und 6 Monaten sowie den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung.
Sollte das Gericht die Sicherungsverwahrung anordnen, dann dürfte der 53-Jährige auf absehbare Zeit nicht mehr auf freien Fuß kommen. Sicherungsverwahrung verhängen Gerichte, um die Bevölkerung vor Tätern zu schützen, die ihre eigentliche Strafe für ein besonders schweres Verbrechen verbüßt haben, aber weiter als gefährlich gelten.
Opfer waren zwischen 0 und 12 Jahre alt
Der Angeklagte betrieb laut Staatsanwaltschaft bis zu seiner Festnahme im Oktober 2025 als Tagesvater eine Kindertagesstätte. Dort betreute er zum Schluss acht Kinder, um die er sich teils auch nachts und am Wochenende kümmerte. Mit einigen sei er auch in den Urlaub gefahren, sagte der Staatsanwalt bei Verlesung der Anklage.
Dem Mann wird vorgeworfen seit 2020 in zahlreichen Fällen sexuelle Handlungen an oder vor den von ihm betreuten Mädchen und Jungen vorgenommen zu haben. Auch soll er die Kinder aufgefordert haben, sexuelle Handlungen an ihm zu vollziehen. Die Opfer des Mannes waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen 0 und 12 Jahre alt, aber überwiegend Kleinkinder.
Auch gegen Sohn wird ermittelt
Auch soll der 53-Jährige Bilder und Videos, die Missbrauch von Kindern zeigen, erstellt, besessen und geteilt haben. Zudem soll er nichts unternommen haben, dass sein Sohn die Kinder ebenfalls in mehreren Fällen missbrauchte. Insgesamt wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann 45 Fälle vor. Der Sohn wird laut Staatsanwaltschaft gesondert verfolgt. Die Ermittlungen dauern einem Sprecher zufolge weiter an.
Die Ermittler waren dem Mann nach früheren Angaben mit Hilfe bayerischer Strafverfolgungsbehörden auf die Schliche gekommen – im Rahmen von Ermittlungen in einem sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk. Das sind Tauschbörsen für Missbrauchsdarstellungen von Kindern.
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