20. September 2018

Mehr Schutz vor Gewalt

Nicht überall in Deutschland gibt es ausreichend Hilfsangebote für Frauen

Berlin. Angesichts Zehntausender gewalttätiger Übergriffe auf Frauen jedes Jahr wollen Bund, Länder und Kommunen Hilfs- und Schutzangebote ausbauen. „In Deutschland wird jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) gestern in Berlin anlässlich der ersten Sitzung eines Runden Tischs von Bund, Ländern und Kommunen gegen Gewalt an Frauen. Ziel der Zusammenarbeit ist der Ausbau und die finanzielle Absicherung der Arbeit von Frauenhäusern und ambulanten Hilfs- und Betreuungseinrichtungen.

Im Jahr 2016 wurden laut Giffey fast 110 000 Frauen in Deutschland Opfer von versuchten oder vollendeten Delikten, darunter Mord, Totschlag, Körperverletzung, Bedrohung, sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung durch ihre Partner oder Ex-Partner. Das seien nur die bei der Polizei angezeigten Taten. „Diesen Frauen müssen wir helfen, der Gewalt zu entkommen“, so die Ministerin.

Etwa jede dritte Frau in Deutschland wird in ihrem Leben mindestens einmal Opfer von Gewalt. Aber nur jede fünfte dieser Frauen nimmt daraufhin Hilfe in Anspruch.

Die Bremer Frauensenatorin Anja Stahmann (Grüne) sagte: „Für viel zu viele Frauen ist die häusliche Umgebung alles andere als ein sicherer Ort.“ Die Versorgung mit Frauenhäusern sei aber nicht in allen Regionen gesichert und die Finanzierung der Aufenthalte nicht für alle Frauen geklärt, so die Vorsitzende der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister. Für die kommunalen Spitzenverbände sprach sich Bürgermeisterin Sonja Leidemann aus Witten dafür aus, die Zahl der Frauenhäuser und die zur Verfügung stehenden Plätze deutlich zu erhöhen. Derzeit bieten bundesweit 350 Frauenhäuser und mehr als 100 Schutzwohnungen Schutz vor Gewalt. Insgesamt gibt es dort über 6000 Plätze. Dazu kommen 600 Beratungs- und Interventionsstellen.

Der Bund will mit einem Förderprogramm die Einrichtungen absichern. 2019 sind dafür 5,1 Millionen Euro eingeplant, im Jahr darauf sollen 30 Millionen Euro fließen. Auf den Runden Tisch gegen Gewalt an Frauen haben sich Union und SPD im Koalitionsvertrag verständigt. Bund, Länder und Kommunen wollen sich auf die Weiterentwicklung der Angebote verpflichten.

Basil Wegener
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