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Kinder entdecken Stimme als Instrument

Alle Kinder können singen – das ist die Kernaussage der Ward-Methode. Die landesweit erste Fortbildung für Grundschullehrer in dieser Unterrichtsmethode hat jetzt in Ludwigsburg stattgefunden. Die Stiftung „Singen mit Kindern“ und der Dachverband Forum Musik Ludwigsburg haben dies ermöglicht.

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Die Ward-Methode bedeutet Instrumentalunterricht rein vokal. Die Kinder lernen, ihre Stimme wie ein Instrument einzusetzen. Foto: Marijan Murat/dpa

Ludwigsburg. Die Zahlen seien alarmierend: Etwa zwei Drittel der Grundschüler können nicht singen, sagt Verena Rothaupt. „Die Kinder haben keine Kontrolle mehr über ihre eigene Stimme“, sagt die Kantorin und Kirchenmusikdirektorin aus Göppingen. Sie kennt die Lösung für dieses Problem: die Ward-Methode. Verena Rothaupt hat als Dozentin jetzt Grundschullehrkräften in Ludwigsburg die aus Amerika stammende Methode nähergebracht. „Die Ward-Methode ist eigentlich das Ei des Kolumbus“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Musikerin hat die Methode selbst in Nordrhein-Westfalen erlernt, wo sie deutlich verbreiteter ist.

„Eigentlich ist es eine Art Instrumentalunterricht mit der Stimme“, so Rothaupt. An einer Grundschule in Lorch hat sie einmal in der Woche eine Singpause angeboten – nach der Ward-Methode. „Zu Beginn waren 80 Prozent der Schüler Brummer“, sagt sie. Nach einem Jahr Training mit der zwanzigminütigen Einheit in der Woche habe sich die Zahl der Brummer auf eine verschwindend geringe Zahl reduziert. Verena Rothaupt ist begeistert. „Ich erreiche auch die Kinder, die zu Hause keine musikalische Förderung erhalten“, sagt sie. Das sei wichtig, denn Musik fördere die Intelligenz. Der Musikunterricht komme in der Schule ohnehin oft zu kurz.

Grundlage ist die relative Solmisation. Die Kinder lernen die Tonstufen auf Silben zu singen. Neben Stimmbildung und Gehörbildung, lernen die Jungen und Mädchen außerdem Rhythmusgefühl, Grundlagen des Dirigierens und letztendlich auch Noten.

Die Fortbildung ist eine gemeinsame Veranstaltung des Vereins Forum Musik Ludwigsburg und der Stiftung „Singen mit Kindern“. Vorsitzende des Dachverbands Forum Musik ist Anita Kermisch, die als Schulamtsdirektorin beim Staatlichen Schulamt Bindeglied zur Zielgruppe, nämlich den Lehrkräften ist. Um diese Methode zu unterrichten, muss man im Übrigen nicht Musik studiert haben.

Begeistert von der Ward-Methode ist auch Professor Siegfried Bauer. Der ehemalige evangelische Landeskirchenmusikdirektor, Hochschullehrer für Kirchenmusik und städtische Musikdirektor ist auch nach seiner Pensionierung in zahlreichen Gremien ehrenamtlich aktiv. Er setzt sich sehr fürs Singen ein, engagiert sich beispielsweise für die Ausbildung von Singpaten für Kindergärten. Auch wenn er Ludwigsburg als „singende Stadt“ bezeichnet und die hiesige Jugendmusikschule eine mustergültige Arbeit leiste, ist er sich mit Anita Kermisch einig, dass es an den Grundschulen Lücken in Sachen Musik gibt. Mit der Ward-Methode sollen die Schüler wieder eine positivere Einstellung zum Singen und zur eigenen Stimme bekommen. „Ein Leben mit Musik ist einfach Lebensqualität“, sagt Verena Rothaupt und erntet damit große Zustimmung von Anita Kermisch und Siegfried Bauer. „Die Ward-Methode verfolgt den Ansatz, dass jedem Kind die Teilhabe an einem musikalischen Leben ermöglicht wird.“

Auch die Ehefrau des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Gerlinde Kretschmann macht sich für die Ward-Methode stark. Sie ist Vorsitzende der Stiftung „Singen mit Kindern“ und wirbt in einem Film auf der Internetseite für die Fortbildung. Der ist übrigens auch ein Ludwigsburger Produkt, denn gedreht hat ihn der Filmclub Ludwigsburg.

Info: Wer sich für die Ward-Methode und den Kurzfilm interessiert, findet Informationen dazu auf der Internetseite der Stiftung unter www.singen-mit-kindern.de.