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„Hier sehen Sie das Schlossfestspielorchester 2048!“

Bei der fünften Auflage des Schools Day der Schlossfestspiele begeisterten rund 170 junge Musiker der Partnerschulen am Montagabend 880 Besucher im Forum.

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Die verschiedenen Ensembles der Partnerschulen der Schlossfestspiele harmonieren auf der Bühne.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Jugend ist unbezahlbar. Diesem Grundgedanken des Schools Day der Ludwigsburger Schlossfestspiele folgend, erhalten Kinder unter 18 Jahren eine Freikarte – sind es doch Musiker aus ihrer Mitte, die den Abend gestalten: Rund 170 Schüler der vier Partnerschulen – neben der Jugendmusikschule das Goethe-Gymnasium, das Helene-Lange-Gymnasium Markgröningen und das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart – haben ein Jahr ihren Programmteil erarbeitet.

Dass der freie Eintritt möglich ist, ist dem Freundeskreis der Schlossfestspiele zu verdanken, mit dessen Hilfe Festspielintendant Thomas Wördehoff diese Nachwuchsförderung vor fünf Jahren auf die Beine stellte.

Streicher und Bläser brillieren

Mit einem Querschnitt aus Mozarts „Zauberflöte“ präsentierte sich die Jugendmusikschule (JMS) Ludwigsburg. Äußerst diszipliniert brachte das Ensemble Die Wilden Streicher unter Leitung von Sandra Stock, um das Junge Bläserensemble der JMS zum Mini-Sinfonieorchester verstärkt, einen 20-minütigen Strauß von Melodien Mozarts zu Gehör. Sprecherin Sandra Willmann führte durch die Handlung, während der 50-köpfige Projektchor, für den sich der Kinderchor der Ulrichskirche mit dem SchüKoCho, einer Kooperation des Kolpingchors mit der Gemeinschaftsschule, zusammengetan hat (Leitung: Maren Broghammer und Christine Opachowski). Zum Priestermarsch rotierte das Sonnenrad; toll auch der strahlend reine Chorklang im Finale „Es siegte die Stärke“.

Ohne pädagogischen Zeigefinger erleben die Kinder hier eine Vorstellung davon, dass die kreative Freiheit eines Opernregisseurs auch darin bestehen kann, Stücke gegen den ursprünglichen Kontext zu spielen und damit eigenen Witz zu entfalten. Hin und wieder meinte man, in der andächtigen Stille ein Elternteil vor Stolz platzen zu hören.

Der Festspielintendant ließ es sich nicht nehmen, selbst durch das Programm zu führen. Die Gesichter müsse man sich merken, freute sich Thomas Wördehoff über den JMS-Beitrag: „Hier sehen Sie das Schlossfestspielorchester aus dem Jahre 2048!“ Für Musikkompetenz ist in Ludwigsburg das Goethe-Gymnasium bekannt, seiner Big Band eilt ein ausgezeichneter Ruf voraus.

Und was Jörg Lemberg an diesem Abend aus dem 19-köpfigen Ensemble herausholte, war tatsächlich fabelhaft: Chuck Mangiones „Feel so good“ und dessen famoses „Children of Sanchez“, für das Saxofonist Tobias Reikow und Schlagzeuger Luka Swoboda ein Intro geschrieben hatten, Reikow dazu am Fagott, wurden zu delikaten Glanzlichtern. Gekrönt wurde es von „Over the Rainbow“, für das Charlotte Freitag vors Mikro trat: ein atemberaubendes Timbre, wie es auch in professionellen Jazzclubs nicht jeden Abend zu hören ist.

Vollends umwerfend, wie das von Gereon Müller geleitete Streicherensemble des Stuttgarter Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums Edvard Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit“ realisierte: Wer die Augen schloss, konnte angesichts der differenzierten Gestaltung fast vergessen, dass hier Nachwuchsmusiker zugange waren – lediglich der unbeschwerte Gestus, mit dem sie den romantischen Notentext zum Leben erweckten, deutete darauf hin.

Atmende Interpretation, kammermusikalische Finesse – die jungen Musikerinnen und Musiker blieben Griegs Hommage an vergangene Zeiten nichts schuldig. „Alle Achtung“, zog Wördehoff den Hut vor dieser Darbietung, „schon gewaltig, was sogenanntes Lehrpersonal mit den Schülern alles erreichen kann.“

Stimmungsvoll und hellwach

Präsent, hellwach und auf den Punkt der von Klaus Müller einstudierte Chor und die von Michael Kallenberger geleitete (und am Bass verstärkte) Schulband des Helene-Lange-Gymnasiums: „Rhythm is it“ hatte sie ihren Block mit Songs von George Gershwin bis Katy Perry genannt. Mit schwungvollen, gut getimten Choreografien sorgten die Markgröninger für einen stimmungsvollen Ausklang. Klassik, Romantik, Jazz und Pop – für alle war etwas geboten: schönste Früchte guter Nachwuchsarbeit und Musikerziehung. Jugend ist und bleibt unbezahlbar.