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Am Schluss reißen alle die Arme in die Luft

Begeisterndes „Ohrwurm“-Konzert mit jungen Solisten und dem Sinfonieorchester Ludwigsburg

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Junge Solisten: Angelos Voultsidis, Vivian Lasa Sophie Vogelmann und Jakob Bauer (von links). Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. „Die Geige, sie singet, sie jubelt und klinget“: als Siegfried Bauer diesen bekannten „Ohrwurm“ ins Publikum weitergibt, ist das beliebte Kinder- und Familienkonzert schon auf fröhlichen Touren. Der Theatersaal des Forums, der vor Beginn wie von einem Bienenschwarm summt und beim Hereinkommen des Sinfonieorchesters Ludwigsburg schon mit viel Beifall reagiert, ist voll konzentriert. Jasmin Bachmann, die lustige und charmante Moderatorin, den Radiohörern von SWR Young Classix bekannt, hat mit Wikipedia-Anleitung versucht, aus einem Schuhkarton und „leeren Seiten“ eine Geige zu bauen, im Dialog mit dem Konzertmeister Hans Martin Gündner dann den richtigen Bogenstrich geübt. Und Jakob, Vivian und Angelos, die drei jüngsten sieben- bis achtjährigen Virtuosi aus der Jugendmusikschule haben „leere Saiten“ mit irischer Fiddelmusik plus Orchester vorgeführt.

Wie meistens bei den beliebten „Ohrwurm“-Konzerten, steht ein Instrument im Mittelpunkt des gut einstündigen Programms. Was die Geige alles an Ausdrucksmöglichkeiten hat, vom Singen und Klingen bis zum jaulenden Glissando, Vogelzwitschern oder elektrisierenden Zupf-Pizzikato, zeigt eine Musikerin des Orchesters den meist aufmerksam lauschenden jungen Zuhörern, und Jasmin Bachmann ermuntert sie zum „Kopfkino für die Ohren“. Nicht nur bei „Peter und der Wolf“ oder „Feuervogel“ könne man sich ganz viel vorstellen, erklärt sie, sondern auch bei den beiden nun folgenden Violinkonzert-Sätzen, die – sorgfältig von Siegfried Bauer und dem Sinfonieorchester Ludwigsburg begleitet – von der 15-jährigen Lynn My Le Trinh Stiegler und der 16-jährigen Victoria Landenberger mit bewundernswerter Souveränität vorgeführt werden.

Lynn Strieglers Allegro aus dem 3. Mozart-Violinkonzert: eine in Phrasierung und virtuoser Kadenz bravouröse Darbietung. Vicotria Landenbergers erster Satz aus dem großen e-Moll-Konzert von Felix Mendelssohn Bartholdy: kraftvoll und empfindsam im Ton, und wiederum mit einer schönen Kadenz. Beide spielen im Landesjugendorchester, sind Preisträgerinnen von „Jugend musiziert“, dürfen im Mai am Bundeswettbewerb in Kassel teilnehmen und werden an der Ludwigsburger Jugendmusikschule von Meike Brandenbusch unterrichtet.

Was das Mendelssohn-Stück für Kino im Kopf zum Laufen gebracht hat, möchte die Moderatorin von den Kindern im Saal wissen: Fluss, Strudel, Schmetterling, „das Thema ging rauf und runter“, man merkt, wie die Fantasie und Vorstellungskraft angefangen haben, zu wirken. Viel stärker noch passiert das dann bei Meike Katrin Steins „Atlantis-Suite“. Die Filmhochschul-Absolventin kann das auch wunderbar erklären, und so sind die jungen Zuhörer gut eingestimmt auf die drei Sätze vom Inseldasein und Versinken der sagenhaften Stadt im Meer.

Auch der Geigenbaumeister Stephan Beckert wird von Bachmann noch aus der Kulisse auf die Bühne zitiert und kann anhand von ein paar Fichten- und Ahornstücken sein Handwerk erklären. Auch da sind die Kinder erstaunlich aufmerksam dabei. Der schönste Moment kommt dann aber zum Schluss, wenn zu Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ noch einmal das ganze Luftgeigen-Repertoire durchgespielt worden ist: beim triumphalen Schlussakkord springen alle auf, reißen mit Jasmin Bachmann die Arme in die Höhe – ein Augenblick, der alles zusammenbringt, was Musik an Begeisterung auslösen kann.