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Musikschulen

Bei Anruf gibt’s Klavierunterricht

Auch die 14 städtischen Musikschulen im Landkreis haben wegen der Corona-Pandemie geschlossen, die unterrichtenden Musiker lassen sich jedoch eine Menge einfallen, um ihre Schüler und Schülerinnen an Tasten und Saiten zu halten – per Telefon, Skype, Facetime oder Video.

Am heimischen Flügel hat ein Musikschullehrer den Anruf einer Schülerin entgegengenommen; jetzt üben sie gemeinsam den Fingerwechsel. Foto: Andrea Nicht-Roth
Am heimischen Flügel hat ein Musikschullehrer den Anruf einer Schülerin entgegengenommen; jetzt üben sie gemeinsam den Fingerwechsel. Foto: Andrea Nicht-Roth

Kreis Ludwigsburg. „Alle unsere Lehrer kontaktieren ihre Schüler und machen Angebote, mailen Klangbeispiele, geben Tipps zum Üben, auch Theorieunterricht ist jetzt interessant“, sagt Marco Piludu, der stellvertretende Leiter der Musikschule Kornwestheim, „die meisten Schüler nehmen das Angebot dankbar an.“ Ein Ersatz für den 1:1-Unterricht könne das jedoch nicht sein, höchstens ein Zusatzangebot.

Jens Müller, der die Musikschule der Stadt Freiberg leitet, nennt es „eine gute Notlösung“, damit die jugendlichen Schüler nicht in eine Starre verfallen, denn „in fünf Wochen verlernt man viel, wenn man nicht übt.“ Wie wichtig der Musikunterricht trotz geschlossener Schule ist, erlebt der Vater von drei Kindern gerade in der eigenen Familie: „Für meine Tochter ist der Geigenunterricht jetzt das Highlight des Tages.“ Doch er warnt vor dem Eindruck, die Zukunft es Musikunterrichts liege im Digitalen: „Das sollten wir nicht vermitteln; wir wollen doch Menschen heranziehen, die noch in Konzerte gehen.“

„Wir versuchen unser Bestes!“, sagt Susanne Rokasky, die bei der Musikschule Bietigheim-Bissingen im Sekretariat den Betrieb am Laufen hält. Alle Lehrer haben sich zuhause so eingerichtet, dass sie ihren Schülern Audiodateien schicken und Aufgaben stellen können. „Es ist kein vollwertiger Unterricht, aber es scheint gut zu klappen“, so die Erfahrung. Vor allem die älteren Schüler haben Spaß am Unterricht via Skype und Co. Das Wichtigste sei ja, „dass sie bei der Stange bleiben“.

Die Harfenistin Lucia Cericola unterrichtet ihre Schüler von der Musikschule Korntal-Münchingen am Handy und schildert temperamentvoll diese Art des Unterrichts: „Wenn ich einen Fehler höre sage ich, leg auf, ich gebe dir zehn Minuten, spiele die Stelle zwanzig Mal und ruf mich wieder an. Bis jetzt hat es funktioniert.“ Zur Belohnung gibt es virtuelle Schokolade.

Mit 3300 Schülern die größte Musikschule im Landkreis ist Ludwigsburg. „Unsere Lehrer sind sehr kreativ, sie engagieren sich ganz wunderbar“, sagt Christiane Schützer, die geschäftsführende Leiterin, „wir versuchen, einen stabilen Unterricht anzubieten.“ Praktisch sieht das so aus, dass die Kinder und Jugendlichen Videos aufnehmen, ihrem Lehrer schicken, der wiederum ein Video zurückschickt. „Manche haben mehrmals am Tag Kontakt, das ist sehr spannend und originell“, findet Christiane Schützer.

Träger der Ludwigsburger Schule ist ein Verein und bisher signalisieren die Eltern viel Solidarität, was die Bezahlung des Unterrichts angeht. Das ist offenbar auch in den anderen Schulen so. Marco Piludu von der Musikschule Kornwestheim hat allerdings auch Verständnis für soziale Härtefälle. „Da muss man Kulanz zeigen“, findet er. Bei der Musikschule in Freiberg hat es bisher noch keine Abmeldungen gegeben. „Den März hatten wir schon abgebucht, bevor abzusehen war, dass die Schule geschlossen wird“, sagt Jens Müller. Ob es Regelungen für Härtefälle gibt, werde sich zeigen. Die Stadt Bietigheim-Bissingen hat sich bereits entschieden: „Im April wird die Gebühr ausgesetzt, die Eltern zahlen nur die Instrumentenmiete“, sagt Susanne Rokasky. Die Reaktionen der Eltern aber seien durchweg solidarisch gewesen, „die wenigsten wollten Geld zurück.“ Die private Musikschule von Ulrich Staudenmaier in Großbottwar bietet auch Online-Unterricht an, aber auch Ersatztermine in der Nach-Corona-Zeit.

Schlecht dran sind jene Lehrer, die nicht fest angestellt sind, sondern auf Honorarbasis arbeiten und nur die gehaltenen Stunden bezahlt bekommen. Oft bestreiten diese Musiker ihren Lebensunterhalt über Konzertauftritte, die gerade ebenfalls weggebrochen sind. „Das ist ein ganz großes Thema“, sagt Marco Piludu, „wir sind dabei das zu klären, damit die Freischaffenden nicht leer ausgehen.“

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