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Konzert

Klangliche Freiheit mit Flexibilität

Das Spiel mit Jazzstrukturen haben die Musiker des Ensembles Entropie aus Frankfurt bestens ausgeklügelt. Bei ihrem Auftritt im Besigheimer Wartesaal begeisterten die vier Künstler mit Virtuosität und technischer Fertigkeit.

Selbstsicher und sympathisch: das Ensemble Entropie. Foto: Andreas Essig
Selbstsicher und sympathisch: das Ensemble Entropie. Foto: Andreas Essig

Besigheim. Wenn das Licht gedimmt wird und alle Geräusche verstummen, dann ist Jazz angesagt. Im Nu verwandelt sich die kleine Bühne zum Epizentrum der aus den USA stammenden Musikart. So war das auch am Freitagabend beim Auftritt des Ensembles Entropie vor zahlreichen Zuhörern. Fabian Habicht (Schlagzeug), Judith Gippert (Gesang und Flöte), Nikolai Muck (Gitarre) und Leon Lissner (Bass) waren gekommen, um den Besigheimern zu zeigen, wie frisch ihre Kompositionen sind. Diese stammen fast alle aus ihrer eigenen Feder und sind gespickt mit verträumten Themen und Liedtexten in Fantasiesprache. Das muss man sich als Musiker erst einmal trauen.

Doch Entropie treten so selbstsicher und sympathisch auf und verstehen vor allem, aus ihren Instrumenten alles zu holen, so dass es funktioniert. Ihr Bedürfnis nach klanglicher Freiheit und flexibler Spielweise hat sämtliche verhärteten Strukturen der Tradition aufgeweicht und verschafft ihnen Luft zum schöpferischen Atmen. So können sie gemeinsam auftrumpfen und auch in den Soloparts brillieren. „Wir haben uns sehr auf dieses Konzert gefreut“, sagte Sängerin Judith Gippert zu Beginn. Zum einen sei der erste Auftritt im Wartesaal vor ein paar Jahren gefüllt gewesen mit Begegnungen mit netten Leuten. Zum anderen war das jetzige Konzert das erste nach dem Erscheinen ihres neuen Albums „Tam Uror“.

Schon das erste Stück „Argo“ bewies den Mut und die Kreativität, mit der die vier agieren. Es begann langsam und allmählich gesellten sich zum Bass und Schlagzeug die E-Gitarre und der Gesang. Vom eher perkussionistischen Ansatz arbeitete sich das Quartett hin zu wahrer Intensität. Vor allem Sängerin Gippert, die mit Murmeln begann, entfaltete schließlich ihre starke Stimme und füllte das Lied mit klaren Lauten.

Kraftvoll ging es mit „Nik’s Noise“ weiter. Abermals stiegen die Instrumente versetzt ein. Doch dieses Mal konnten sie der Sängerin folgen. Sie legte sofort mit orientalisch anmutendem Lautgesang ein. Am Ende liefen alle Kräfte parallel und lautstark auf das tonale Ziel zu. Bei „Warten auf“, das fast so schien, als wäre es für den Wartesaal verfasst worden, blieben die Herren unter sich. Als Trio arbeiteten sie sich durch verworrene, aber dennoch melodische Strukturen. Es war fast so, als würde hier die Intensität sanften Heavy Metals mit klassischer Kompositionslehre gepaart. So schaffte es Gitarrist Nikolai Muck, das Pizzicato des einen Jahrhunderts mit den Riffs des anderen zu verheiraten.

Bei „Asi Y Lele“ war Sängerin Gippert wieder mit von der Partie und belebte den Song mit ihrem Talent, das sie noch mit großem Krafteinsatz unterfütterte. Fast schien es so, als trete sie in direkten Dialog mit ihren Mitstreitern, um sich in ein heftiges Finale hineinzusteigern.

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