Ludwigsburg | 18. August 2017

Dieser Bulli ist Freiheit auf vier Rädern

Im Juli hat Ralph Bechtle vergeblich versucht, Bürgermeister in Oberriexingen zu werden. Geblieben sind ihm jede Menge Erinnerungen und ein alter, chromgelber VW-Kleinbus.

Ein VW-Bus fürs Leben: Der Oberriexinger Ralph Bechtle an der Fahrertür seines chromgelben T 3. Foto: Alfred Drossel
Ein VW-Bus fürs Leben: Der Oberriexinger Ralph Bechtle an der Fahrertür seines chromgelben T 3. Foto: Alfred Drossel

Als der Dieselmotor des alten VW-Busses, Erstzulassung 1984, anfängt zu schnurren, ist es um Ralph Bechtle geschehen. „Das war der Moment, in dem ich mich in das Fahrzeug verliebt habe.“ Er legt der Verkäuferin 1400 Euro auf den Tisch, steigt ein und fährt mit einer Reisegeschwindigkeit, die bei 85 Stundenkilometern liegt, aus dem Ortenaukreis zurück nach Oberriexingen.

Bei der Eigentümerin, die gerade zwei Kinder bekommen hat und sich deshalb von dem Camper trennen will, kullern die Tränen. Bei Ralph Bechtle, 48, kommen die Erinnerungen hoch. Wie er mit dem gleichen Modell, einem T 3, 50 PS, 1,6-Liter-Motor, als kleiner Junge mit dem Vater in den Urlaub nach Südfrankreich gefahren ist und unbeschwerte Stunden auf einem Campingplatz verbracht hat. Heute ist ein Langnese-Plakat mit an Bord, das eine Strandschönheit im Bikini zeigt. Bechtle hat das Andenken aus seiner Zeit als Lastwagenfahrer für die Eismarke, die früher in Aldingen saß.

Das Fahrzeug, das der Kfz-Mechaniker bisweilen liebevoll Bussle nennt, hat ihm geholfen, die Oberriexinger Bürgermeisterwahl zu verarbeiten. Angetreten war Bechtle im Juli, um Rathauschef zu werden. Unter dem Strich kamen aber nur 1,1 Prozent heraus. „Die Erfahrung kann mir keiner mehr nehmen“, sagt Bechtle im Rückblick. Er gesteht allerdings auch: „Nach der Wahl bin ich in ein kleines Loch gefallen.“

Also kümmerte er sich um seinen Camper, strich hier etwas an und ersetzte dort ein Teil. Dazu trank er Dosenbier und Cola, die in dem kleinen Kühlschrank des Busses stehen. Bechtle hat nun eine kleine Reise im Kopf, es soll an den Waldsee nach Fornsbach, einem Murrhardter Stadtteil, gehen. Für das Fahrzeug mit dem Oldtimerkennzeichen und den Initialen seiner Vornamen Ralph und Rudolf ist die gut 60 Kilometer lange Strecke gut zu schaffen.

Der Autofan hat in den vergangenen Jahren viel Arbeit in das chromgelbe Modell gesteckt. „Es war anfänglich in einem erbärmlichen Zustand“, sagt Bechtle. Der Lack war ab, im Tank ein Loch, die Radläufe lädiert. Doch er krempelte die Ärmel hoch, bat Freunde um Hilfe und investierte noch einmal einige Tausend Euro. „Es macht mir einfach Spaß, Altes zu erhalten“, sagt Bechtle über den T 3, der als der Kleinbus gilt, den VW zwischen 1979 und Anfang der 90er Jahre am längsten gebaut hat. Darüber hinaus hat der Kfz-Mechaniker, der auch für eine Sicherheitsfirma arbeitet, in seiner Garage ebenfalls einen betagten Opel-Corsa und einen Kleinwagen von Subaru.

Der Tüv für den T 3 ist bis 2019 gültig. Eine große Tour schwebt Bechtle mit dem Oldie mindestens noch vor. Sie soll auf einen Campingplatz in Lloret de Mar an der Costa Brava gehen. Die Entfernung von Oberriexingen: rund 1200 Kilometer. „Ich wollte schon im vergangenen Jahr hin, doch da kam mir etwas dazwischen“, sagt Bechtle. In diesem Jahr stand dann die Bürgermeisterwahl auf dem Programm. „Im kommenden Jahr sollte es klappen.“ Auch mit einem Abstecher zur Formel 1 nach Barcelona. Die Hauptstadt Kataloniens ist nur eine Stunde von Lloret entfernt.

In Oberriexingen startet Bechtle derweil den Dieselmotor. Aus dem Radio mit Kassettendeck kommt Musik. Kein Zweifel: Dieser Motor schnurrt tatsächlich.

Philipp SChneider
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