Ludwigsburg | 08. Dezember 2017

Amateurfilme ohne Ende

44 Kurzfilme von baden-württembergischen Amateurfilmern waren am Wochenende beim Landeswettbewerb Videografika im Kulturzentrum zu sehen. Die Filmemacher trafen auf eine fünfköpfige Jury, die kein Blatt vor den Mund nahm.

Preisvergabe durch OB Werner Spec (links) mit (v.l.) dem Jurybeauftragten des Landesverbands des Bunds Deutscher Film-Autoren (BDFA) Lutz Schulze; der Gewinnerin des Förderpreises Ella Knorz; dem Gewinner des Sonderpreises Rainer Hofmann; dem Ersten Vorsitzenden des Landesverbandes der Film-Autoren Walter Reichhart; der Ersten Vorsitzenden des Ludwigsburger Filmclubs Heidemarie Ritter; dem BDFA-Präsident Markus Siebler. Foto: Manfred Autenrieth, LFC
Preisvergabe durch OB Werner Spec (links) mit (v.l.) dem Jurybeauftragten des Landesverbands des Bunds Deutscher Film-Autoren (BDFA) Lutz Schulze; der Gewinnerin des Förderpreises Ella Knorz; dem Gewinner des Sonderpreises Rainer Hofmann; dem Ersten Vorsitzenden des Landesverbandes der Film-Autoren Walter Reichhart; der Ersten Vorsitzenden des Ludwigsburger Filmclubs Heidemarie Ritter; dem BDFA-Präsident Markus Siebler. Foto: Manfred Autenrieth, LFC
Preisvergabe durch OB Werner Spec (links) mit (v.l.) dem Jurybeauftragten des Landesverbands des Bunds Deutscher Film-Autoren (BDFA) Lutz Schulze; der Gewinnerin des Förderpreises Ella Knorz; dem Gewinner des Sonderpreises Rainer Hofmann; dem Ersten Vorsitzenden des Landesverbandes der Film-Autoren Walter Reichhart; der Ersten Vorsitzenden des Ludwigsburger Filmclubs Heidemarie Ritter; dem BDFA-Präsident Markus Siebler. Foto: Manfred Autenrieth, LFC
Preisvergabe durch OB Werner Spec (links) mit (v.l.) dem Jurybeauftragten des Landesverbands des Bunds Deutscher Film-Autoren (BDFA) Lutz Schulze; der Gewinnerin des Förderpreises Ella Knorz; dem Gewinner des Sonderpreises Rainer Hofmann; dem Ersten Vorsitzenden des Landesverbandes der Film-Autoren Walter Reichhart; der Ersten Vorsitzenden des Ludwigsburger Filmclubs Heidemarie Ritter; dem BDFA-Präsident Markus Siebler. Foto: Manfred Autenrieth, LFC

Amateurfilmer, die ihre Werke bei der Videografika des Landesverbandes der Film-Autoren Baden-Württemberg zeigen, sollten mit einem gewissen Maß an Unerschrockenheit gesegnet sein. Denn die Filmemacher treffen auf eine strenge Jury. Gastgeber war dieses Jahr der Ludwigsburger Filmclub, der sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Die 44 nichtkommerziellen Beiträge wurden am Samstag und Sonntag in sechs Blöcken mit sechs oder acht zwischen zwei und 35 Minuten langen Kurzfilmen gezeigt. Nachdem ein kompletter Block gelaufen ist, plaudert Juryleiter Lutz Schulze auf dem Podest des großen Saals in lockerer Runde mit den erfahrenen Filmemachern Eva Schulmeyer, Adalbert Becker und Helmut Ludwig über die gerade gesehenen Streifen. Moritz Wacker bringt den Blick des Kameramanns ein, Gerd Motzkus ist Redaktionsleiter des SWR in Stuttgart, Eva Schulmeyer ist auch als Filmkritikerin tätig.

Die Expertenrunde nimmt kein Blatt vor den Mund. Ein wenig erinnert diese direkte Konfrontation zwischen Filmemachern und Jury an ein Tribunal, vor dem es kein Entrinnen gibt. Ein Beispiel: Der Film „Beobachtungen in der Extremadura“, in dem ein Mitglied des Filmclubs Schorndorf die spanische Vogelwelt festgehalten hat, sei verdienstvoll, liefere gelungene Nahaufnahmen und arbeite auch geschickt mit Superzeitlupen, so das Urteil. Anderseits fehle der „dynamische Fluss“, ebenso wie der Rhythmus. Der Text erinnere zu sehr an ein Schulbuch, könne die nach starkem Einstieg geweckten Erwartungen nicht erfüllen und habe handwerkliche Mängel.

Auch der Hinweis, dass der Filmemacher während der Aufnahmen in einem zwei bis drei Quadratmeter großen Unterstand in einem Steinhaufen eingesperrt war und deshalb nur wenig Variationsmöglichkeiten hatte, stimmt die Jury nicht milde. Zudem habe der Film keinen richtigen Schluss. Eine häufig geäußerte Kritik – auch wenn Juryleiter Schulze versichert, dass die Amateurfilmer auf die zentrale Bedeutung eines markanten Endes hingewiesen worden seien.

Der Film „Der alte Weg“ dagegen, in dem Günter Köhler eine Theaterproduktion über die massenhaften Erschießungen von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg im Hegau thematisiert, habe ein überzeugendes Ende, lobt Jurymitglied Ludwig. Das müsse gesagt werden, „weil wir heute schon einige Filme ohne Ende hatten“. Auch sonst habe Köhler durch „fabelhafte Originaltöne, gelungene Kameraführung und Dramaturgie“ ein mitreißendes Werk geschaffen, zeigt sich die Jury erstmals restlos begeistert.

Thematisch ist das Programm breit gefächert. Ausdrücklich gelobt wird etwa die Reportage „Alltag im Slum von Mathare Valley“. Ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben, hat Regisseur Cord von Restorff (Karlsruher Film- und Videoclub) in eindrucksvollen Bildern das ebenso bunte wie chaotische Leben auf den Straßen eines Elendsviertel von Nairobi eingefangen. Josef Pettinger vom Filmclub Teck/Mitte hat die Vorbereitungen des Konzerts einer Guggenmusikgruppe aus dem Kreis Göppingen dokumentiert. „Mein Film hat ein Ende, man muss auch aufhören können“, erzählt Pettinger schmunzelnd. In seinem Fall fand die Jury ein anderes Haar in der Suppe. Er hat die Musik sehr dezent eingesetzt, um die Aussagen seiner Darsteller nicht zu übertönen. Das sei nicht gut bei der Jury angekommen. Fazit: Auch mit einem guten Ende wird nicht automatisch alles gut.

Frank Klein
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