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Umweltschonendes Fahren ist leicht

Dicke Luft herrscht in vielen Innenstädten, regelmäßig Feinstaubalarm in Stuttgart. Und das Neckartor hat mit zu vielen Grenzwertüberschreitungen Berühmtheit erlangt. Dieselautos blasen zu viele Stickoxide in die Luft. Allerdings könnte man meinen, dass Schadstoffe zuerst im Kopf der Fahrer entstehen, die zu sehr aufs Gaspedal drücken. „Durch die richtige Fahrweise kann man auch viel für die Umwelt tun“, weiß Jochen Klima, der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg.

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„Mit ein paar Tricks lässt sich viel Sprit sparen.“ Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg

Ludwigsburg. „Die meisten Autofahrer können viel spritsparender fahren“, betont Jochen Klima. „Und damit auch mit einem geringeren Schadstoffausstoß“, sagt der Vorsitzende des Südwest-Fahrlehrerverbandes. Allerdings: „Ein Auto, das gar keine Abgase und keinen Feinstaub produziert, gibt es nicht. Man produziert beim Fahren immer Feinstaub und andere Schadstoffe – unabhängig davon, ob man einen
Diesel, einen Benziner oder ein E-Auto fährt. Denn durchs Beschleunigen und Abbremsen landet viel Gummiabrieb auf den Straßen, durchs Bremsen auch noch der Abrieb von Bremsscheiben und -belägen.“ Die einzige Möglichkeit wäre, gar nicht erst zu fahren.

 

Herr Klima, wie viel Sprit können normale Fahrer durch eine vernünftige Fahrweise
eigentlich einsparen?
Jochen Klima: Bis zu 30 Prozent sind schon bei geringen Verhaltensänderungen möglich. Bei einem Spritspartraining haben wir sogar schon mal eine Einsparung von fast 60 Prozent gehabt – bei der ersten der beiden Vergleichsfahrten habe wir da aber auch ganz
ordentlich Gas gegeben. Man kann allein durch seine Fahrweise viel weniger Schadstoffe produzieren. Zudem ist die heutige Motorengeneration viel effizienter, die Technik hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht – egal, ob bei Diesel oder Benzinern. Viele Fahrer haben sich allerdings im Verlauf ihrer langjährigen Praxis einen Fahrstil angewöhnt, der sich eher an älteren Fahrzeugen orientiert. Dieser müsste angepasst werden. Energiesparende Fahrweise lässt sich recht einfach lernen.

 

Welche Tipps können Sie geben?
Ballast abwerfen: Nicht alles, was man im Kofferraum rumfährt, muss sich dort auch ständig befinden. 100 Kilo Mehrgewicht erhöhen den Verbrauch um etwa einen Liter auf 100
Kilometer. Auch Dachboxen und Heckträger sollte man nur installiert haben, wenn man sie braucht. Diese verursachen, bedingt durch den höheren Luftwiderstand, einen Mehrverbrauch von bis zu 30 Prozent. Auch Stromfresser wie Klimaanlage und Heckscheibenheizung müssen nicht ständig eingeschaltet sein. Durch sie kann sich der Verbrauch um einen halben bis einen Liter erhöhen. Man sollte auch den Reifendruck alle 14 Tage kontrollieren, und um ein halbes Bar gegenüber den Angaben in der Bedienungsanleitung erhöhen. Darüber hinaus sollte man sich schon vor dem Start des Motors anschnallen, Sitzposition überprüfen und natürlich den Motor im Stand nicht warm laufen lassen.

 

Und was die Fahrweise angeht?
Schon bei kurzen Stopps sollte der Motor ausgeschaltet werden. Die Faustregel lautet: Eine Minute Motor aus spart den Sprit für etwa
einen Kilometer Reichweite. Und generell: früh hochschalten, im Vergleich zu früher bei Schaltgetrieben einfach einen Gang höher wählen. Zudem sollte man niedertourig, aber nicht untertourig fahren. Solange der Motor nicht ruckelt, ist es der richtige Gang. Bei Tempo 50 kann man ruhig im vierten oder fünften Gang fahren.

 

Wie ist es bei Automatikfahrzeugen?
Ganz einfach: das Fahrprogramm Economy wählen und unnötige Kickdowns vermeiden. Moderne Automatikgetriebe schalten viel präziser als Schaltgetriebe. Sie brauchen heutzutage auch weniger Treibstoff als vergleichbar motorisierte Fahrzeuge mit Schaltgetriebe.

 

Entsprechende Fahrweisen in Theorie und Praxis werden auch im Fahrschulunterricht praktiziert. Wie sollte man denn fahren?
Das beginnt schon vor der Fahrt. Wenn man seine Abfahrtszeit plant und die Strecke so wählt, dass man nicht gleich im Stau steht, kann man viel Zeit und Sprit sparen. Dazu gehört, dass man ein Zeitpolster hat und rechtzeitig losfährt. In erster Linie sollte man entspannt fahren – auch wenn sich das im heutigen, stressigen Berufsleben schwierig anhört. Sie sollten durch den Verkehr gleiten, gleichmäßig niedertourig. Vorausschauendes Fahren ist ganz wichtig. Dadurch kann man Stockungen frühzeitig erkennen und darauf reagieren, ohne abbremsen zu müssen. Dies gilt auch für rote Ampeln. Einfach auf diese zurollen, mit etwas Glück muss man nicht bis zum Stillstand abbremsen und kann den Schwung ausnutzen. Man sollte auch beim Halten nicht zu früh die Kupplung treten, weil man sonst die Schubabschaltung nicht nutzt.

 

Viele lassen auch sehr wenig Abstand zum Vordermann. Andere, die es tun, ärgern sich über die Lückenhüpfer.
Man sollte sich nach Möglichkeit einen größeren Spielraum lassen, das heißt mehr Abstand. Wenn der Vorausfahrende langsamer wird, muss man nicht gleich bremsen oder gar anhalten. Nach einer kürzlich vorgestellten US-Studie entwickeln sich im dichten Verkehr weniger Staus, wenn man mehr Abstand lässt. Außerdem verbraucht das Anhalten und das erneute Anfahren mehr Treibstoff, als gleichmäßiges Weiterrollen.

 

Wie kann man den Verbrauch und die Luftschadstoffe sonst noch beeinflussen?
Wo es zum Ziel und der Zeitplanung passt, kann man ja auch einfach auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Ein gesellschaftliches Thema ist der Trend hin zu großen, stärker motorisierten Fahrzeugen und SUVs. Es ist doch logisch, dass zum Beispiel ein Kleinwagen weniger Schadstoffe und Feinstaub produziert als ein großer SUV.

 

Wie kann man eine andere Fahrweise trainieren?
Viele Fahrschulen bieten individuelle Spritspartrainings an. Auch die Verkehrswacht und die Autoclubs bieten Kurse an.

 

Zur Person: Jochen Klima ist seit 1981 Fahrlehrer – und das bereits in dritter Generation. Der 59-Jährige ist Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e. V. mit Sitz in Korntal-Münchingen.

 

 

Nur geringe Nachfrage nach Spritsparkursen

Spritsparprofis zeigen Interessierten, worauf es beim Fahren wirklich ankommt. „Energiesparendes Fahren kann jeder lernen“, sagt Jutta Kuhn, Geschäftsführerin der Kreisverkehrswacht Ludwigsburg e.V., „und das ohne viel Aufwand und schneller, als man glaubt“. Klar sei, dass man bei einer Veränderung des Fahrstils durch einen geringeren Schadstoffausstoß auch einen Beitrag zum Schutz des Klimas und der Umwelt leiste, so die Spritsparmoderatorin. „Der Kurs hat einen theoretischen und einen praktischen Teil“, sagt Kuhn. Meist fahre man eine bestimmte Strecke im normalen Straßenverkehr, tanke wieder auf, um dann die gleiche Strecke nach Anweisung des Spritsparmoderators zu fahren. „Unter Kursbedingungen sind bis zu 30 Prozent Ersparnis drin“, betont Kuhn. Auch im Alltagsverkehr sei das Einsparpotenzial beträchtlich. Allerdings sieht die Kreisverkehrswacht seitens der Autofahrer seit Jahren nur eine sehr dürftige Nachfrage nach den gebotenen Kursen. Diese Kurse bietet auch die Verkehrswacht Vaihingen/ Enz an. Auch Autoclubs wie der ADAC und der ACE bieten Spritspartrainings an. Einen Einstieg bieten auch die Fahrsimulatoren der Landesverkehrswacht und der Verkehrswacht Ehingen. Sie informieren auf Umwelt- und Verkehrssicherheitstagen.

 

Viele Tipps enthält auch die Broschüre „Energiesparend Fahren“, die das Land Baden-Württemberg herausgegeben hat. Sie kann man auch als PDF unter der Adresse www.baden-wuerttemberg.de/de/service/publikation/did/energiesparend-fahren/ herunterladen. (dre)