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Stellungnahmen

Bauen ist ein strittiges Thema

Wohnungsnot und Flächenbedarf auf der einen, Naturerhalt auf der anderen Seite. Welches ist der richtige Weg für die Gemeinde Ingersheim? Die bei der Kommunalwahl antretenden Listen geben unterschiedliche Antworten, wie deren Stellungnahmen zeigen.

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Ingersheim. Das regional bedeutsame, interkommunale Gewerbegebiet, das sukzessive auf 16 Hektar anwachsen soll, ist dabei Streitpunkt Nummer eins. Für CDU, SPD und Freie Wähler führt daran kein Weg vorbei. Für die CDU gehören attraktive Gewerbegebiete und eine optimale digitale Versorgung zur Zukunftssicherung, die Freien Wähler wollen die Erweiterung und nehmen da auch die Nachteile durch eine höhere Verkehrsbelastung in Kauf. Die SPD sieht den Erhalt der Selbstständigkeit gefährdet, wenn die Kommune nicht ihre finanzielle Grundlage verbessert. Die WIR-Liste, die bereits 2014 ins Gremium einzog, will keinen regionalen Gewerbeschwerpunkt, sondern nur eine maßvolle Entwicklung. Unversiegelte Fläche sei wertvoller als die nicht planbare Gewerbesteuer, heißt es. Die neue MIT-Liste lehnt das regionale Schwerpunktgebiet ebenfalls ab und warnt vor dem zusätzlichen Verkehr.

Ein ähnliches Bild auch beim geplanten, über fünf Hektar großen Neubaugebiet „In den Beeten II“. Die Freien Wähler sehen das positiv, weil es durch die zusätzlichen Bewohner den Einkommenssteueranteil erhöhen hilft. Die SPD fordert bei Realisierung einen höchstmöglichen Prozentsatz an bezahlbarem Wohnraum und will parallel dazu auch die Innenverdichtung offensiv angehen. Die WIR-Gruppe will erst innerörtliche Baulücken nutzen, bevor neue Gebiete erschlossen werden. Die MIT-Liste lehnt das Neubaugebiet wegen des zusätzlichen Verkehrsaufkommens kategorisch ab und sagt auch Nein zu einer geplanten Veranstaltungshalle, die auf Gemeinbedarfsfläche im geplanten Neubaugebiet entstehen soll. Stattdessen wird der Erhalt der SKV-Halle gefordert. Deren Renovierung sei günstiger als ein Neubau, heißt es in der Stellungnahme.

Die SPD hat dabei konkrete Pläne für den Ortskern. Die Vision: Die ohnehin nur noch als Treffpunkt für Jugendliche genutzte Aussegnungshalle am alten Rathaus abreißen, die dortigen Erinnerungstafeln an würdigerer Stelle platzieren und stattdessen ein multifunktionales Gebäude als Bürgercafé errichten. Es brauche eine Perspektive, damit der Stein ins Rollen kommt, heißt es in der Stellungnahme der SPD. Ein weiterer Vorschlag: Wohnbebauung auf dem Bolzplatz in der Goethestraße. Außerdem verweist die SPD auf das von ihr beantragte und inzwischen beschlossene Zweckentfremdungsverbot, wonach bewusster Leerstand geahndet wird. Die CDU steht ebenfalls zu Neubauten und vor allem familiengerechten Häusern und Wohnen sowie zum Mehrgenerationenwohnen. Die WIR-Liste sieht im Erbbaurecht einen Weg zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Die Forderung von MIT: Bestehende Bebauung verdichten und Leerstände beseitigen.

Bleibt die Frage, wie der Verkehrsproblematik begegnet werden soll. Die Freien Wähler wollen vor allem die Wohngebiete schonen und sagen dem Schleichverkehr den Kampf an, die WIR-Liste will den Öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen und erachtet eine weitere Bushaltestelle beim Edeka im Fischerwörth als notwendig. Die SPD will die E-Mobilität fördern.

Eine gute Kinderbetreuung macht einen Ort attraktiv, die Gemeinde hat hier vorbildliche Einrichtungen und macht flexible Angebote. Daran wollen Freie Wähler, SPD und CDU festhalten. Die Freien Wähler würdigen außerdem den Einsatz bei der Seniorenarbeit im Ort, wo durch die neue Betreuungseinrichtung auf dem Cramer-Wanner-Gelände weiterer Bedarf gedeckt wird. Die CDU will die Vereine in Zukunft angemessen fördern und mit ausreichenden Räumlichkeiten versorgen. Die Freie Wähler sehen künftige Aufgaben im Erhalt der Infrastruktur wie Gebäude-, Straßen- und Gehwegsanierungen sowie im Breitbandausbau. Und damit die Gemeinde nicht regelmäßig neue Schulden machen muss, um ihre Einrichtungen in Schuss halten, will die SPD dem strukturellen Defizit mit Mehreinnahmen durch das Gewerbe- und das Baugebiet begegnen. Die WIR-Liste setzt ihren Schwerpunkt auf einen intakten Natur und Klimaschutz. Gemeindeeigene Freiflächen sollten in Blühwiesen umgewandelt werden, um dem Insektensterben entgegenzuwirken, so der Vorschlag.

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