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STÄDTEBAU

Widerstand gegen Abriss der Stallscheune

In Vaihingen soll der Bereich zwischen Grabenstraße und Friedrichstraße aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden. Die Wohnbau Oberriexingen (WO) hat Teile des Areals gekauft. Vorgesehen ist unter anderem, eine unter Denkmalschutz stehende Stallscheune abzureißen. Das löst Widerstand aus.

Zusammen mit dem Gutshaus Engel wird die Stallscheune (rechts) als einmaliges Ensemble in Vaihingen gesehen.Foto: Albert Arning
Zusammen mit dem Gutshaus Engel wird die Stallscheune (rechts) als einmaliges Ensemble in Vaihingen gesehen. Foto: Albert Arning

Vaihingen. „Wir stehen dem grundsätzlichen Anliegen, die Freiflächen des ehemaligen Gutshofs Engel zu bebauen, in keiner Weise ablehnend gegenüber“, sagt Reinhard Wahl, Vorsitzender des Vereins „Die Vaihinger Gesellschaft für Stadtgeschichte“. Im Gegenteil: Vaihingen benötige unter anderem dringend einen weiteren Lebensmittelmarkt im nahen Umfeld des Stadtkerns und auch weiteren Wohnraum. Es gelte der Grundsatz, Freiflächen innerhalb des Stadtgebiets vorrangig zu bebauen. Diese Ziele seien aber auch mit dem Erhalt der Stallscheune Friedrichstraße 18 zu erreichen, sagt er.

Gruppierungen tun sich zusammen

Das Argument, dass das Gebäude „einsturzgefährdet“ sei und deshalb abgerissen werden müsse, wird zurückgewiesen. Selbstverständlich gebe es Schäden durch einen Instandhaltungsrückstand. Diese seien aber reparabel im Rahmen des „üblichen Aufwands, der bei der Instandsetzung von Kulturdenkmalen anzusetzen ist, die viele Jahre nicht genutzt werden“. Zusammengeschlossen haben sich in einer Stellungnahme acht Gruppierungen: Bündnis 90/Die Grünen, Bürger bewegen Vaihingen, Bürgergärtenbewegung, konsEnz, Demokratie Initiative Vaihingen, Schwäbischer Heimatbund, Gemeinschaft Ortsbild Roßwag und Vaihinger Aktion Innenstadt. Es wird betont, dass man die Denkmalbehörden nicht belehren wolle, „vielmehr formulieren engagierte Bürger ihre Sicht und stellen diese öffentlich dar“.

Gute Beispiele in anderen Kommunen

Dass das Gutshaus denkmalgerecht saniert werden soll, wird ausdrücklich begrüßt. Aber das müsse auch für die angrenzende Stallscheune gelten, denn es gebe wunderbare Beispiele in anderen Kommunen. Gewarnt wird vor dem Weg: „Nicht renovierte Denkmale lassen sich im Extremfall zu Tode kalkulieren.“ Gefragt seien Nutzungskonzepte, die ein denkmalgeschütztes Gebäude wirtschaftlich machen. Natürlich verstehe man sich nicht als Architekten, habe keine Kostenkalkulation gemacht, „aber die fachlichen Kriterien für ein Denkmal abgeklopft“, sagt Wahl.

Die Stallscheune wurde um 1900 erbaut. Unten waren die Stallungen untergebracht. Auf die darüber liegende Ebene konnte von der Friedrichstraße her eingefahren werden. „Das war eine topaktuelle Bauweise“, so Wahl. Er schwärmt regelrecht von den künstlerischen Elementen des Sichtgiebelfachwerks und den expressiv gestalteten Balkenköpfen der Pfetten. „Die Bauherren und der Architekt hatten einen deutlichen Gestaltungswillen. Das sollte kein 08/15-Fachwerk, sondern etwas Repräsentatives sein.“ Man habe hier einst eine für Vaihinger Verhältnisse einmalige und damit nicht alltägliche Anlage geschaffen. Etwas Vergleichbares existiere in der Stadt nicht mehr.

Angeführt werden auch heimatgeschichtliche Argumente. Der Hof sei ein Schauplatz historischer Ereignisse gewesen. Hier seien mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Gefangene des Arbeitshauses vom Schloss zum Einsatz gekommen. Die Stallscheune wurde 1985 unter Denkmalschutz gestellt. Sie wird seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt. Der Vaihinger Stadtrat Prof. August Lachenmann erinnert sich noch an eine Hühnerhaltung in den 60er- und 70er-Jahren und macht auf den Antrag seiner BbV-Fraktion aufmerksam, dass die Stadt hier die baurechtlichen Rahmenbedingungen schaffen und eine Veränderungssperre vorlegen müsse. Dem durchaus mutigen Investor müsse man natürlich eine wirtschaftliche Nutzung zugestehen, betont Lachenmann als Privatmann.

Insgesamt erhoffen sich die beteiligten Organisationen, dass mit der Bebauung in dem Bereich zwischen Friedrichstraße und Grabenstraße ein Ventil zum umstrittenen Enßle-Projekt geschaffen werden kann. Das Gebiet ist schon lange in der Diskussion. Seine Bebauung gilt als „Meilenstein der Stadtentwicklung“, so Oberbürgermeister Gerd Maisch bei der Vorstellung der Pläne im April. Kernstück für die Neubebauung sind die leer stehenden Häuser entlang der Grabenstraße. Die sollen auf jeden Fall abgerissen werden.

Bürger sollen mitgenommen werden

Was sagt man bei der Wohnbau Oberriexingen zu den Forderungen aus Vaihingen? Geschäftsführer Kim Hasenhündl sieht „aus jetziger Sicht keinen Sinn darin, die Scheune zu erhalten“. Sie sei marode. Man habe aber einen Bauforscher eingeschaltet, der Gutshaus und Scheune unter die Lupe nehme. Ein Konzept für die Bebauung liege noch nicht vor, „lediglich Vorstellungen, was man machen kann“. Hasenhündl steht zur Aussage vom April, wonach man in einen Bürgerdialog eintreten will: „Wir nehmen die Bürger gerne mit und sammeln Vorschläge, aus denen wir dann die Essenz bilden.“ Der Bürgerdialog soll noch in diesem Jahr gestartet werden. Die ersten Wünsche gibt es.

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