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Neuer Anlauf für Halt an der Schnellbahn

Wer den Schwieberdinger Standort des Automobilzulieferers Bosch ansteuert, tut das meistens mit dem Auto. Maximal 300 Mitarbeiter kommen mit Bussen ins Schwieberdinger Gewerbegebiet, dabei beschäftigt Bosch hier mehr als 6000 Menschen – doch der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr ist schlecht. „Man muss mindestens zwei- oft viermal umsteigen“, sagt Hugo Matz, früher FDP-Fraktionschef in Schwieberdingen, und seit sehr langer Zeit Verfechter für einen Regionalbahnstopp an der Schnellfahrtrasse.

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Ludwigsburg. Die Vorteile liegen für Matz auf der Hand: Von den Knotenpunkten in Vaihingen und Zuffenhausen wären es bloß wenige Minuten nach Schwieberdingen. „Für das Projekt müsste man nur relativ wenig neues Gelände erschließen“, sagt der Freidemokrat. „Alles erfolgt auf bestehenden Trassen. Der laufende Betrieb wird nicht gestört.“

Im Schwieberdinger Rathaus läuft Matz offene Türen ein. „Ein Haltepunkt an der Schnellbahntrasse wäre wünschenswert und würde deutliche Verbesserungen mit sich bringen“, sagt Bürgermeister Nico Lauxmann. Sein Gemeinderat hat sich seit Langem entsprechend positioniert – genauso wie das Kommunalparlament in Markgröningen. Tatsächlich hat Lauxmann mit Boschvertretern jetzt einen neuen Anlauf beim Verkehrsministerium in Stuttgart unternommen. „Wir haben die Zusage, dass unser Wunsch in Ruhe geprüft wird“, sagt der Schwieberdinger Rathauschef.

Allerdings gibt es nach wie vor hohe Hürden: zum Beispiel die Fahrplangestaltung der Bahn mit Blick auf Stuttgart 21 und einer weiteren Belastung der Strecke. Außerdem würden Fahrgäste aus Vaihingen, Pforzheim oder Mühlacker durch einen zusätzlichen Stopp Zeit auf ihrer Fahrt nach Stuttgart einbüßen.

Was allerdings richtig ins Geld gehen und Investitionen in Millionenhöhe auslösen würde: Der Neubau eines Haltepunkts an der Schnellbahntrasse, der bekanntlich noch nicht existiert. Lauxmann sagt: „Das Vorhaben würde dem Neubau eines Bahnhofs gleichkommen.“ Das hätte man ihm aus dem Verkehrsministerium signalisiert.

Der ehemalige FDP-Ratsherr Matz plädiert für ein zusätzliches Haltegleis auf beiden Seiten auf einer Länge von vielleicht 300 Metern – dazu sollten P+R-Plätze kommen. „Ich stelle mir einen kleinen, einfachen Bahnhof vor“, sagt er, der einen Zugang von Markgröningen und Schwieberdingen mit Bushaltestelle für Fahrten nach Asperg und Ludwigsburg bekommen sollte.

Matz fordert nun öffentliche Willensäußerungen der Gemeinderäte, auch der Kreistag und der Stuttgarter Regionalverband mögen sich zu dem Vorhaben bekennen, zumal die Region eine rund 25 Hektar große Fläche bei Bosch als Gewerbeschwerpunkt ausgezeichnet habe. „Es könnte ein gemeinsames Treffen Betroffener geben“, sagt der Liberale, „das zum Beispiel der Landrat koordiniert.“

Am liebsten hätte Matz übrigens, dass die Regionalbahnen zweimal halten würden – in Schwieberdingen und Zuffenhausen, wo es Anschlüsse an die drei S-Bahn-Linien geben würde, die den Kreis mit Stuttgart verbinden.

 

Kommentar von Philipp Schneider:

Als die Bahn vor Jahren ihre ICE-Trassenplanung zwischen Stuttgart und Köln vorstellte, sagte der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn mit Blick auf einen Halt in Mannheim, seine Züge könnten „nicht jede Milchkanne mitnehmen“.

Wenn die Bahn also einen ihrer Knoten mit mehr als 630 Zügen am Tag als Milchkanne einordnet, stellt man sich die Frage, was ihr wohl zu einem möglichen Regionalbahnhalt bei Bosch in Schwieberdingen an der Schnellfahrstrecke einfallen würde, den es noch nicht gibt?

Der FDP-Politiker Hugo Matz hat trotzdem Pläne aus der Ablage P hervorgeholt, die mutmaßlich zwar keine schnelle Aussicht auf Umsetzung haben, die aber von Kommunalpolitikern in Schwieberdingen und Markgröningen sowie Vertretern des Boschkonzerns als wünschenswert bezeichnet werden.

Die Bahn hat derzeit mit Blick auf Stuttgart 21 kein Interesse daran, ein neues Fass aufzumachen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Infrastruktur für einen Haltepunkt mit zig Millionen Euro erst noch geschaffen werden müsste.

Im Interesse der Fahrgäste aus Vaihingen, Mühlacker und Pforzheim sind die Überlegungen auch nicht. Sie müssten auf ihrem Weg nach Stuttgart einen weiteren Stopp auf freiem Feld in Kauf nehmen.

Das alles heißt nun nicht, dass es sich nicht lohnt, die Pläne weiterzuspinnen. Die Milchkanne Mannheim hat die Bahn am Ende doch noch mitgenommen.