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Land verteilt alte China-Masken an seine Lehrer

Statt der versprochenen FFP2-Masken gibt es einen Mund-Nasen-Schutz, der nicht mehr importiert werden darf

Damit hätten viele Lehrer nicht gerechnet: Das Land verteilt an sie Bestände von chinesischen KN-95-Masken, die bereits im Frühjahr angeschafft wurden. Archivfoto: dpa
Damit hätten viele Lehrer nicht gerechnet: Das Land verteilt an sie Bestände von chinesischen KN-95-Masken, die bereits im Frühjahr angeschafft wurden. Foto: dpa

Kreis Ludwigsburg. Die Masken haben eine seltsame türkisbläuliche Farbe, keinerlei Aufdruck, sie riechen komisch und sind für viele der deutschen Lehrerköpfe zu eng. Kurzum, seit die Maskenverteilaktion des Landes am 7.Dezember gestartet wurde, wundern sich viele Lehrer, was da an sie verteilt wird. In den vergangenen Tagen haben unsere Zeitung eine ganze Reihe an Beschwerden aus den Schulen im Kreis erreicht.

Also, was ist da los? Klar ist, dass sowohl Kultusministerin Eisenmann (CDU) als auch Gesundheitsminister Lucha (Grüne) den Lehrern Ende November FFP2-Masken versprochen haben. Beide Ministerien veröffentlichten dazu Pressemitteilungen, in denen es unter anderem heißt: „Um den Schulunterricht aufrechterhalten zu können, erhält das Kultusministerium bis Ende des Jahres zusätzlich zehn Millionen FFP2-Masken für Lehrkräfte. Auch für das Jahr 2021 sind nochmals zehn Millionen Masken für die Schulen vorgesehen.“

Stutzig hätten die Lehrer vielleicht bei dem Absatz direkt darüber werden sollen. Dort steht in der Mitteilung des Sozialministeriums vom 27. November nämlich: „Die Landesregierung hatte bereits im Frühjahr damit begonnen, Persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu beschaffen und einen entsprechend Lagerbestand vorzuhalten. Aus diesem Fundus und aus der erwarteten Lieferung des Bundes sollen nun Millionen von Masken in Baden-Württemberg verteilt werden.“

Das heißt: Das Land verteilt an seine Lehrer gerade die alten China-Masken, die beim Ausbruch der Pandemie im Frühjahr schnell angeschafft wurden. Seit dem 31. August ist es verboten, diese Masken einzuführen. „Bereits vorher beschaffte Masken dürfen aber noch verwendet werden“, heißt es beim Land.

Technisch geprüft und tauglich

Das Kultusministerium war am Mittwoch rasch bemüht, alle Verantwortung von sich zu weisen. Man sei lediglich für die Organisation des Versands zuständig, die Masken selbst stammen aus den Lagerbeständen des Landes, die vom Sozialministerium verantwortet werden, so eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung.

Auch beim Kultusministerium waren in den vergangenen Tagen eine Reihe von kritischen Rückfragen aus den Schulen eingegangen. Daher hatte es das Sozialministerium gebeten „Stellung zur Qualität der Masken zu beziehen“. Das ist ebenfalls am gestrigen Mittwoch geschehen.

Demnach handelt es sich bei den Filterschutzmasken, die momentan an den Schulen verteilt werden, um chinesische Modelle der Norm KN95, die die formalen Vorgaben der EU nicht erfüllen. Damit können es auch keine FFP2-Masken sein. Laut Ministerium entsprechen sie aber grundsätzlich dem Sicherheitsstandard der EU.

„Für die von Seiten des Landes beschafften Atemschutzmasken wurden alle notwendigen Zertifikate vorgelegt und die Masken einer technischen Prüfung auf Filtration und Atemwiderstand unterzogen.“ Da die KN-95-Masken als tauglich befunden wurden, sind „diese bei der Landesbeschaffung ebenfalls berücksichtigt“ worden. Auch über den Bund wurden solche Masken im Frühjahr aus China eingekauft. Diese Sonderzulassungen „aufgrund der epidemischen Lage“ für die KN-95-Modelle sind Ende August aber ausgelaufen. „Einfuhren als Coronapandemie-Atemschutzmasken waren danach nicht mehr möglich“, erläutert das Sozialministerium.

Bis 18. Dezember läuft die Aktion

Laut Kulturministerium läuft die Verteilung der Masken noch bis zum 18. Dezember. Neben den türkisbläulichen Modellen gebe es auch weißliche. Grundsätzlich seien beide Modelle vergleichbar und gehören zu den im Frühjahr bestellten KN-95-Masken.

Nicht nur bei den Lehrern sind die Teile umstritten. Es gibt eine ganze Reihe von Medienberichten, in denen vor den Masken gewarnt wird. Im laufenden Jahr gab es zudem mehrfach Rückrufe von KN-95-Masken, allerdings offenbar aus anderer Fabrikation.

Besser haben es da die Menschen über 60. Auch am Mittwoch lief die Aktion des Bundes, bei der jeder von ihnen drei kostenlose FFP2-Maske in der Apotheke abholen darf, weiter. Das Ehepaar Klünder aus der Marktapotheke am Marktplatz verteilte alleine am ersten Tag gut 2000 Stück – alle garantiert echt FFP2.

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