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Spannung beim musikalischen Aufbruch

Das Sinfonieorchester Ludwigsburg probt derzeit intensiv mit seinem neuen Dirigenten Hermann Dukek – Erstes Konzert am 1. April im Forum

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Gespannt, gelassen, unerbittlich: Hermann Dukek (links) drückt gern aufs Tempo, die Musiker machen sich fleißig Notizen.Fotos: Oliver Bürkle
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Ludwigsburg. Jung, drahtig, schlank steht Hermann Dukek im Probenraum der Waldorfschule an diesem Abend im petrolblauen Pullover vor seinen Musikerinnen und Musikern und schaut in die Runde. Während das Sinfonieorchester Ludwigsburg seine Instrumente auspackt, Stühle rückt und Notenpulte aufstellt, scheint der Dirigent schon innerlich mit den Tücken und Kostbarkeiten von Robert Schumanns d-Moll-Sinfonie beschäftigt, die er mit dem Orchester heute wieder ein Stück weiterbringen will. Erst seit Anfang Januar probt Dukek das Programm seines Debütkonzerts mit dem städtischen Orchester, das am 1. April im Forum unter dem Motto „Aufbruch“ stattfinden wird. Zehn Proben waren es seither – eigentlich eine recht knapp bemessene Zeit für ein Konzert, das mit Beethovens Egmont-Ouvertüre, Max Bruchs g-Moll-Violinkonzert und Schumanns 4. Sinfonie große Kaliber enthält, die für ein Amateurorchester hohe Ansprüche stellen.

 

Langsam wird es ruhig, es ist kurz nach halb acht. Seit Anfang März fangen die wöchentlichen Proben eine halbe Stunde früher an, die letzten Bläsertöne verstummen, auch der fröhliche Plausch zwischen zwei Geigerinnen. Dukek packt demonstrativ seinen Taktstock aus, lehnt am Podiumsgeländer, gespannt und doch gelassen. Meike Brandenbusch, die neue Konzertmeisterin des Orchesters, welche am 1. April auch die Solistin im Bruch-Violinkonzert sein wird, gibt dem Oboisten das Zeichen für den Kammerton A, gibt ihn nach den Bläsern weiter an die Kontrabassisten, Celli, Bratschen, Geigen. In voller Besetzung am 1. April wird das Sinfonieorchester Ludwigsburg mit 80er-Stärke auf der Forum-Bühne sitzen: ein Klangkörper, der die romantischen Werke des Programms gewiss mit starkem Ausdruck musizieren wird.

 

Doch vor die Kür im Forum sind die Mühen der Pflicht gesetzt. Hermann Dukek lässt die Bläser des Orchesters einen Choral intonieren, in dem es heißt: „Ist alles gut, wenn gut das End!“ Das klingt wie ein guter Vorsatz für den Schumann, bei dem Dukek gleich „mit unserer Lieblingsstelle“ anfängt: Finale, Takt 811, die Coda am Schluss des vierten Satzes, schneller wird’s nur noch im Presto ab Takt 854, doch es stürmt schon in einem Höllentempo voran. „Können wir das noch ein wenig schneller machen?“ Ungläubiges Staunen in einigen Gesichtern, doch an diesem Punkt ist der junge Maestro unerbittlich, gibt auch gleich noch seinen Rat dazu: „Das war letztes Mal schon viel besser! Je mehr Sie bei dieser Stelle auswendig können, umso leichter kann es laufen“. Sprung zum ersten Satz, auch hier die Coda mit der Wiederkehr des Hauptthemas ab Takt 337: „Da gibt’s auch so eine Ende-gut-alles-gut-Stelle!“ Wobei Dukek jetzt statt Tutti erst „alle Sechzehntel-Spieler“ loslegen lässt, und anschließend den Bratschen und Klarinetten nahelegt: „Bleiben Sie bequem! Und jetzt noch eine Idee schneller!“

 

Ein paar Tage später beim Probenwochenende sind es nur noch zwei Wochen vor dem Konzert. Doch die Stimmung ist gut, die Atmosphäre wesentlich entspannter gegenüber der anderen Probe, zu der viele Orchestermitglieder ja nach dem Berufsalltag zusammenkommen. „Gemeinsames Musizieren in einem Liebhaberorchester vermittelt starke Gefühlserlebnisse, aber Instrument und Noten sind immer auch eine intellektuelle Herausforderung“, hat ein Orchestermitglied in der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Orchesters geschrieben. 2018 feiern die Ludwigsburger Sinfoniker ihr 60-Jähriges, und wenn man Dukek und seine Musiker beobachtet, kann man durchaus vermuten, dass nach der erfolgreichen Ära Siegfried Bauer hier etwas Neues mit spannenden Aussichten am Entstehen ist. Nach ein paar Stunden Schumann-Proben beginnt Hermann Dukek am Samstagnachmittag mit dem Adagio des Bruch-Violinkonzerts an seiner leisesten Stelle. Wunderbar, welch samtenes Pianissimo die Streicher hier zustande bringen, federnd dann der tänzerische Akzent der Holzbläser im Finale.

 

Nachdem die heiklen Stellen im Kopfsatz durchgeprobt sind, kommt Meike Brandenbusch dazu: Der Beginn mit den beiden Solokadenzen und dem prächtigen Orchestertutti dazwischen klappt vorzüglich, der Streicherteppich mit den Pizzicati der Celli und Kontrabässe federt, auch die Rubato-Verzögerungen der Solistin werden vom Orchester konzentriert aufgenommen. Vieles klingt schon erstaunlich homogen, bei manchen Stellen huscht ein kleines Lächeln über Dukeks Gesicht. Der junge Dirigent bleibt immer im Blickkontakt, hier ein aufmunterndes Kopfnicken, dort ein energisches Nachhaken. Die „Chemie“ stimmt ganz offensichtlich zwischen Dukek und seinen Musikern.

 

Info: Das Konzert des Sinfonieorchesters Ludwigsburg im Forum beginnt am Samstag, 1. April, um 20 Uhr. Karten gibt es beim LKZ-Ticketservice (Körnerstraße 14-18, Ludwigsburg) und in der NEB-Geschäftsstelle (Bahnhofstraße 8a, Besigheim).