Logo

Die Moldau als Theatererlebnis für Kinder

Kinder und Erwachsene konnten jetzt die symphonische Dichtung „Die Moldau“ in der Jungen Bühne Ludwigsburg als Theaterkonzert erleben.

350_0900_14024_COSTModau_Jugendmusikschule_und_Junge_Bue.jpg
Das Jugendsinfonieorchester bei der Moldau-Aufführung.Foto: privat

Ludwigsburg. „Das ist ja ein richtiger Konzertsaal und da ist auch das Orchester, das Jugendsinfonieorchester Ludwigsburg“, staunt die kleine zerzauste Stabpuppe auf der Bühne. Sie ist Bedrich Smetanas schöpferischer Geist. Und mit diesem kleinen Wicht erlebten viele Kinder in der an zwei Tagen nahezu ausverkauften Reithalle der Ludwigsburger Karlskaserne eine außergewöhnliche Reise: Sie folgten Bedrich Smetanas Moldau von den Quellen bis zur Mündung. In einer fantasiereichen Inszenierung als Theater kleideten Susanne Olbrich und Peter Lutz vom Theater Fusion Berlin gemeinsam mit dem Jugendsinfonieorchester Ludwigsburg unter der Leitung von Ute Kabisch das Werk in eine empathische, fröhliche Geschichte.

 

Mit dem kleinen frechen Männchen in Smetanas Ohr beginnt das Ganze, denn als der Komponist eine Tages im Böhmerwald über eine Wurzel stolpert, fällt der Kleine ins Wasser der Moldau und erlebt eine wunderbare Reise.

 

Die Erlebnisse dieser Flussfahrt schildert der kleine Genius im ersten Teil der Aufführung. Dabei wechseln Erzählpassagen mit den zugehörigen musikalischen Motiven. Diese bringt das junge Orchester mit großer Virtuosität und Spielfreude zum Ausdruck.

 

Doch schon nach wenigen Takten unterbricht Smetanas lustiger Ideengeber die Musiker und tritt in Dialog mit der Dirigentin. Immer wieder bittet der kleine Mann um Korrekturen, fordert treffenderen Ausdruck: „Das ist doch kein schleichender Beerdigungszug. Könnt ihr das nicht so spielen, dass ein bisschen der Popo wackelt?“, er sei ja immerhin selbst bei der Bauernhochzeit an der Moldau dabei gewesen. Auf diese Weise werden einzelne Episoden klanglich herausgearbeitet und das Publikum erhält immer wieder einen Eindruck von der Vielfalt musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten.

 

Als das Männchen durch die Stromschnellen strudelt, überspült von Wasser, hin- und hergeworfen von wilden Wellen, da spiegelt sich diese wilde, spannende Szene in der Musik wider; Paukenwirbel, Trommeldonner, Bläser und Streicher mischen sich zu einem tosenden, bedrohlichen Durcheinander. Und endlich hört man das Aufatmen der Kinder im Saal, als sich die Situation beruhigt und die Moldau wieder sanft in ihrer ganzen Breite dahinströmt. Und nebenbei werden dem Publikum die Instrumente des Orchesters vorgestellt und Spieltechniken erläutert.

 

Im zweiten Teil der Aufführung dürfen sich große und kleine Besucher über die Darbietung der Moldau als Ganzes freuen. Im Hintergrund ziehen Scherenschnitte über die Leinwand.

 

Dabei ist Ute Kabischs musikalische Ausarbeitung so feinsinnig und kontrastreich, dass nicht zu überhören ist, dass hier ein sehr gut ausgebildetes Orchester auf der Bühne steht. Einige der jungen Musiker sind Preisträger des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“.

 

Wieder einmal haben die Junge Bühne und das Jugendsinfonieorchester Ludwigsburg allen Besuchern einen interessanten, bereichernden Nachmittag geschenkt, der über die Vorstellung hinaus nachklingt. Denn mit künstlerischen Perlen dieser Art wird jungen Zuschauern der Zugang zu klassischer Musik eröffnet.