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Mit Mut zur Veränderung zum Titel

Die Bietigheimer Tagesgruppe der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf hat den Filmpreis Goldene Gans gewonnen – und dabei viel über sich preisgegeben.

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Die Kinder bei der Preisverleihung mit den Betreuern Marco Seiffer, Hannah Flock und Catrin Voigt (von links). Foto: privat

Ludwigsburg. Der neunjährige Simon hat früher oft andere Kinder geärgert – heute macht er das nicht mehr. Und auch der zwei Jahre ältere Francesco hat sich verändert, seine Angst vor Spinnen ist nun weg. Für die beiden, die als Teil eines Hilfeangebots die Bietigheimer Tagesgruppe der Evangelischen Jugendhilfe besuchen, ein Erfolg, auf den sie sehr stolz sind. Und der ihnen nun einen weiteren beschert hat: den Sieg beim Filmpreis Goldene Gans in der Altersklasse bis 10 Jahre, ausgeschrieben vom Evangelischen Medienhaus, dem Diakonischen Werk Württemberg und den beiden Landesverbänden für Kindergottesdienst.

 

Dass sie es überhaupt so weit geschafft hatten, damit hätten sie nicht gerechnet, sagen die Kinder wie auch ihre Betreuer, die Pädagogen Hannah Flock, Marco Seiffer und die Praktikantin Catrin Voigt. Umso größer war deshalb der Jubel bei der Preisverleihung, als ihr Name genannt wurde. „Das war ein richtiger Erleichterungsschrei“, beschreibt Claudia Obele, Vorstandsvorsitzende der Jugendhilfe, den Samstag. Denn hinter dem Siegerbeitrag, einem Rap zum Wettbewerbsmotto „Mut zur Veränderung“, steckte viel Arbeit – und natürlich Mut, so viel von sich preiszugeben.

 

„Wäre das nichts für unsere Tagesgruppe?“, das hatten sich Flock und Seiffer gefragt, als sie von dem Filmwettbewerb erfahren haben. Denn ein wenig Erfahrung hatten sie bereits, und mit vielen Kindern sollte auch ein Beitrag möglich sein. Um das Projekt zu stemmen, reservierten sie für rund zwei, drei Monate die Donnerstage dafür. Doch schnell merkten sie, dass das nicht reichte. Denn der geplante Spielfilm stellte sich als zu produktionsaufwendig heraus. Zudem wäre es für viele Kinder ein Hemmnis gewesen, dass eines von ihnen den Hauptdarsteller hätte mimen müssen, so Hannah Flock.

 

Doch ganz aufgeben wollten sie nicht, und nachdem sie auf einer Tafel alles gesammelt hatten, was Mut zur Veränderung bedeutet, kam von Francesco die Idee, ein Musikvideo zu drehen. Das Lied komponierte Marco Seiffer, die Kinder lieferten jeweils eine Strophe, in der sie über sich und ihre Veränderungen rappen, dazwischen gibt es Tanzeinlagen, Francescos zweitliebste Aufgabe. Herausgekommen sind zwischen dem Refrain („Wenn du dich verändern willst, musst du dich anstrengen... und die Ketten sprengen“) teils sehr persönliche Einblicke – für die Kinder aber kein Hemmnis, sie seien mit sich und ihren Fehlern offen umgegangen. „Und es kennen sich ja auch alle untereinander“, so Flock, das habe das Vorhaben erleichtert.

 

Denn auch so war es schwierig genug. Gefilmt werden konnte nicht in einem speziellen Tonstudio, sondern einem Raum der Einrichtung in der Bietigheimer Moltkestraße – und nur mit einem Smartphone. Die Bilder wurden dann auf die zuvor eingesungenen Strophen geschnitten. Nicht immer synchron habe das funktioniert, gestehen die Pädagogen ein. „Aber dass die Technik nicht so 100-prozentig war, war nicht so relevant.“ Denn der Jury habe vor allem gefallen, dass die Kinder selbst mitbestimmt haben, wie der Wettbewerbsbeitrag aussehen soll, und das Motto 1:1 umgesetzt haben. Was aber wohl für die Jury vor allem zählte, ist, dass er so ernsthaft und ehrlich wurde, weiß Obele. „Und für die Kinder war es auch eine richtige Leistung, das ist nicht wie woanders, wo sie oft von Mittelschichteltern entsprechend unterstützt werden.“

 

Unterstützung gibt es nun übrigens auch von den Preis-Stiftern. 300 Euro gibt es für den Erstplatzierten. Gemeinsame Ausflüge sollen so finanziert werden, sagt Seiffer. Und vielleicht nimmt die Gruppe ein weiteres Angebot an, denn das Medienhaus verleiht auch Filmausrüstung. „Das könnte mal eine besondere Aktion sein“, sagt Seiffer. Und wer weiß – vielleicht gibt es dabei weitere Ideen für den nächsten Wettbewerb. Zumindest Francesco und Simon wären sicher wieder dabei, diesmal als Schauspieler. Man muss ja auch mal was anderes machen.

 

Info: Zu sehen ist der Wettbewerbsbeitrag online unter www.goldene-gans-filmpreis.de