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Ditzingen

Solo- und Ensemblespiel – und die Überraschungen dazwischen

Regionalwettbewerb des 52. Wettbewerbs von „Jugend musiziert“ in der Ditzinger Glemsaue mit mehr als 200 Teilnehmern

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Ludwigsburg. Schnell noch ein Erinnerungsfoto – doch die Anspannung ist den kleinen Musikern ins Gesicht geschrieben. „Nach dem Vorspiel wird es besser“, sagt eine Mutter. Bereits zum 13. Mal richtete die Ditzinger Jugendmusikschule (Jms) am Wochenende den Regionalentscheid des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ aus. Über 200 Teilnehmer kamen, waren mit Begeisterung dabei –und sorgten ab und zu auch bei den Jurys für Verblüffung.

Kleiner Junge, große Tuba: Matteo Di Marco ist aus Pleidelsheim nach Ditzingen gekommen, als einziger Teilnehmer der Kategorie Solo-Tuba. Maximal 20 Minuten Zeit hat er nun, um die vierköpfige Jury zu überzeugen, etwa mit einer Musette von Johann Sebastian Bach. Keine leichte Aufgabe mit einem Instrument, das man fast ausschließlich von Orchesterbesetzungen kennt. Im vergangenen Jahr war er schon einmal mit dabei als Teil eines Blechbläser-Quintetts. Es sei so viel einfacher, „wenn man noch andere hat, an denen man sich festhalten kann“, erzählt er.

Von Musikvereinen umworben

Den Wettbewerb hakt er sofort ab: „Hätte besser sein können.“ Doch er wird mit 21 von 25 möglichen Punkten einen Achtungserfolg erringen. Allerdings ist für Matteo Di Marco ohnehin das Orchesterspiel das Ziel: „Ich hatte schon mehrere Anfragen von Musikvereinen“ erzählt der Junge, will freilich seinem Musikverein Münchingen treu bleiben. Der Wandel der Zeit: Früher hat man Saxofon gelernt, um cool zu sein. Heute lernt man Tuba und wird dafür von den Jugendorchestern umworben.

Für das Vorspiel eines sogenannten „besonderen Ensembles“ geht es im Anschluss hinüber ins einige Minuten entfernte Evangelische Gemeindehaus: Dort treten sieben Schülerinnen und ein Schüler für die Ludwigsburger Musikschule als Streicher-Oktett vor die Jury. „Das hatten wir, glaube ich, noch nie“, sagt Musikschulleiter Manfred Frank: Zu schwierig sei es beispielsweise, gemeinsame Proben für eine solche Besetzung anzuberaumen.

Violinen, Violen und Violoncelli

Unter der Leitung von Musiklehrerin Meike Brandenbusch haben die jungen Leute im Alter von zwölf bis 14 Jahren das Doppel-Quartett Nr 1 d-moll von Louis Spohr (1784 - 1859) exzellent vorbereitet: vier Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli. Schnell wird deutlich, warum diese Besetzung auch musikalisch so außergewöhnlich ist, denn die Regeln verlangen, dass die Ensembles ohne Dirigent auftreten. Und das macht die diffizilen Einsätze zur Königsdisziplin. „Gemeinsam atmen und aufeinander achtgeben“, beschreibt die Musiklehrerin, auf was es dabei ankommt.

Nach dem ersten Satz beginnt ein heiteres Plätzetauschen im Ensemble, das auch nach jedem Satz weitergeführt wird: Verblüffung bei der Jury. Der Kunstgriff von Meike Brandenbusch bezweckt, dass nicht immer dieselbe Musikerin die verantwortungsvolle Position der ersten Geige inne hat, ist aber riskant: Keiner weiß, wie das bei der Jury ankommt: „Didaktisch eine tolle Idee, im Konzert undenkbar“, sagt Manfred Frank.

Doch die Jury ist begeistert, vergibt mit 25 Punkten die Höchstwertung. Für die Jungmusiker bedeutet das: Entsendung zum Landeswettbewerb und Teilnahme am Preisträgerkonzert gestern Abend in der Ditzinger Sporthalle. Jubel setzt ein, und die eben noch so konzentrierten Musiker sind wieder ganz normale Jugendliche, die aufgeregt durcheinander reden. Und das macht „Jugend musiziert“ schließlich aus.