Mannheim. Wie groß die Sehnsucht der Adler Mannheim nach dem ersten Titelgewinn seit 2019 ist, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Auch Kapitän Marc Michaelis brauchte nach dem Halbfinal-Erfolg über den EHC Red Bull München einen Augenblick, ehe er die richtigen Worte fand. «Das ist der Wahnsinn. Wenn ich nur darüber spreche, kriege ich Gänsehaut. Das ist alles für mich - als Mannheimer, als Adler-Fan, als Adler-Spieler», sagte der Nationalspieler.
Bei den Meisterschaften 2015 und 2019 war der 30-Jährige auf der Tribüne dabei, ebenso bei der Final-Niederlage 2012 gegen Berlin. Nun greift der finanziell wie kein zweiter DEL-Club aufgestellte Verein wieder nach dem größten Triumph im deutschen Eishockey. «Ich freue mich riesig, jetzt endlich selbst mein erstes Finale mit den Adlern bestreiten zu dürfen und zusammen mit meinen Mitspielern um den Titel zu kämpfen», sagte der gebürtige Mannheimer Michaelis.
Finalgegner kommt aus Berlin oder Köln
Vom 24. April an bestreiten die Adler die Best-of-Seven-Finalserie, in der gegen die Eisbären Berlin oder die Kölner Haie vier Siege hermüssen. Wen Mannheim fordert, steht frühestens am Montagabend fest. «Es sind jetzt eigentlich zu viele Tage, bis es endlich losgeht», meinte Michaelis.
2024 kam er zu seinem Ausbildungsclub zurück. Im ersten Jahr scheiterte er mit den Adlern im Halbfinale. Auch zuvor schafften sie es nach ihrem Triumph vor sieben Jahren nicht mehr ins Endspiel - trotz bester finanzieller Rahmenbedingungen.

Mit Trainer und Sportmanager Dallas Eakins wurde im November 2023 ein neuer und durchaus riskanter Weg eingeschlagen. Der US-Amerikaner gilt als zielstrebig und konsequent - und steht nun vor dem letzten Schritt zur Krönung. «Das bedeutet mir alles - für die Spieler», sagte Eakins nach fünf meist knappen Halbfinal-Duellen mit München und dankte auch Gesellschafter Daniel Hopp. «Er ist ein unglaublicher Eigentümer. Er hat keinen Stein auf dem anderen gelassen, um uns die nötigen Bedingungen zu schaffen - einfach all das, um jeden Tag besser zu werden.»
Eakins: «Du brauchst ein gutes Team und Glück»
Hopp und Geschäftsführer Matthias Binder ließen Eakins bei der sportlichen Planung freie Hand, machten sich sogar ein Stück weit abhängig vom 59-Jährigen - und könnten nach zweieinhalb Jahren in ihrem Handeln bestätigt werden. «Wenn ich das große Bild anschaue, dann wollten wir einfach bis zum Ende dabei sein oder zumindest die Chance haben», sagte Eakins. «Du brauchst ein gutes Team und du brauchst ein bisschen Glück - wir hatten beides.»

In der Hauptrunde, aber auch in den Playoffs zeigten die Mannheimer immer wieder Comeback-Qualitäten. «Mit Widerständen klarzukommen, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Identität», so Michaelis. «Natürlich finden wir nicht jedes Mal eine Antwort, aber wir suchen danach. Wir finden gut zusammen und schaffen es, immer als Einheit aufs Eis zu gehen.»
Am Ende wird sich zeigen, ob die Adler Mannheim mehr sind als ein gut funktionierendes und resilientes Kollektiv mit großer Sehnsucht. Im Finale zählt kein Gefühl, sondern Konsequenz. Der Traum vom Titel ist greifbar.
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