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Müllentsorgung

Abfallverwertungsgesellschaft AVL verteidigt die Umstellung zum neuen System

Die Diskussion um die Einführung einer gelben Verpackungstonne und einer Glasbox erregt die Bürger. Tilman Hepperle, Geschäftsführer der Abfallverwertungsgesellschaft AVL, verteidigt die Umstellung. „Ein großer Vorteil des neuen Systems ist, dass es langfristig die Gebührenkasse schont“, so Hepperle.

So wie im Rhein-Neckar-Kreis könnten künftig auch die Glasboxen im Landkreis Ludwigsburg aussehen. Foto: privat
So wie im Rhein-Neckar-Kreis könnten künftig auch die Glasboxen im Landkreis Ludwigsburg aussehen. Foto: privat
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Foto: Ramona Theiss
Kreis Ludwigsburg.

Herr Hepperle, die AVL will Ende des Jahres neue Mülltonnen einführen. Statt flach und rund gibt es dann die gelbe Tonne, die grüne Papiertonne und die blaue Glasbox. Warum stellen Sie um?

Das liegt am neuen Verpackungsgesetz des Bundes. Das schreibt vor, dass die Wertstoffe künftig noch besser getrennt und verwertet werden müssen – um Ressourcen zu schonen und die Umwelt zu schützen. Uns war wichtig, dass das Altglas auch künftig bei den Menschen vor der Haustür abgeholt wird, dafür haben wir uns in den Verhandlungsgesprächen eingesetzt.

Wie schnell wird umgestellt? Wird es eine Zeit lang die alten Tonnen parallel zu den neuen geben?

Zunächst liefern die dualen Systeme die neuen Behälter aus. Anschließend werden die aktuellen Rund-Tonnen abgeholt. lmmer, wenn es einen Systemwechsel gibt, sind Überschneidungen unausweichlich. Alle Beteiligten geben ihr Bestes, damit der Austausch so schnell und reibungslos wie möglich vonstattengeht. Der Austausch beginnt vermutlich im Laufe des Oktobers. Die Rund-Tonnen werden zu Beginn des nächsten Jahres abgeholt.

Wer bezahlt den Austausch?

Den Tonnentausch bezahlen die dualen Systeme beziehungsweise deren beauftragte Entsorger. Auf die Abfallgebühr wirkt sich der Austausch nicht aus.

Brauchen die Hausbesitzer mehr Platz, um die Tonnen vor ihrer Haustür unterzubringen?

Das neue System kommt, wie bisher auch, mit vier Tonnen aus. Die Glasbox gilt als Alternative für Haushalte, bei denen das Glasaufkommen normal, der Platz auf dem Grundstück allerdings begrenzt ist. An Mehrfamilienhäusern und größeren Wohnanlagen wird durch das breitere Sortiment an Behältergrößen in der Regel nicht mehr Platz benötigt als bisher. Teilweise kann sogar Platz eingespart werden.

Wie viele Tonnen stehen zukünftig maximal vor dem Eigenheim?

Wenn Sie sich für eine Glastonne entscheiden, haben Sie mit Restmüll, Biomüll, Altpapier und der Gelben Tonne insgesamt fünf Tonnen vor Ort.

Kann ich wählen, welche Größe ich brauche?

Zunächst wird von den dualen Systemen an alle Grundstücke eine auf die Anzahl der Haushalte abgestimmte Behälterausstattung ausgeliefert. Wenn diese nicht passt, werden die Behälter auf Wunsch ausgetauscht oder weitere ausgeliefert. An alle Ein- und Zweifamilienhäusern zum Beispiel wird eine 36-Liter-Glasbox ausgeliefert. Auf Wunsch kann diese später in eine 120-Liter-Tonne umgetauscht werden. Behältergemeinschaften an Mehrfamilienhäusern und Wohnanlagen werden mit noch größeren Tonnen ausgestattet.

Wie sieht es in einem normalen vierköpfigen Haushalt mit Eigenheim in Zukunft aus?

An diesem Beispielobjekt befinden sich künftig vier Tonnen und eine Glasbox.

Und wie ist das, wenn ich in einem Mietshaus mit fünf oder mehr Parteien wohne?

Mehrfamilienhäuser profitieren deutlich vom neuen Sammelsystem, da die Gelben Tonnen zukünftig auch in der 1100-Liter-Variante verfügbar sein werden. Da kann gegenüber mehreren 240-Liter-Tonnen teilweise Platz gespart werden.

Thema blaue Glasbox. Reichen die 36 Liter für einen vierwöchentlichen Abholrhythmus aus?

36 Liter reichen Haushalten in anderen Landkreisen mit demselben Sammelsystem aus. Sie können jedoch auch problemlos eine zweite Glasbox erhalten oder auf eine 120-Liter-Tonne umsteigen. Alle Wertstofftonnen, also Altglas, Altpapier und Leichtverpackungen können zudem mit beliebig vielen Nachbarn gemeinschaftlich genutzt werden. Auch hierbei kann Platz eingespart werden.

Lesen Sie hier: Abfallentsorgung im Kreis: Gelb und blau statt flach und rund

Was mache ich, wenn ich mehr Glas entsorgen muss?

Dann erhalten Sie eine zweite Glasbox oder tauschen die Glasbox gegen eine 120-Liter-Tonne. Alternativ können Sie Ihr Altglas in einen von rund 100 Altglascontainern werfen, die es im Landkreis gibt. Eine Übersicht wird es unter www.avl-lb.de geben. Auch auf großen Wertstoffhöfen werden wir Glas annehmen.

Was kommt in die blaue Glasbox?

In die blaue Glasbox kommen ausschließlich Verpackungen aus Glas – also von der klassischen Glasflasche bis hin zum Gurken- oder Marmeladenglas.

Wo entsorge ich Glasbruch?

Glasbruch kann wie ganze Flaschen oder Gurkengläser über die Glasboxen oder blauen Tonnen entsorgt werden. Glas, das keine Verpackung ist, kann über die Restmülltonne entsorgt werden. Alternativ nehmen wir auf den Wertstoffhöfen Burghof Plus und am Froschgraben auch Glas gegen eine Gebühr an.

Was machen ältere Menschen, die eine 36-Liter-Box nicht tragen können?

Die 36-Liter-Box wiegt, wenn sie komplett gefüllt ist, höchstens acht bis zehn Kilogramm. Alternativ kann die Box in eine 120-Liter-Tonne getauscht werden, welche auch mit den Nachbarn gemeinschaftlich genutzt werden kann.

Wo deponiere ich die Glasbox, bis sie abgeholt wird?

Die Box kann neben den Mülleimern aufbewahrt werden. Ebenso in der Küche oder im Keller. Hier gibt es keine Vorgaben. Man muss ja wissen: Altglas muss in den meisten Landkreisen ausschließlich in Glasdepotcontainern entsorgt werden. Auch hierbei muss das Glas zuvor irgendwo gesammelt werden.

Die Glasbox ist nicht geschlossen. Es kann also jeder sehen, was ich getrunken habe. Wie kann ich meine Privatsphäre schützen?

Sie können Altglas alternativ in einen von rund 100 Altglascontainern werfen, die es im Landkreis gibt. Eine Übersicht wird es unter www.avl-lb.de geben. Auch auf großen Wertstoffhöfen werden wir Glas annehmen.

Wenn ich die Glasbox am Abend auf die Straße stelle – ist da nicht für Vandalismus Tür und Tor geöffnet?

Das System mit den Glasboxen hat sich im Rhein-Neckar-Kreis bereits seit einigen Jahren bewährt. Wir haben uns dies an einem Abfuhrtag in Wiesloch angeschaut. Die Glasboxen waren sauber zur Leerung aufgereiht. Es lagen keine Glasscherben auf den Gehwegen, weder vor noch nach der Leerung.

Steigen durch den Austausch die Müllgebühren?

Die Kosten für den Austausch tragen die dualen Systeme. Ein großer Vorteil des neuen Systems ist, dass es langfristig die Gebührenkasse schont.

Werden Sie eventuell sinkende Müllgebühren an die Verbraucher weitergeben?

Natürlich geben wir Einsparungen an die Gebührenzahler weiter. Wir hoffen, dass die Gebühren in den nächsten Jahren stabil gehalten werden können.

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