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Nicht einfach ins Heim abschieben

Die evangelische Jugendhilfe feiert das 25-jährige Bestehen ihrer Tagesgruppe in der Moltkestraße

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Betreuer und Kinder feiern den Geburtstag der Tagesgruppe. Hinten links Claudia Obele vom Vorstand der Jugendhilfe Hochdorf.Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Die evangelische Jugendhilfe Hochdorf feierte gestern mit den Familien, Betreuern, Ehemaligen und Partnern den 25-jährigen Geburtstag ihrer Tagesgruppe in der Bietigheimer Moltkestraße. Für die Stadt gratulierte Gemeinderat Ewald Wildermuth, der die Tagesgruppe eine „wertvolle und geschätzte Einrichtung“ bezeichnet.

Vor 25 Jahren hat die evangelische Jugendhilfe Hochdorf im Haus Bengel in der Moltkestraße eine Tagesgruppe eingerichtet. Das Betreuungsangebot war für Kinder, Jugendliche und Familien, die in Notsituationen und schwierigen Lebensphasen zeitweise Unterstützung und Entlastung benötigen.

Gegenwärtig werden hier neun Grundschulkinder im Alter von acht bis elf Jahren von den Pädagogen Marco Seiffer und Hannah Flock sowie der Praktikantin Susanna betreut. In den 25 Jahren haben 139 Kinder und Jugendliche die Einrichtung besucht.

„Tagesgruppe ist ein Erfolgsmodell“

Der elfjährige Francesco ist einer der Kinder, die nach der Schule in die Tagesgruppe für etwa fünf Stunden kommen. Er findet es hier gut, weil er viele Freunde hat. Dem zehnjährigen Simon gefällt das große Spielangebot nach den Hausaufgaben. Die Kinder und das Team der Tagesgruppe waren gestern Gastgeber. Eine Vernissage mit Gewinnspiel und selbst gebackene Waffeln gab es. Umrahmt wurde die Geburtstagsparty musikalisch und live von Benjamin Steinhoff, einem Sänger und Songwriter aus Großbottwar.

Claudia Obele vom Vorstand der Jugendhilfe Hochdorf bezeichnete die Tagegruppe als ein Erfolgsmodell, das 25 bewegte Jahre hinter sich habe. Die Problemlagen sollen mit dem Angebot der Tagesgruppe möglichst flexibel sein und reduziert werden können, betonte Obele. Das sei eine der Voraussetzungen für die Vermittlung der Tagesgruppenbetreuung durch die Sozialarbeiter des Kreisjugendamtes. Die Kosten der Betreuung trage das Kreisjugendamt, wenn Anspruch auf diese Hilfeform festgestellt werde.

Der Tagesablauf sei durchstrukturiert und jedes Kind wisse, wann die Zeit für die Erledigung der Hausaufgaben sei, aber auch wann es in die Holzwerkstatt zum Werken und Basteln, in den Kickerraum zum Geschicklichkeitswettkampf oder in den großen Garten zum Toben gehen könne. In den Schulferien unternehme die Tagesgruppe auch Ferienfreizeiten, in denen sich die jungen Menschen dann auch wohlfühlen.

Die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu selbstbestimmten und gemeinschaftsfähigen Menschen und die Schaffung möglichst positiver und förderlicher Lebensbedingungen, sei das übergeordnete Ziel, das hinter der Betreuung in der Tagesgruppe stehe, betonte Claudia Obele.

Voraussetzung für den Erfolg der Tagesgruppe sei, dass die Eltern mitmachten und ihre Kinder zum Besuch der Gruppe motivierten. Es finde eine Erziehungsteilung statt, für die ein regelmäßiger Austausch und gegenseitige Unterstützung unbedingt notwendig sei, sagte Obele. Eine intensive Elternarbeit sei wesentlicher Bestandteil der fachlichen Arbeit in der Tagesgruppe.

Stadtrat Ewald Wildermuth gratulierte als ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters für die Stadt. „Die Zeiten, in denen Kinder einfach in ein Heim verfrachtet wurden, sind glücklicherweise vorbei. Und das ist gut so“, betonte Wildermuth. Heute werde dem individuellen Schicksal mehr Rechnung getragen. Wildermuth begrüßte es, dass mit der Einrichtung der Tagesgruppe das Betreuungsangebot in der Stadt Bietigheim-Bisingen bereichert werde.

Info: Träger der Tagesgruppe ist Hochdorf – Evangelische Jugendhilfe im Kreis Ludwigsburg, ein gemeinnütziger Verein und Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg. Mit rund 80 Mitarbeitenden hält sie an vielen Orten im Landkreis Ludwigsburg sozialpädagogische Angebote und Hilfen für junge Menschen und deren Familien bereit. In differenzierten Betreuungsformen werden derzeit etwa 180 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und ihre Familien gefördert und begleitet. Die Formen der Betreuung umfassen stationäre Wohngruppen, Tagesgruppe, soziale Gruppenarbeit, flexible Hilfen und Jugendlichenbetreuung sowie Schulsozialarbeit. In den vergangenen Jahren wurde vor allem der ambulante Betreuungsbereich stark ausgebaut.