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LADYS NIGHT

Chefinnen im Blickpunkt

Erste Infotour der IHK und Kreishandwerkerschaft zu Unternehmerinnen im Kreis Ludwigsburg

Gründung und Firmennachfolge gemeistert: Marion Krummholz (links) und Julia Horn.
Gründung und Firmennachfolge gemeistert: Marion Krummholz (links) und Julia Horn.
Erfolgreich an der Firmenspitze: Carolin Rössle, Marketa Sommer. Fotos: Ebner/Hainbuch
Erfolgreich an der Firmenspitze: Carolin Rössle, Marketa Sommer. Foto: Ebner/Hainbuch
Erfolgreich an der Firmenspitze: Sylvia Rall.
Erfolgreich an der Firmenspitze: Sylvia Rall.
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Kreis Ludwigsburg. „Wir Mädels machen zu wenig in Sachen Netzwerk.“ So locker formuliert Marion Krummholz, die Chefin der Werbeagentur Königreich in Ludwigsburg, ein Grundproblem von Frauen im Berufsleben. Das müsse sich ändern, meint sie. Deshalb hat sie an der Ladys Night teilgenommen, die die Industrie- und Handelskammer Ludwigsburg und die Ludwigsburger Kreishandwerkerschaft veranstaltet haben anlässlich der landesweiten Frauenwirtschaftstage, die in diesem Jahr unter dem Motto „Female Leadership“ stehen.

Bei der Agentur Königreich in der Ludwigsburger Seestraße herrscht Hochbetrieb. 35 Frauen, die im Wirtschaftleben im Landkreis ihren Mann stehen, unterhalten sich angeregt, bewundern die schicken Büroräume und freuen sich, „dass man sich endlich mal kennenlernt“. Gastgeberin Krummholz schüttelt jede Menge Hände und gibt recht charmant zu, dass sie schon ein bisschen aufgeregt ist, den Auftakt für die erste Schnuppertour dieser Art zu drei weiteren Unternehmen in Marbach und in Murr zu machen, die Chefinnen an ihrer Spitze haben. Birgit Werner-Walz, die Geschäftsführerin des Markgröninger Autozulieferers Benseler, spricht im Blick auf die Tour von einer „frauenbetonten Aktion“ und weist darauf hin, dass jedes dritte Unternehmen in Deutschland von einer Frau geführt werde.

Marion Krummholz hat den Part „Gründung“ übernommen. Die Agenturchefin hat vor 20 Jahren ihr Unternehmen gegründet und sich durchgesetzt. „Die Jungs haben mich im Kämmerlein arbeiten lassen, und mein Chef hat richtig Geld verdient“, berichtet sie. Dass sie sich selbstständig gemacht habe, sei ein Akt aus Verzweiflung, Trotz und Mut gewesen. Heute hat sie sieben feste Mitarbeiter. Der weltgrößte Kunstrasenhersteller zählt zu ihren Kunden. Ihre Agentur hat sich auf Design-Sprint spezialisiert. Dabei geht es um einen neuen Denkprozess, um ein Produkt rascher und risikofreier auf den Markt zu bringen. Aus ihren Schilderungen ist zu hören, dass eine selbstständige Unternehmerin auch bereit sein muss, Misserfolge wegzustecken. Aber man müsse auch nicht alles „mit blutiger Nase lernen“. „Uns tut es gut, wenn wir uns zusammenrotten“, ruft sie den Frauen zu.

Die zweite Station macht die Tour bei Hainbuch in Marbach. Gastgeberin ist Sylvia Rall, die Geschäftsführende Gesellschafterin des international aktiven Maschinenbauunternehmens mit 850 Mitarbeitern. Die Enkelin des Firmengründers Wilhelm Hainbuch gibt darüber Auskunft, wie sie als Mutter ihren Alltag meistert. Sie habe kein Patentrezept, sagt sie. Aber in ihrem Fall könne sie Arbeit und Freizeit nicht trennen. „Wir haben alle eine Lebenszeit“, betont die Hainbuch-Chefin, die in einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern lebt. Sie wundert sich schon, warum ausgerechnet berufstätige Frauen immer gefragt werden, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Eine Antwort hat sie parat: Sowohl Frauen als auch Männer bräuchten einen Arbeitgeber, der das mitträgt. Bei Hainbuch sei dies der Fall. Es gebe für die Hainbuch-Mitarbeiter ein umfangreiches Teilzeitangebot. 130 verschiedene Arbeitszeitmodelle würden im Unternehmen umgesetzt. Sylvia Rall rät den Frauen, sich gut zu organisieren. Eine Doppelbelastung fühle sie nicht. Im Gegenteil: „Ich sehe nur eine doppelte Bereicherung“, sagt die Topmanagerin, die mit 25 Jahren ihr erstes Kind bekommen hat. Ein Netzwerk aus Oma, Tagesmutter oder Au-Pair-Mädchen sei unerlässlich. Zudem empfiehlt sie, den eigenen Prinzipien zu folgen. Für sie sei ein Geburtstag in der Familie ein Pflichttermin.

Julia Horn ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Frizlen GmbH in Murr. Mit ihr steht die vierte Generation im Führungsteam des Familienunternehmens, das mit 120 Mitarbeitern Leistungswiderstände herstellt. Die Kunden kommen aus der Antriebstechnik, dem Werkzeugmaschinenbau oder dem Elektroanlagenbau. Julia Horns Thema bei der der dritten Station der Ladys Night ist die Unternehmensnachfolge. Schon als Studentin sei ihr klar gewesen: „Mein Herz schlägt für die Firma“. Ein nicht allzu großer Gesellschafterkreis sei der Unternehmensführung zuträglich, betont sie. Wichtig ist ihrer Ansicht nach, der Wissenstransfer zwischen den Generationen. In ihrem Fall sei ihr Vater ihr guter Berater.

Bei der Fermo-Massivhaus AG in Murr, der vierten Station der Schnuppertour, geht es um Frauen in Führungspositionen. Carolin Rössle, die Tochter des Firmengründers Paul Rössle, und Marketa Sommer sind Prokuristinnen des Fertighausherstellers. Von den mehr als 200 Mitarbeitern sind 84 Prozent Männer. Die beiden haben die Erfahrung gemacht, dass Frauen in Führungspositionen kritischer bewertet werden als Männer. Es sei aber problematisch, dass Frauen oftmals ihre größten Kritiker seien und häufig völlig unbegründet an ihren Leistungen zweifelten. Und klar sei auch, dass eine Frau mehr arbeiten müsse, um Anerkennung zu finden. Sie beobachten aber auch einen Wandel: Jüngeren Männern falle es inzwischen leichter, eine Frau als Chefin zu akzeptieren.

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