Logo

flexible Hilfe

Unterstützung für Familien kommt auch auf Abruf

Immer mehr psychische Erkrankungen verursachen auch Familienprobleme. Dieser Aufgabe stellt sich seit 20 Jahren die evangelische Jugendhilfe Hochdorf auch in Bietigheim.

350_0900_20712_kr_fh.jpg
Besprechung bei der flexiblen Hilfe der evangelischen Jugendhilfe Hochdorf im Büro Bietigheim von links: Vorstandsvorsitzende Claudia Oberle, Fachleiterin Andrea Braun und die pädagogischen Mitarbeiterinnen Claudia Schulz-Kroll und Annika Ekenja.Foto: Alfred Drossel

bietigheim-bissingen. Vor 20 Jahren hat die evangelische Jugendhilfe Hochdorf ihre flexible Hilfen im Landkreis eingerichtet. Mittlerweile betreuen 30 Mitarbeiterinnen rund 150 Familien. Standorte gibt es neben Bietigheim auch in Ludwigsburg, Sachsenheim und Großbottwar. Für die Vorstandsvorsitzende, Claudia Obele, arbeiten die Mitarbeiter der flexiblen Hilfe „gnadenlos gut“, dass das 20-jährige Bestehen Anlass sei, Bilanz zu ziehen und Danke zu sagen.

„Veränderungen in der Gesellschaft und damit im Leben von Kindern und Familien erfordern neue und flexible Lösungen“, betont Claudia Obele. Die evangelische Jugendhilfe Hochdorf habe deswegen schon vor 20 Jahren mit dem Aufbau ihrer flexiblen Hilfen begonnen, als damals ganz neue Form der Erziehungshilfe .

Die erste Dienststelle wurde im Oktober 1998 in Bietigheim am Kronenplatz eingerichtet. Mittlerweile betreibt und organisiert die Jugendhilfe diese ambulante Form der Unterstützung an vier Standorten. Der zunehmende Bedarf im Bereich der ambulanten Hilfen außerhalb gewohnter Strukturen sowie die verstärkte Nachfrage nach individuellen und kurzfristigen Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien bei gesellschaftlichen Problemen, wie Ehetrennungen oder Schulproblemen, führten zur Entwicklung dieses Konzeptes.

Betroffene bestimmen den Inhalt

„Die flexiblen Hilfen verstehen sich als besonders bedarfsorientiertes und individuell ausgerichtetes Unterstützungsangebot im Bereich der Hilfen zur Erziehung, dessen Hauptmerkmal die zeitliche, räumliche und inhaltliche Flexibilität ist“, unterstreicht Andrea Braun, Fachleiterin des Dienstes und „Frau der ersten Stunde“.

Die jeweilige Art der Hilfe erfolgt durch einen in jedem Einzelfall eingeleiteten Prozess, der wesentlich von den Betroffenen selbst reguliert und gestaltet wird. Über Umfang, Zeit, Ort und Inhalt der Unterstützung wird jeweils neu entschieden.

Das Vorgehen wird zeitnah den Entwicklungen angepasst. Eine enge Kooperation mit dem Kreisjugendamt, von dem die Anforderung kommt, und anderen Hilfsorganisationen seien Grundvoraussetzung für die fachliche Arbeit, unterstreicht Braun.

„Grundlage unserer Arbeit ist die Erhaltung familiärer Bindungen, wo immer sie für die Kinder förderlich und gewollt sind. Aber auch die Veränderung oder Beendigung schädigender Einflüsse stellen eine wesentliche Aufgabe in der Betreuungsarbeit dar“, so Sozialarbeiterin Claudia Schulz-Kroll, die seit Jahren praktische Arbeit leistet und weiß wie und wo man anpacken muss.

Die Zahl der Fälle nehme zu, bestätigt auch Claudia Oberle. Mehr und mehr seien psychische Erkrankungen ursächlich für viele familiäre Probleme. Die Fälle kämen aus allen sozialen Schichten der Gesellschaft, allerdings überwiegend aus deutschen Familien.