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Leichtathletik
Speerwerfer Vetter: Zu wenige gnadenlos zum eigenen Körper

Johannes Vetter
Speerwerfer Johannes Vetter macht sich nach vielen Verletzungen Gedanken über ein Karriereende. (Archivbild) Foto: Sven Hoppe
Bei den deutschen Meisterschaften fehlt Johannes Vetter - er macht sich so seine Gedanken zu seiner Zukunft und der folgenden Generation. Sein Rat gilt auch für Fußballer.

Bochum. Der ehemalige Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter hat nach seiner Absage für die deutschen Meisterschaften am Wochenende Gedanken über ein Ende seiner Karriere öffentlich gemacht. Der 33-Jährige deutete in einem Interview der Mediengruppe «Münchner Merkur/tz» an, bei anhaltenden Problemen noch vor den nächsten Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles aufzuhören, falls sich seine gesundheitliche Situation nicht verbessert.

Nach vier, fünf Jahren mit Verletzungen stelle sich die Frage, ob es körperlich und mental noch reiche, um international konkurrenzfähig zu sein. «Wenn das nicht mehr der Fall ist, habe ich auch die Förderung nicht mehr verdient. Da muss man ehrlich sein und auch wissen: Diese Reise ist irgendwann mal vorbei», sagte Vetter. Auf die Frage, ob das am Ende des Olympia-Zyklus sei, antwortete er: «Oder vorher. Das halte ich mir offen. Vielleicht tut sich irgendeine andere Tür auf, durch die ich durchgehe.» Das Leben werde neben dem Sport viele Happy Ends bieten.

Trotz schwieriger Zeit nicht unglücklich im Leben

Es sei hart, sich einzugestehen, dass die Leistungen momentan nicht ausreichten, um einen soliden Wettkampf nach seinen Vorstellungen durchzuziehen, erklärte Vetter. Mit 97,76 Meter hält er seit fast sechs Jahren den deutschen Rekord, in dieser Saison reichte es bisher für 78,76 Meter. «Es ist aktuell wieder eine schwierige Zeit, aber mir wird nicht langweilig im Alltag. Ich gehe nicht unglücklich durchs Leben», betonte der in Dresden geborene Athlet der LG Offenburg, der sich gerade ein Haus baut.

Von der nachfolgenden Generation verlangte Vetter absolute Hingabe zur Sportart. Wenn er die jungen Leute sehe, stelle er sich oft die Frage nach der Prioritätensetzung. «Ich sehe bei zu wenigen den Willen, gnadenlos zu ihrem Körper zu sein. Wir spielen kein Unterwasser-Halma, sondern werfen Speer. Wer nicht die Arschbacken zusammenkneift, schafft es nicht», stellte Vetter fest. «Das ist übrigens bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft dasselbe.»

© dpa-infocom, dpa:260724-930-431700/1