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Die Tischtransport-Tüftler

Schwer schleppen war gestern: Ein schwäbischer Tüftler hat einen Transportwagen entwickelt, mit dessen Hilfe man Tische besonders rückenschonend auf- und abbauen kann – interessant für alle, die bei Festen und Veranstaltungen Räume herrichten müssen. Nun hat er in Besigheim mit einem Partner ein Unternehmen gegründet.

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Erfinder Thomas Pernet (links) und Vertriebs- und Marketingchef Marcus Reinert demonstrieren die Funktionsweise ihres ErgoWa-Tischtransportwagens, der sich für den Einsatz in der Hotel- und Gastrobranche eignet (linkes Foto). Fotos: ErgoSus/privat
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Erfinder Thomas Pernet (links) und Vertriebs- und Marketingchef Marcus Reinert demonstrieren die Funktionsweise ihres ErgoWa-Tischtransportwagens, der sich für den Einsatz in der Hotel- und Gastrobranche eignet (linkes Foto). Fotos: ErgoSus/privat

Ludwigsburg. Besigheim/Süssen. Not macht bekannterweise erfinderisch und bringt die raffiniertesten Ideen zutage. So ist es auch bei Thomas Pernet, Hausmeister im evangelischen Gemeindezentrum im schwäbischen Süßen. Dutzende Tische auf- und abzubauen gehört für ihn zum Arbeitsalltag. Meistens alleine, beim Schleppen hilft ihm keiner. Bis er einen Bandscheibenvorfall hatte. „Da sagte ich mir: Das passiert dir nicht mehr! Wenn es wehtut, fällt einem eben etwas ein“, erinnert sich Pernet. Seine Idee: ein Tischtransportwagen.

Der gelernte Industriemechaniker – ein echter Tüftler, der bereits acht Patente angemeldet hat – schweißt einen Prototyp zusammen. Ein sackkarrenähnliches Gerät, das unter jeden Tisch auf sein vorderes Stützrad gekippt werden kann. Ohne Anstrengung und lästiges Hochheben schwenkt es durch eine ausgetüftelte Schwerpunktverteilung fast von allein wieder zurück und stemmt dabei den Tisch nach oben. Der gleitet schließlich – geschoben oder gezogen von einer Person – an den vorgesehenen Ort. „Ein kleines Helferlein und Bandscheibenvorfall-Verhinderer, um mich nicht mehr so plagen zu müssen“, so der 49-Jährige.

 

Macher trifft auf Erfinder

Bei einem Weihnachtsbesuch Ende 2015 erzählt er seinem Besigheimer Kumpel Marcus Reinert von der Entwicklung. Reinert, Vertriebstrainer, Marketingmanager und gelernter Hotelfachmann, glaubt auf Anhieb an das Potenzial des Wägelchens und bietet seine Zusammenarbeit an. „Ich wusste, dass so etwas für Hotellerie und Gastronomie mehr als interessant sein kann“, sagt der 52-Jährige.

Das Duo gründet im Juli 2016 das Unternehmen ErgoSus – Ergo für ergonomisch und Sus für sustainable (nachhaltig), namentlich für den internationalen Markt konzipiert. Das Produkt nennen sie ErgoWa, der Stückpreis liegt derzeit bei knapp 600 Euro. Firmensitz ist an der Bahnhofstraße in Besigheim, wo Reinert seine Büro- und Besprechungsräume mitnutzen kann. Pernet meldet ein Europäisches Patent an, Reinert stellt das Produkt in der Gastrobranche vor, parallel wird es mit E-Mails beworben.

 

Schonend für Mitarbeitergesundheit

„Uns geht es darum, Arbeitsabläufe zu erleichtern: ergonomisch in Bezug auf den Körpereinsatz sowie ökonomisch. Sprich: Es geht viel schneller“, erklärt der Erfinder. Die Nachhaltigkeit finde sich in vielen Aspekten, so Stephanie Strobl, die sich um Büro, Marketing und Grafik kümmert. Der ErgoWa sei umweltfreundlich und ressourcenschonend konzipiert. „Beim ErgoWa geht nichts kaputt, außer vielleicht die Rollen. Aber auch Tische, Böden und die Gesundheit der Anwender werden geschont“, verspricht die 22-Jährige.

Inzwischen ist die erste, in Göppingen produzierte Charge von 100 Tischwagen verkauft, hauptsächlich über Empfehlungen. Demnächst soll ein exklusiver Hersteller die zweite, größere Serie produzieren, über deren Vertrieb sich neue Chancen für ErgoSus. Reinert sieht aber auch generell Vorteile für Produktion, Logistik und Lager. Denn: „Es tun sich weitere Märkte auf.“ Nicht nur Hotels wie das Mövenpick in Stuttgart gehören zum Kundenkreis, auch Messen, Tagungsstätten, Bildungsvereine, Stadthallen, Firmen, Alters- und Pflegeheime, Kirchengemeinden und Hotelausstatter – überall, wo für Veranstaltungen und Feiern auf- und abgebaut werden muss. Das Produkt kommt an: „Verarbeitung und Materialqualität sind super. Und es tut ansonsten auch, was es soll“, sagt ein Restaurantbesitzer. Und: „Wir sind von der Produkttauglichkeit beeindruckt“, so der Geschäftsführer eines Ilshofener Hotels.

 

Bereits weitere Produkte entwickelt

Pernet hat den ErgoWa bereits modifiziert als Modell, das speziell für Tische mit Mittelbalken gebaut ist. Weitere Produkte sind in der Pipeline: ein Transportwagen, mit dem man – anders als mit herkömmlichen Wannenwagen – die Tische im Stehen hochkant runter- und raufstapeln kann, sowie ein vierrädriger Wagen mit Stütze, auf dem sich Stühle ohne zu bücken hochstapeln lassen. Erklärtes Ziel von ErgoSus ist es also, für alle Eventualitäten eine Lösung zu finden und sämtliche Arbeitsmittel anzubieten, damit eine Person einen Veranstaltungsraum auf rückenschonende und kraftsparende Weise herrichten kann.

Neben Pernet und Reinert als geschäftsführende Gesellschafter ist inzwischen ein dritter stiller Teilhaber eingestiegen, mit Know-how in der Metallbranche. Nun werde die Finanzierung mit einem Kredit „auf sichere Füße“ gestellt. Im ersten Geschäftsjahr sind 250 000 Euro Umsatz eingeplant. Die große Frage, um die sich Reinert in Sachen Marketing kümmern will: „Wie bekommen wir das Ding nun bekanntgemacht?“

Der Tüftler will die Gunst der Stunde nutzen: Ende des Monats hängt Pernet seine Stelle als Hausmeister nach zehn Jahren an den Nagel, um sich als Geschäftsführer voll und ganz auf Technik und Neuentwicklungen konzentrieren zu können. Er glaubt an seine Innovation: „Manchmal frage ich mich, warum ich nicht schon früher draufgekommen bin.“

Internet: www.ergosus.de