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Betriebsaufgabe aller Filialen
Bäcker Ralf Keil aus Asperg schaltet endgültig den Ofen aus

Auch die Bäckereifiliale in der Elmar-Doch-Straße in der Ludwigsburger Südstadt ist betroffen. Aber diese wie auch die Filiale im Einkaufspark in Eglosheim wird von der Bäckerei Der Obere Beck übernommen. Foto: Holm Wolschendorf
Auch die Bäckereifiliale in der Elmar-Doch-Straße in der Ludwigsburger Südstadt ist betroffen. Aber diese wie auch die Filiale im Einkaufspark in Eglosheim wird von der Bäckerei Der Obere Beck übernommen. Foto: Holm Wolschendorf
Am Sonntag in elf Tagen ist Schluss: Die Feinbäckerei Keil schließt zum 21. August ihre Backstube und alle sechs Filialen im Landkreis. Die Gründe: zu hohe Kosten, zu wenig Personal. „Eigentlich hätte ich das gerne noch bis zur Rente gemacht“, sagt Bäckermeister Ralf Keil. „Aber es geht nicht mehr.“

Kreis Ludwigsburg. „Schweren Herzens müssen wir Sie darüber informieren, dass wir den Betrieb zum 21. August einstellen müssen.“ Orangefarben leuchtet diese Nachricht an den Schaufenstern aller sechs Filialen der Feinbäckerei Keil den Kunden entgegen – in Asperg, in den Ludwigsburger Stadtteilen Eglosheim, Hoheneck und in der Südstadt sowie in Bietigheim und Markgröningen. „Dieser Schritt ist sehr schwer“, sagt Bäckermeister Ralf Keil, der mit seiner Backstube in Asperg zu Hause ist. „Aber es geht nicht mehr.“

Bäckermeister beklagt eklatanten Personalmangel

Corona, die heftige Inflation, der Ukraine-Krieg, steigende Preise für Energie und Getreide, zu Höchstpreisen an der Börse gehandelt: Die Kosten fressen sein Unternehmen auf. Hinzu kommt der Fachkräftemangel im Handwerk: „In unserer Branche werden händeringend Leute gesucht.“ Ihm selbst fehlen von sechs Bäckern drei. Ein Konditor geht in Rente, eine frisch gekürte Gesellin geht, es bleibt ein Lehrling. „Die Konditorei hätte ich ohnehin zumachen müssen.“ Der Schwund bei Bäckern und auch Fleischern geht schon länger.

Der 59-Jährige packt neben der Geschäftsführung schon lange wieder mit an – um 21.30 Uhr beginnt sein Arbeitstag, der nicht selten bis 12 Uhr oder länger geht, das Ausfahren gehört ebenfalls zu seinem Job. Auch an Sonn- und Feiertagen sind seine Filialen vormittags geöffnet. „Bei den Arbeitszeiten und mit einer Sieben-Tage-Woche? Die Ackerei will doch keiner mehr.“ Das Handwerk habe die Wertschätzung verloren, hinzu kämen die hohen Preise für Rohstoffe. Der Krieg habe damit nichts zu tun. „Wir haben genug Getreide in Deutschland. Wenn Grundnahrungsmittel aber an der Börse gehandelt werden, ist das fatal.“ Er verstehe fast, wenn die Leute im Discounter einkauften, „die Inflation ist der Wahnsinn“.

Handwerk und goldener Boden? „Das ist bei uns schon lange vorbei.“

„Eigentlich“, sagt Ralf Keil, „ist Bäcker ein toller Beruf.“ Mit 15 beginnt er seine Lehre, macht den Meister, ist lange angestellt. Dann packt er den Betriebswirt obendrauf und macht sich 2003 mit einer Bäckerei in der Schorndorfer Straße in Ludwigsburg selbstständig, 2006 übernimmt er die Backstube in Asperg und baut sein Filialnetz aus. „Damals galt das noch mit dem Handwerk und dem goldenen Boden.“ Heute? „Das ist bei uns schon lange vorbei.“

Die Energiekosten haben sich verdreifacht

Ein Grund sind auch die steigenden Energiekosten seit dem Krieg. Keils Backöfen laufen mit Öl, „da haben sich die Preise verdreifacht. Gas wäre noch schlimmer.“ Hinzu kommen die Stromkosten. Und diese Belastung trifft eine Branche, die durch Corona ohnehin schon ins Wanken gekommen ist. Die Cafés zu, die Lieferungen an Hotels oder Firmen weggefallen, Kosten fürs Hygienekonzept – und dann zwar die Soforthilfe, aber danach „null Euro“. Er hätte sich gewünscht, die Verteilung „wäre gerechter gewesen“, etwa am Gewinn und nicht am Umsatz orientiert. Bei seinen Bäckerkollegen sei die Lage unterschiedlich, sagt er, manche kämen gut zurecht, kleinere gingen oft unter.

Zwei Filialen haben einen Nachfolger, für die anderen läuft die Suche

Für seine 45 Mitarbeiter kämpft Ralf Keil. Für die Bäckerei in der Ludwigsburger Südstadt und die Filiale in der Geisinger Straße in Eglosheim hat er nun Willy Holzwarth aus Erdmannhausen mit Der Obere Beck gewonnen. Der hat zwölf Filialen von Großbottwar bis Fellbach. Bei den anderen Filialen sucht er noch. Und er selbst? Als Bäcker arbeiten wird er „auf keinen Fall mehr. Ich war jetzt jahrelang der Erste und der Letzte, das geht nicht mehr.“ Dann sagt er: „Eigentlich hätte ich das gerne noch bis zur Rente gemacht. Es ist nicht so leicht, mit fast 60 noch mal von vorne anzufangen.“