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Atmosphärische Suiten aus dem Norden

Orchester der Auferstehungskirche Ludwigsburg gibt ein Konzert im Rathaus von Großingersheim

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Die Musiker der Auferstehungskirche Ludwigsburg spielten Stücke von nordischen Komponisten. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Nordische Musik atmet die Weite, lässt Melancholie spüren und transportiert Stimmungen. Suiten von Komponisten aus dem hohen Norden stellte das Orchester der Auferstehungskirche Ludwigsburg am Donnerstag in den Mittelpunkt eines Konzerts im Sitzungssaal des Rathauses.

Die Atmosphäre unter dem hohen Gebälk des Dachgeschosses passte zur Musik, die in die Ferne zu streben schien und auch eine mystische Note hatte. Das 20-köpfige Streicherorchester unter der Leitung von Robert Weis-Banaszczyk spielte Werke aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts.

Dazu gesellte sich die Suite „La Bizarre“ des Barockkomponisten Georg Philipp Telemann. Der Kontrast war aber nur ein scheinbarer, denn die Telemann-Suite wurde ihrem Namen gerecht. Die klare Strukturiertheit der strahlenden Barockklänge wurde durch bizarre Elemente aufgelöst, die Musik verließ die geraden Linien und schweifte in neue Sphären ab. Das geschah auf einfallsreiche Weise und mit dem Mut zum schrägen Klang. Das Bizarre erwies sich als interessant, das Schwingende des Barocks wurde von übermütiger Melodik abgelöst und nach einer gefühlvoll gespielten Sarabande nahm die Suite schließlich richtig Fahrt auf.

Den Abend eröffnete das Orchester mit Gustav Holsts „Brook Green Suite“, einem atmosphärisch dichten Werk, gespickt mit gezupften lyrischen Passagen und harmonischer Note. Carl Nielsens „Lille Suite“ verlieh das Orchester eine schillernde, fast schon rätselhafte Attitüde, die sich in einem kraftvollen Schlussteil auflöste. Zu den nordischen Werken passte auch Peter Warlocks folkloristisch anmutende und an alte Renaissancetänze erinnernde „Capriol-Suite“. Während hier ebenfalls verhaltene Stimmung zu spüren war, geriet der Schluss mit dem Schwerttanz rasant und schrill.

Die Bereitschaft des Orchesters, auch mal musikalisch ausgetretene Pfade zu verlassen, wurde mit Applaus honoriert, die Kammermusikabende unter dem Gebälk des Ratssaales haben längst ein treues und fachkundiges Publikum gewonnen.