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„Wenn ich übe, bin ich bei mir“

Die Geigerin Meike Brandenbusch spielt am 1. April Max Bruchs Violinkonzert mit dem Sinfonieorchester Ludwigsburg

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Beim Konzert Anfang Mai geht‘s romantisch zu: Meike Brandenbusch ist die neue Konzertmeisterin des Sinfonieorchesters.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Seit Beginn dieses Jahres ist Meike Brandenbusch 1. Konzertmeisterin im Sinfonieorchester Ludwigsburg. Die Geigerin ist die erste Profimusikerin auf diesem Posten, und sie erlebt das städtische Orchester, welches sich in der Regel aus qualifizierten Amateuren zusammensetzt, gerade in einer wichtigen Phase nach dem Wechsel vom langjährigen Leiter Siegfried Bauer zum neuen Dirigenten Hermann Dukek. „Es ist eine starke Aufbruchsstimmung spürbar, und ich freue mich, dass ich Teil davon bin“, sagt die sympathische Freiburgerin. Beim Debütkonzert des Sinfonieorchesters Ludwigsburg unter dem neuen Dirigenten am 1. April im Forum wird sie als Solistin Max Bruchs erzromantisches 1. Violinkonzert g-Moll spielen, außerdem stehen Beethovens „Egmont“-Ouvertüre und Schumanns 4. Sinfonie auf dem Programm.

 

Wie kam Meike Brandenbusch zur Violine? „Mit drei Jahren stand ich vor einem Musikaliengeschäft in Freiburg und sah dieses Instrument“, erzählt sie. „Ich wollte unbedingt eine Geige. Eine Weile musste ich noch darauf warten, aber dann lag sie unterm Weihnachtsbaum.“ Spätestens im Alter von elf Jahren war für sie klar, dass Musik und Geige für sie ein wesentlicher Teil ihrer Existenz werden sollten. Schon vier Jahre später spielte sie ihr erstes Solokonzert mit Orchester, nach Schulzeit in Karlsruhe und Abitur in Nagold ging sie zurück zum Studium an die Freiburger Musikhochschule und studierte ein Jahr bei Maria Vermes an der Franz-Liszt-Akademie in Budapest. Auf Konzertreisen mit ihrem Streichquartett kam sie auch mit zeitgenössischen ungarischen Komponisten in Kontakt. „Ich habe fleißig Ungarisch gelernt: eine schöne, rhythmische Sprache. Man hört die Rhythmen, die man bei Bartók und Kodály kennt, immer mit Betonung auf der ersten Silbe.“

 

Mit dem Jahr 2000 wurde Meike Brandenbusch Konzertmeisterin im Fellbacher Kammerorchester, das damals von Sebastian Tewinkel geleitet wurde. Gleichzeitig stieg sie im Ladies Swing Quartet ein und spielte in den folgenden Jahren zeitweise im Orchester des Nationaltheaters Mannheim, bei Enoch zu Guttenbergs Orchester der Klang-Verwaltung, im Bach-Collegium Stuttgart unter Helmuth Rilling, mit dem Ensemble Stiftsbarock und anderen. Seit 2014 ist sie Mitglied der 1. Geigen im Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Ob „E“- oder „U“-Musik: Die Geigerin, auf deren Homepage man als Motto „Musik ist mein Leben, meine Leidenschaft, meine Inspiration“ finden kann, ist in jeder Beziehung voll engagiert. „Die Auftritte mit dem Ladies Swing Quartet haben sofort viel Spaß gemacht. Die Ernsthaftigkeit, das ganz Konzentrierte bei den klassischen Konzerten war völlig weg, wurscht. Das war wahnsinnig befreiend. Ich habe dabei eine neue Genauigkeit gewonnen, was mich geigerisch in jeder Hinsicht erweitert hat – auch was das Improvisieren angeht.“

 

Gegenüber früheren 80 Konzerten pro Jahr hat die Geigerin ihre Auftritte mit dem Ladies Swing Quartet drastisch eingeschränkt, denn zu ihren Verpflichtungen gehört auch ein Lehrauftrag an der Jugendmusikschule Ludwigsburg, den sie seit 2007 innehat. So entwickelt sich ein normaler Arbeitstag zwischen Üben, Unterrichten, Proben und Konzerten. „Wenn ich zwei Stunden üben kann am Tag, dann geht’s mir gut. Wenn ich übe, bin ich bei mir, bin ausgeglichen, bin stark für den ganzen Tag“, erzählt Meike Brandenbusch.

 

Auch als Geigenlehrerin ist sie äußerst motiviert und erfolgreich. Zahlreiche ihrer Schülerinnen und Schüler sind Stipendiaten der Hochbegabten-Förderklasse, waren Preisträger beim Wettbewerb „Jugend musiziert“, im Landesjugendorchester Baden-Württemberg sind derzeit die führenden Geigenpositionen mit Schülerinnen ihrer Klasse besetzt. Sie müsse ihre Schüler nicht zum Üben antreiben, meint sie, im Gegenteil: „Im Moment habe ich einen Stall von 16-Jährigen, alles Mädchen. Die sind wahnsinnig fleißig, manchmal muss ich sie bremsen, dass sie sich nicht die Finger wund üben.“

 

Im Augenblick freut sich Meike Brandenbusch auf das Bruch-Violinkonzert und ihr erstes Konzert mit dem Sinfonieorchester Ludwigsburg. Die Proben sind in vollem Gange, für den 1. April hofft sie auf guten Besuch im Forum. Auch an zeitgenössischer Musik hat sie Interesse. „Mein Herz ist schon vor allem bei der Klassik. Aber während meines Studiums habe ich viel zeitgenössische Musik gespielt, und vielleicht können wir im Sinfonieorchester der Stadt Ludwigsburg ja auch mal das eine oder andere Werk einflechten.“ Doch zum Auftakt mit Hermann Dukek spielen die 80 Musikerinnen und Musiker ein klassisch-romantisches Programm.

 

Info: Das Konzert des Sinfonieorchesters Ludwigsburg unter dem Motto „Aufbruch“ beginnt am 1. April um 20 Uhr im Forum. Karten gibt es beim LKZ-Ticketservice (Körnerstraße 14-18, Ludwigsburg) und in der NEB-Geschäftsstelle (Bahnhofstraße 8a, Besigheim).