Logo

Mägde in Lederjacken und eine Boygroup des Blechs

Junge Sängerinnen und Musiker begeistern das Publikum beim Schools Day der Schlossfestspiele – Chor der Partnerschule Goethe-Gymnasium

350_0900_12786_.jpg
Freche Inszenierung auf der Forum-Bühne. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Aus sittsamen Bauernmägden werden wilde Hexen, aus fleißigen Spinnerinnen verführerische Nixen: Der Mädchenchor des Ludwigsburger Goethe-Gymnasiums überraschte beim Schools Day der Schlossfestspiele im Forum am Schlosspark mit hervorragend inszenierten Opernchören, die das Frausein augenzwinkernd beleuchteten.

Ein Kleiderständer mit schwarzen Lederjacken steht auf der Bühne und man kann die Wandlung ahnen, die hier vollzogen werden soll. Die geschieht auf musikalisch und theatralisch äußerst gelungene Weise, das Publikum spendet tosenden Applaus. Die Idee für dieses von Streicherensemble und Klavier begleitete Opernhighlight hatte Dirigentin Grit Steiner, die szenische Einstudierung lag in der Hand der Schauspielerin und Theaterpädagogin Lisa Kraus.

Die Eigenproduktion bestach mit hervorragend artikuliertem Gesang und faszinierender Steigerung. Als Spinnerinnen aus Wagners „Fliegender Holländer“ und Bauernmägde aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ agierten die 33 Mädchen bewusst artig und statisch. Bei der Barcarole aus Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ besangen sie schließlich auf lyrische Weise eine Liebesnacht. Doch Frauen können eben auch anders: Weg mit den Kopfhauben und den Schürzen, die Haare wild gewuschelt und die Lederjacken übergestreift. Die Hexen aus der Verdi-Oper „Macbeth“ machten reichlich Radau. Die Nixen aus Dvoraks „Rusalka“ gaben diesen wilden Mädchen einen weiteren Ausdruck: die Komplexität der Verführung, gefasst in mystischen Gesang. Robert Schumanns „Zigeunerleben“ schloss den Reigen auf spannungsvolle Weise ab.

Ein weiterer Höhepunkt des Schools Day war der Auftritt von drei Solostreichern der Jugendmusikschule Ludwigsburg. Mit Ausschnitten aus Camille Saint-Saëns Violinkonzert Nr. 3 sorgte Lynn My Le Trinh Stiegler für Begeisterungsstürme. Begleitet von Natalia Dyatchina am Klavier entfachte sie ein Feuerwerk jugendlicher Virtuosität. Mit Ausdruck und Tiefe überzeugte außerdem der junge Cellist Fabian Schneider, der begleitet von Ute Rademacher am Klavier einen Ausschnitt aus Dvoraks Rondo für Violoncello darbot. Die Geigerin Lavinia Laukner machte – begleitet von Siegfried Laukner am Klavier – deutlich, dass es bei Musik um mehr geht, als nur um das perfekte Spiel. Es ist die Emotionalität, die Zuhörer tief berührt wie bei diesem ekstatischen Presto von Wieniawski.

Die Kontraste machen es auch dieses Mal aus: Fünf junge Männer des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums in Stuttgart präsentieren sich als faszinierende Boygroup des Blechs. „Ebelu Brass“ ist der Name dieses Ensembles, das auch vor den leisen, feinen Tönen nicht zurückschreckt und den lässigen Bossa Nova ebenso drauf hat wie den rasanten Chattanooga-Choo-Choo-Swing. Vielgehört aber pfiffig arrangiert: Die Frank Sinatra-Hits „Strangers in the Night“ und „New York, New York“. Dem Alte Kameraden-Marsch entlocken die fünf Blasmusiker reichlich Esprit und sie legen auch noch einen fetzigen „Tequila“ nach.

Die von Michael Kallenberger geleitete Schulband des Helene-Lange-Gymnasiums hatte Pop, Rock und Soul mit druckvoll-kreativen Bläsersätzen im Programm. Dadurch bekamen bekannte Hits wie „Walking in Sunshine“ oder „You Can Leave Your Hat On“ einen ganz eigenen Charakter.

Der Intendant der Schlossfestspiele, Thomas Wördehoff, der den Abend moderierte, war von den Leistungen des musikalischen Nachwuchses aus den Partnerschulen der Schlossfestspiele begeistert und bezeichnete den Schools Day, der bereits zum dritten Mal mit Unterstützung des Freundeskreises der Festspiele realisiert wurde, als ideale Werbung für das Musizieren. Laut Wördehoff soll auch im nächsten Jahr ein Schools Day stattfinden.