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Musiker

Auf der Orgel geht auch ein Blues

In der Konstanzer Kirche findet auch Orgelunterricht statt. Andreas Gräsle, Bezirkskantor in Ditzingen, kümmert sich um den Nachwuchs. Teilweise auch mit großem Erfolg. Der 16-jährige Oskar Javier Fromlowitz hat vor wenigen Tagen den dritten Platz beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen. Für ihn hat seine Orgelkarriere mit den Vorbereitungen zu einer Hochzeit begonnen.

Oskar Javier Fromlowitz an der Orgel.Foto: privat
Oskar Javier Fromlowitz an der Orgel. Foto: privat

Ditzingen. Dem Nachwuchs eine Chance. In Ditzingen ist dafür Andreas Gräsle zuständig – zumindest beim Orgelspiel. Der Bezirkskantor hat aktuell einiger Orgelschüler unter seinen Fittichen und zumindest einer starten bereits mit seiner Karriere. Das ist Oskar Javier Fromlowitz. Dabei lag die Leidenschaft des 16-Jährigen ursprünglich gar nicht bei der Orgel – der Königin der Instrumente. Bereits mit fünf Jahre begann er mit dem Klavierunterricht.

Das war so üblich in der Familie, doch währen die beiden anderen Brüder sich später dem Hip-Hop und der Pop-Musik zuwandten, blieb Bruder Oskar beim Klavier. Moderne Musik interessiert ihn wenig, wenn er etwas hört, dann ist es Klassik. „Wobei ich eigentlich wenig Musik höre. Ich lerne oder spiele Musik, das reicht mir schon“, sagt Oskar Fromlowitz.

Nach neun Jahren Unterricht genügte ihm das Klavier nicht mehr. Seine ältere Schwester wollte heiraten und der kleine Bruder sollte etwas auf der Orgel dazu spielen. Dieser bemühte sich und entdeckte dabei sein Interesse am Orgelspiel. Das war im Jahr 2017 und seit dem hat es der junge Organist schon weit gebracht.

„Die Instrumente funktionieren ähnlich. An der Orgel ist man aber auf unterschiedlichen Manualen unterwegs. Außerdem entsteht eine andere Dynamik. Während beim Klavier durch einen kräftigen Anschlag die Betonungen gesetzt werden, gibt bei der Orgel ein Tastendruck lediglich den Weg der Luft zu den Orgelpfeifen frei. Für die Dynamik muss man sich schon etwas Besonderes einfallen lassen“, so Jungorgler Fromlowitz. Und er ließ sich etwas einfallen.

Das präsentierte er vor weniger Tagen beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Drei Stücke aus drei Epochen sollten vorgespielt werden und so kam eben auch ein Blues in das Repertoire. Dafür ist die Orgel eigentlich nicht geschaffen, doch Fromlowitz machte sich mit seinem Lehrer daran eine eigene Orgelsprache für den Blues zu entwickeln. „Wenn die sonstige Dynamik schon nicht funktioniert, dann müssen eben manche Töne länger gespielt werden. Das hat ganz gut funktioniert.“

Und es kam bei den Preisrichtern deds Wettberwerbs „Jugend musiziert“ sehr gut an. Ebenso wie der Orgel-Klassiker „Toccata und Fuge in D-Moll“ von Johann Sebastian Bach. Das ist schon gehobene Fingerakrobatik und Oskar Javier Fromlowitz hat die Übung mit Bravour gelöst. Er wurde mit einem dritten Platz bei der Bundesausscheidung belohnt. So hat sich der Einsatz für die Hochzeit seiner Schwester am Ende doch noch gelohnt.

Gleichzeitig wird weiter am Piano geübt. Und das bedeutet wenigsten vier Nachmittage in der Woche ist er musikalisch unterwegs. Dazu macht er noch den sogenannten C-Schein, womit er zum nebenberuflichen Orgelspieler wird. „Schon heute spiele ich manchmal im Gottesdienst. Das macht echt Spaß“.

Doch damit ist er noch nicht ausgelastet. Oskar Javier Fromlowitz geht auch noch gerne in die Luft. Seit einiger Zeit hat er seine zweite Liebe für das Segelfliegen entdeckt. Aktuell macht er hier seinen ersten Schein.

Wie es mit dem Überflieger weitergehen soll, weiß er selbst noch nicht. Eines steht fest, ohne Klavier- oder Orgelmusik geht es nicht. Ob er damit seinen Lebensunterhalt verdienen will, darüber hat es sich noch keine Gedanken gemacht. „Die klassische Musik macht mir einfach Spaß, da unterscheide ich mich von meinen Freunden. Doch ein wenig Blues, darf es auch mal sein“, sagt Oskar Javier Fromlowitz.

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