Logo

Porträt

Aus Liebe zu Ludwig van Beethoven

Die Kulturschaffende Azar Schramm bringt hochwertige Klassik in die Region – Planungen für Kirchheimer Klassik laufen

Azar Schramm. Foto: privat
Azar Schramm. Foto: privat

Kirchheim. Für Azar Schramm ist das persische Neujahrs- und Frühlingsfest Nouruz, das am Freitag begann, eine schöne Kindheitserinnerung. Die Kirchheimerin denkt gerade in Zeiten, in denen es auch dem Iran wegen Corona schlecht geht, an viele schöne Momente zurück. Zudem ist sie mit den Planungen für „Kirchheimer Klassik“ weit fortgeschritten und hofft, dass im Oktober wieder Veranstaltungen möglich sind.

Am Freitag um 5 Uhr war es soweit. Der Frühling begann. Einen Tag vor dem Beginn im gregorianischen, also dem europäischen Kalender, starteten die Perser in das Frühjahr und feiern gleichzeitig Neujahr. Sie sind die größte ethnische Gruppe im heutigen Iran. Und auch in unserer Region gibt es Menschen von dort. Eine davon ist Azar Schramm. Sie lebt schon seit vielen Jahren in Kirchheim und hat sich in der Gegend einen guten Namen als Kulturschaffende und Veranstalterin gemacht.

Das persische Fest Nouruz (Neuer Tag) ist für sie jedoch eher eine schöne Kindheitserinnerung als gelebte Realität. Sie verzichtet in diesem Jahr auf den Altar „Haft Sin“, auf dem sieben Bestandteile liegen, deren Wort im Persischen mit „S“ beginnt. „Sekkeh“ für Münzen, „Sib“ für Apfel sowie „Somach“, ein persisches Gewürz, dürfen dort nicht fehlen. Ihre eigenen Töchter sind schon ausgezogen und ihr Mann ist Deutscher. Da ist es für sie wichtiger, sich an das Nouruz ihrer Kindheit zu erinnern. „Wir haben unsere Großeltern besucht und wurden reich beschenkt“, sagt sie. Zudem sang ihr Großvater sehr gut und rezitierte auch Gedichte.

Die heutige politische und gesundheitliche Lage im Iran betrachtet Schramm kritisch. „Alle meine Verwandten sind dort und wir sind in engem Kontakt wegen Corona.“ Das letzte Mal feierte sie Nouruz 2019 im Iran. Damals besuchte sie ihren 95-jährigen Vater, der vier Monate später verstarb. Von ihm hat sie den Sinn für Kunst geerbt. Hinzu kam ein Erlebnis, als sie 16 Jahre alt war. Die Tochter einer Bekannten, die in Europa studierte, spielte in ihrem Beisein eine Kassette mit Ludwig van Beethovens fünfter Symphonie ab. „Ich war total begeistert davon.“ Als sie mit 18 Jahren dann selbst in England studierte, ging sie in einen Musikladen und summte der Verkäuferin die prägnante Eingangspassage vor. „Da begann meine Liebe zu Beethoven“, sagt sie heute.

Kein Wunder also, dass Beethoven in der kommenden Auflage der „Kirchheimer Klassik“, die für den 24. Oktober geplant ist, wieder eine Rolle spielen wird. Das Konzert findet alle zwei Jahre statt. Azar Schramm erinnert sich, wie sie einst auf Bürgermeister Uwe Seibold zuging und ihm das Konzept vorschlug. „Erst war er skeptisch, hat dann aber meine Begeisterung gespürt.“ Nun wird das Event gemeinsam mit der Gemeinde und dem Kulturverein Kukuk veranstaltet. Schramms Anspruch ist es, hohe Qualität zu bieten. Die Künstler wählt sie gezielt aus. Sie reist dorthin, wo sie auftreten, um sie einmal live zu erleben. Danach sucht sie mit den Musikern das Gespräch. Sind diese professionell, reisewillig und bezahlbar, kann es sein, dass man sie in Kirchheim zu hören bekommt. Sponsoren helfen dabei, die Kosten zu tragen.

Wer genau im Oktober aufspielt, ist heute schon klar. Doch Schramm will noch nicht ganz herausrücken mit der Sprache. Nicht unbedingt, weil sie Angst hat, dass wegen Corona das Konzert abgesagt werden muss; „das ist kein Problem, da bin ich vernünftig und wir machen das ein Jahr später.“ Es geht ihr vielmehr darum, dass sie den Gästen die Überraschung und Vorfreude lassen will und zudem noch in den Vorarbeiten steckt. Sie liefert nämlich immer ein stimmiges Gesamtpaket an Informationen zu den Künstlern und den Komponisten und verwebt so Musik und Information. Eins kann sie jedoch sagen: Es wird wieder ganz besonders und vor allem etwas, das es so in Kirchheim noch nicht gab. Zwei Dinge sind jedoch klar: Beethoven wird eine Rolle spielen und sogar ein bisschen Jazz soll erklingen.

Autor: