Ludwigsburg | 06. September 2017

Jugendmusikschule auf Wachstumskurs

„Es war ein sehr schönes Jahr 2016, denn die Anzahl der Schüler ist gewachsenen und wir haben gute betriebswirtschaftliche Ergebnisse.“ So bilanzierte Sandra Stegmann, die Vorsitzende des Trägervereins der Jugendmusikschule, kürzlich im Gemeinderat das vorige Jahr in der Einrichtung, die ihren Hauptsitz im Kulturzentrum Karlskaserne hat.

3100 Schüler hat die Ludwigsburger Jugendmusikschule im vergangenen Jahr erreicht. Dafür gab es viel Lob.Archivfoto: dpa
3100 Schüler hat die Ludwigsburger Jugendmusikschule im vergangenen Jahr erreicht. Dafür gab es viel Lob.Archivfoto: dpa

Das Jahr brachte der Musikschule 3100 Schüler, davon inzwischen 66 Prozent aus dem Elementar- und Einstiegsbereich. Die Teilnahme der Kinder und Jugendlichen habe sich also deutlich in die Breite entwickelt, dies über die verschiedenen Kooperationsprojekte der Jugendmusikschule mit Kitas und Schulen. Stegmann: „Das ist toll für eine Stadt.“

Das wirtschaftliche Ergebnis des Schulbetriebs habe sich in schwierigen Zeiten stabilisiert. 29 600 Euro seien ein gutes Ergebnis, das auch gestützt werde von einer wachsenden Zahl von Förderern und einer Dynamisierung der Zuschüsse. „Wir haben ein gesundes Wachstum als Fundament auf dem man wachsen kann“, so Sandra Stegmann gemeinsam mit der Schulleiterin Christiane Schützer zu den Stadträten.

Eine weitere erfreuliche Nachricht bereits für das laufende Jahr: Von der im Mai gestorbenen ehemaligen Leiterin der Jugendmusikschule Irmgard Benzing ging eine Erbschaft in Höhe von 600 000 Euro an die Einrichtung, zweckgebunden für die Förderung von Talenten. „Wir richten mit dem Geld einen Irmgard Benzing Fonds ein, in den dann auch andere Förderer einzahlen können“, so Stegmann.

Die Vorsitzende des Trägervereins gibt nach sieben Jahren dieses Amt ab. Oberbürgermeister Werner Spec würdigte den Einsatz der scheidenden Vorsitzenden. „Wir sind glücklich, dass Sie sieben Jahre Verantwortung übernommen haben, trotz der beruflichen und familiären Anforderungen.“ Der hohen Anerkennung schlossen sich auch alle Stadträte an.

Zur Entscheidung stand im Gemeinderat, ob die bisher begrenzt gewährte Dynamisierung der Zuschüsse entfristet wird. Nachdem zunächst einige Stadträte Vorbehalte geäußert hatten, gab es am Ende aber eine Mehrheit für die Entfristung, nachdem der Oberbürgermeister versichert hatte, dass davon im Wesentlichen nur die tariflichen Bereiche bei den Personalkosten betroffen seien. Es gehe darum, bei einer tariflichen Erhöhung der Personalkosten diese Steigerung mit einem erhöhten Zuschuss auszugleichen. „Das gibt der Schule die nötige strukturelle Sicherheit.“

Die Arbeit der Jugendmusikschule wird von allen Fraktionen im Gemeinderat gelobt: „Die Zuschüsse und Drittmittel sind sehr wichtig, damit viele Kinder aus allen Schichten das Musizieren erfahren können“, sagte Elke Kreiser (CDU). Michael Vierling (Grüne) bezeichnete es als frappierend, wie über nur einige Jahre hinweg, sich die Zahl der erreichten Kinder und der Anteil in der Frühförderung von einem auf zwei Drittel erhöht hat. Die Stadt müsse in diese Richtung weiterarbeiten. „Der Weg der Jugendmusikschule in die Schulen muss noch selbstverständlicher werden.“ Gleichzeitig forderte Vierling, dafür zu sorgen, dass es unter den Lehrkräften mehr gefestigte Beschäftigungsverhältnisse gibt. „Die Stadt muss das mitfinanzieren und das Land muss den gestiegenen Anforderungen an die Musikschulen Rechnung tragen und seinen Personalkostenzuschuss erhöhen.“ Die Vorsitzende des Trägervereins hatte in ihrem Jahresbericht darauf verwiesen, dass angesichts der Finanzierungslage der Schule die Anstellung von Lehrkräften im Festvertrag für die Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas im Programm „Musikimpulse“ nicht möglich sei.

Annegret Deetz (SPD) lobte die Erfolge der Jugendmusikschule sowohl bei Wettbewerben als auch in der Basisarbeit mit der wachsenden Verbindung zwischen der Jugendmusikschule und den Schulen in der Stadt. Reinhardt Weiss von den Freien Wählern lenkte wie auch Johann Herr (FDP) den Blick auf die gute Entwicklung bei den Finanzen der Musikschule. „Seit Frau Stegmann den Vorsitz übernommen hat, habe ich nichts mehr zu motzen“, sagte Weiss in Verbindung mit einem Ja zur Dynamisierung der städtischen Zuschüsse. „Wachstum darf nicht bestraft werden.“

 

Stärkere Präsenz an den Schulen geplant

Mit dem Aufbau eines Gesangsbereichs, dem Ausbau der Kooperationen an Kitas und Schulen und der damit verbundenen Weiterentwicklung im Kernbereich erhalten zum Stand Mitte Juni 2017 aktuell 3134 Schülerinnen und Schüler eine musikalische Ausbildung. So schildert die Schulleitung mit Leiterin Christiane Schützer die Lage an der Ludwigsburger Jugendmusikschule für das Jahr 2016 und das laufende Jahr 2017.

Bemerkenswert ist, dass noch im Jahr 2010 der instrumentale Kernbereich einen Anteil von 63 Prozent am Schulbetrieb mit seitdem gleichbleibender Größe (aktuell 1062 Belegungen) verzeichnete. Die Elementar- und Einstiegsfächer kamen auf einen Anteil von 37 Prozent (614 Belegungen). Durch Ausbau der Kooperationen hat sich die Anzahl der Belegungen in Elementar- und Einstiegsunterrichten in diesem Zeitraum von 614 auf 2063 Teilnehmer um ganze 70 Prozent gesteigert.

1148 Kinder erreicht

Damit hat die Jugendmusikschule Ludwigsburg in den vergangenen Jahren eine weitreichende strukturelle Entwicklung in Schulbetrieb und pädagogischer Ausrichtung vollzogen und es steht an, Überlegungen anzustellen, wie die weitere Entwicklung in den kommenden Jahren aussehen kann und soll.

Mit aktuell 107 Kursen sind die Ludwigsburger „Musikimpulse“ zu einer stabilen und nachhaltigen Grundlage für den Musikschulbetrieb geworden. In 43 Kindergärten und elf Grundschulen erreicht die Jugendmusikschule 1148 Kinder. Ergänzend und aufbauend auf die Ludwigsburger „Musikimpulse“ sind inzwischen weiterführende Einstiegsunterrichte entstanden und etabliert, die Kindern eine Orientierung für die weitere Beschäftigung mit Musik in den Instrumental- und Vokalunterrichten der Jugendmusikschule bieten.

Durch den Ausbau des Ganztagsbetriebs in den Schulen verzeichnet der Kernbereich der Jugendmusikschule aktuell einen leichten Schülerrückgang im Bereich der zehn- bis 18-jährigen Musikschüler bei verringerter Verweildauer und Anstieg der Einzelunterrichte. Die Tendenz zu einer sich zunehmend schwierig gestaltenden Stundenplanung ist erkennbar. Eine solide Präsenz von Musikschulangeboten in den weiterführenden Schulen ist von zunehmender Wichtigkeit.

Die Etablierung von Instrumentalkursen zur Orientierung, die Streicherklasse an der August-Lämmle-Schule, die Bläserklassen am Mörike-Gymnasium und an der Elly-Heuss-Knapp-Realschule sowie reguläre Musikschulangebote im Mittagsband der Gemeinschaftsschule bieten eine vielversprechende Grundlage für den weiteren Ausbau.

Weiter Begabtenförderung

Darüber hinaus wird Talent- und Begabtenförderung neben einer guten Familienermäßigung immer wichtiger. Die Talent- und Begabtenförderung hat sich in den letzten Jahren zu einem wirkungsvollen Instrument der passgerechten Schülerförderung entwickelt, das jungen Talenten die instrumentale Ausbildung entsprechend ihrer Begabung eröffnet. Diese Möglichkeit der unterstützenden Förderung erweist sich als zunehmend wichtiger Faktor in der nachhaltigen Hinführung von Kindern und Jugendlichen an eine intensive Beschäftigung mit dem Instrument. Bereitet die Begabtenförderung den fruchtbaren Boden für die professionelle Ausbildung der musikalischen Leistungsträger, übernimmt die Talentförderung die wichtige Rolle des Türöffners für Nachwuchstalente und ermöglicht eine instrumentale Ausbildung.

Auch in diesem Jahr haben wieder 22 Kinder und Jugendliche von Regional- bis Bundesebene erfolgreich am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teilgenommen. (red)

von peter maier-stein
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Quiz zur Woche der Armut
WELLNESS & GESUNDHEIT
Miss & Mr Ludwigsburg 2017 by extra
Digitale Beilage
Die schönsten Seiten des Kreises
Zeitschriftenvorteil