Asperg | 18. September 2018

Open Air macht Lust auf mehr

ROCKtobernacht im September hilft der städtischen Kinder- und Jugendarbeit

Premiere: Der Biergarten wurde zur Open-Air-Bühne. Foto: Andreas Essig
Premiere: Der Biergarten wurde zur Open-Air-Bühne. Foto: Andreas Essig

Eine knackige Premiere hatte die ROCKtobernacht im Biergarten das Naturfreundehauses. Kein Wunder, dass sich die Gäste bei diesem Benefizkonzert mit freiem Eintritt sehr spendabel zeigten.

Warum eigentlich ist nicht schon früher jemand auf die Idee gekommen, im Biergarten am Naturfreundehaus, in dieser großzügigen, naturwüchsigen Atmosphäre am Rande von Asperg, ein Open Air zu machen? Die Frage drängt sich auf nach diesem Rockkonzert mit Musikern, die voller Leidenschaft just das spielen, was sie lieben. Titel, die ihnen wie auf den Leib geschneidert sind und die sie mit Power und Überzeugungskraft über die Rampe fetzen.

Wahrscheinlich hat es nur die richtige Konstellation gebraucht: Den Musiker Daniel Fasnik, Bassist der Small Town Industries, der in Bierlaune vor Ort die Idee hatte – und Apolonia Strahl, die neue Geschäftsführerin des Biergartens, die sofort Feuer und Flamme war. Und das Herz hat, dem Benefiz zugunsten der städtischen Kinder- und Jugendarbeit auch was rüberwachsen zu lassen: einen Euro pro Getränk! Denn das war für Fasnik, den Familienvater, Kernpunkt der Sache: „Der Spaß sollte den Kids im Flecken zugute kommen.“

Der Spaß ging schon mit der Acoustic-Coverband B42DAY los. Hardrock rein akustisch: Geht das überhaupt? Und wie! In den leiseren Tönen wurde die Substanz von Songs wie „Interstate“ oder „Creep“ erst recht hörbar. Und weil sie mit Herzblut und Können gespielt wurden, war das Publikum sofort hellwach. Richtig Dampf brachte dann On the ROXX, die tief in die Hard-Rock-Schatzkiste der 80-er Jahre griffen und die grungegetränkte Blütezeit dieser Stilrichtung aufleben ließen. Fern von allem Mainstream mit Titeln von Bands wie Whitesnake, Tyketto, XYZ oder Pretty Maids.

Dass Mainout im Vorfeld Allüren gezeigt hatte und deshalb aus dem Setting flog, daran dürfte im begeisterten Publikum kaum mehr jemand gedacht haben. Zumal ja noch Small Town Industries kamen, die dann auch lässig über die polizeiliche Zeitgrenze hinaus spielten. Als sich in der sternklaren Nacht so langsam Kälte einnisten wollte, heizten die Männer einfach weiter kräftig durch. „Alive“, „Pretender“, „Inside“ und anderthalb Dutzend Titel mehr: eine fette Packung Hardrock von Kiss & Co! Was einst die Leute in den Pop-Rausch versetzt und Plattenspieler in tektonische Vibrations versetzt hatte, das kam noch einmal richtig heiß über die Bühne: direkt, saftig, rauh, unpoliert. Echter, ehrlicher, ungezügelter Rock’n’Roll. Gitarren satt, wobei sich Paul Luscan öfters die Tieftöner-Rolle mit dem groovenden Bass von Daniel Fasnik teilte, während Jürgen Lämmle mit elektrisierenden, tendenziell genialischen Frickelsoli in den Höhenlagen durch die Songs riffte und Stephan Braun an den Drums die Maschine unter Vollgas hielt. Mit Camille Zieger haben sie einen Frontmann, der die Härte der Songs auch mit ordentlich Gefühl kontrastieren kann.

Dampfend durch die Reihen geht Gitarrist Luscan in der Pause, würde wohl am liebsten mit jedem Tisch anstoßen. Freunde sind eh genug da. Auch Freunde dieser Musik, was eine hübsche Schnittmenge ergibt. Denn Hardrock ist auch ein Lebensgefühl. Die einen bringen es auf die Bühne, die anderen saugen es auf und tanken neue Energie. Sowieso war dieses Break für Hardrock-Fans die Sahneschnitte des Abends: ein Revival-Mix, der Erinnerungen an legendäre hiesige Bands wie Araya, King Pin oder Even If auferstehen ließ. „Dimi“ am explosiven Schlagzeug, Stephanie Kasper mit mal zarten, mal kraftvollen Vocals, und dass Stefan Bertola für diesen Event seine Glitzer-Gitarre auspackt, das beschert nicht nur scharfe Soli, sondern im Zusammenspiel mit Lämmle auch prickelnde Double-Leads.

Eine Extra-Eloge ist für Joachim Braun am erdigen Bass fällig. Zumal er hier nur kurz seinen Hauptjob unterbricht: Er ist der Mann am Ton. Ein echter Profi, der dafür sorgt, dass nichts improvisiert wirkt. So ist der Sound perfekt und sensibel abgemischt und ausbalanciert und an jeder Ecke des Gartens mit vollem Saft präsent: zum vollen Genuss des begeisterten Publikums! In den Spendenhüten übrigens, die durch die Reihen gingen, kam hübsch was zusammen: über 700 Euro.

Georg Linsenmann
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