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Karlskaserne

Choral, Pop und der nordische Ton

Gefühle bringen erst den schönen Klang, auf den Ausdruck kommt es an und da hat der Kehlkopftrichter eine große Bedeutung. Die Hochschuldozentin für Jazzgesang und Chorleiterin Reinette van Zijtveld-Lustig machte es vor, die Teilnehmer sangen schließlich den Beatles-Hit „Hey Jude“. Einer von zahlreichen Workshops beim Stimmtag des Schwäbischen Chorverbandes in der Karlskaserne.

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Etwa 200 Teilnehmer üben sich beim Workshop des Chorverbands im Singen. Die Kurse sind sehr gefragt. Foto: Holm Wolschendorf

Zum ersten Mal machte der Chorverband in Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule Ludwigsburg dieses Angebot und es stieß auf großes Interesse, rund 200 Teilnehmer hatte sich angemeldet, die Workshops waren ausgebucht. Die Teilnehmer, die meist in einem der 2600 Chöre des Verbandes singen, wollten dabei ihre stimmlichen Fähigkeiten verbessern und von versierten Fachleuten auch ganz unterschiedliche Gesangstechniken kennenlernen.

 

Wie beim Workshop Jazz und Pop von Reinette van Zijtveld-Lustig, wo es besonders auf die Klangfarbe ankam. Denn was bei modernem Gesang so gelungen rüberkommt, ist eine stimmphysiologische Besonderheit und hat eben mit dem Kehlkopftrichter zu tun.

 

Auch Körpereinsatz ist beim Singen gefragt

 

Die Dozentin machte das mit einer Art Quäken deutlich, das mit Einsatz des Kiefers dann doch wie Abba klang. Die gebürtige Holländerin führte die Teilnehmer über Emotionen zum typischen modernen Sound: Der Klang von „Hey Jude“ veränderte sich je nach Gefühlslage von verlegen, verliebt bis zu stinksauer. Und plötzlich war sie da, die besondere Vokaltechnik.

 

Beliebt bei den Teilnehmern war auch der Workshop über den gregorianischen Choral. Die sakralen Gesänge des neunten Jahrhunderts sind heute wegen ihrer Mystik und Klarheit wieder hochaktuell. David Bosch vom Kloster Kirchberg übte mit den Teilnehmern nach einem Exkurs in die Musiktheorie erste Stücke ein.

 

Hoch im Kurs stand auch die skandinavische Literatur. Der junge Chorleiter Benjamin Hartmann, der in Schweden studiert hat, brachte den Sängerinnen und Sängern den typisch nordischen Ton bei. Das geschah mit feinfühliger Harmonik und eingängigen Melodien. Auf jeden Fall auch mit viel Freude, denn skandinavische Musik ist nicht nur melancholisch, so die Erfahrung. Alexander Efanov vom Staatsopernchor in Stuttgart studierte mit den Teilnehmern bekannte Opernchöre ein. Doch vor der Praxis kam die Theorie, schließlich ging es an das Einsingen. Präzise Arbeit zeichnete diesen Workshop aus.

 

Singen ist auch Körpereinsatz und verkrampft geht gar nichts. Wie Lockerheit und Ausdruckskraft entstehen, zeigte die Stuttgarter Hochschulprofessorin Angelika Luz beim Experimentieren und Improvisieren mit der Stimme. Nicht nur Chorleiter, sondern auch Kita-Erzieherinnen besuchten den Workshop „Konzept Kinderchor“ von Manuela Nägele. Sie lernten dabei, wie bei den Kleinen das Interesse am Singen geweckt wird.

 

Ziel ist, das Singen in den Betreuungseinrichtungen neu zu etablieren. Johannes Pfeffer von Schwäbischen Chorverband stellte einen Wandel fest. „Es wird in den Kindergärten wieder mehr gesungen“, sagte er. Die frühe Förderung des Singens ist auch ein Anliegen der Jugendmusikschule, die eine enge Kooperation mit dem Chorverband pflegt.

 

Das zeigte bereits der erfolgreiche Tag der Kinderstimmen, der vor zwei Jahren ebenfalls in Ludwigsburg stattfand. Aus diesem Grund wurde jetzt wieder in die Räume der Jugendmusikschule in der Karlskaserne eingeladen. Dort gab es außerdem Impulsreferate und in Kleingruppen wurde Stimmbildung angeboten. Denn ob gehaucht, weich oder kräftig, auf die richtige Artikulation kommt es an.