Ludwigsburg | 08. Dezember 2017

Kein Kommerz, viel Leidenschaft

Der Ludwigsburger Filmclub feiert sein 50-jähriges Bestehen – Aufmunterung vom Medienbeauftragten – Mitglieder geehrt

Sie haben bei der Geburtstagsfeier in Pflugfelden alte Gerätschaften zur Hand (von links): Hans Scheck, Klaus Menzer, Heidemarie Ritter, Volker Drittel und Siegfried Zittinger. Foto: Holm Wolschendorf
Sie haben bei der Geburtstagsfeier in Pflugfelden alte Gerätschaften zur Hand (von links): Hans Scheck, Klaus Menzer, Heidemarie Ritter, Volker Drittel und Siegfried Zittinger. Foto: Holm Wolschendorf

Das Überreichen eines Geschenks ist bei einem 50. Geburtstag eigentlich obligatorisch. Dennoch hat Walter Reichhart als der Vorsitzende des Landesverbandes der Film-Autoren Baden-Württemberg am Samstagabend das Jubiläum des Ludwigsburger Filmclubs in der Bürgerhalle Pflugfelden besucht, kein Präsent im Gepäck.

Der Landesverband verzichte angesichts der zahlreichen Jubiläen von Filmclubs mittlerweile auf Geburtstagsgeschenke, erläuterte Reichhart. In Ludwigsburg wären Mitbringsel ohnehin komplett überflüssig, fügt er hinzu und verweist auf eine Ausstellung, die Mitglieder des Filmclubs in der Bürgerhalle aufgebaut haben. Auf den Tischen sind jede Menge Kameras und Filmutensilien zu bestaunen. Relikte, die an die analogen Anfänge des Filmclubs erinnern.

Menschen für den Film begeistert

Dank beispielhafter Vereinsarbeit habe dieser immer wieder nichtprofessionelle Filmemacher zusammengebracht und Menschen für den Film begeistert, lobte der Ludwigsburger Medienbeauftragte Tanino Bellanca. Nicht zuletzt hätten die Vereinsmitglieder eine wichtige Rolle als Chronisten der Stadthistorie übernommen.

Er habe selber als Jugendlicher seinen ersten Film gedreht, erinnerte sich Bellanca, natürlich mit aus heutiger Sicht antiquiert wirkender Technik. Nach der Fertigstellung habe er ein „ergreifendes Gefühl“ verspürt – und das Privileg des Amateurfilmers genossen, einen Film ohne finanziellen Druck drehen zu können. „Ob Amateure oder Profis: Die Leidenschaft ist identisch“, so der Medienbeauftragte. Sein Rat an die Vereinsmitglieder: „Bewahren Sie sich Ihre cineastische Leidenschaft!“

Eine Unterscheidung zwischen professionellen und nichtprofessionellen Filmemachern führt nach Ansicht des Landesvorsitzenden Reichhart ins Leere. Wer Musik höre, frage schließlich auch nicht danach, ob ein Amateur oder Profimusiker spiele. „So sollte es beim Film auch sein“, sagte Reichhart, räumte aber dennoch einen signifikanten Unterschied ein. „Bei einem professionellen Filmemacher mindern die kommerziellen Interessen sofort die filmische Freiheit, das gibt es bei uns nicht.“

Die Filmclubs stünden auch im Südwesten vor großen Herausforderungen, sinnierte der Landesvorsitzende. Die Vereine litten unter Mitgliederschwund, könnten zudem neue Mitglieder nicht wie gewünscht an sich binden. „Die Gesellschaft hat sich verändert“, meinte Reichhart, der freilich nicht allzu pessimistisch in die Zukunft blicken wollte. „Wir haben Probleme, die wir gemeinsam lösen müssen. Aber mit einer Neuaufstellung in kleinen Etappen wird das gelingen.“

Auch Heidemarie Ritter, Vorsitzende des Ludwigsburger Filmclubs, machte sich in ihrer Rede Gedanken über die Zukunft. „Wie geht es weiter mit dem Ludwigsburger Filmclub? Ich denke, diese Frage stellt sich alle Filmclubs.“ Filmen sei immer noch ein vergleichsweise kompliziertes, aufwendiges und teures Hobby. Zudem ließen sich Filmchen jeglicher Art heutzutage leicht aufnehmen und ins Internet stellen. „Da bekommt man Likes, da braucht man keine Jury mehr.“

Hoffen auf mehr Frauen

Ritter geht dennoch davon aus, dass die Vereine Pluspunkte auf ihrer Seite haben. Der Wettbewerbscharakter führe zu Lernprozessen, in den Vereinen könnten sich die Filmer untereinander austauschen und dadurch verbessern. Ritter hofft auch, dass mehr Frauen den Weg in die Vereine finden und an Filmwettbewerben teilnehmen.

Die Vereinsvorsitzende ehrte bei der Geburtstagsfeier in der Bürgerhalle Vereinsmitglieder für deren ehrenamtliches Engagement in den vergangenen Jahrzehnten: Siegfried Zittinger, 41 Jahre lang Vereinsvorsitzender, Klaus Menzer (Schriftführer), Horst Herold (stellvertretender Vorsitzender), Manfred Autenrieth (Webmaster und Schatzmeister), Karl-Heinz Fischer (Jugendarbeit), Hans Scheck (Projektionsleiter) und Helmut Schweigert (Archivar). Carmen Specht und Monika Menzer seien zwar keine Clubmitglieder, so Ritter, zeichnete beide aber trotzdem aus. „Sie tun mehr für den Club als so manches Clubmitglied.“

Frank Klein
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