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Jubiläen

Christel Pechmann: Eine Dirigentin allein unter Männern in Winzerhausen

Neckarweihingerin leitet seit 20 Jahren den Männerchor im TGV Winzerhausen – Abteilung feiert zudem 125-jähriges Bestehen

Christel Pechmann. Foto: Andreas Becker
Christel Pechmann. Foto: Andreas Becker

Großbottwar/Ludwigsburg. Eine große Überraschung gab es vergangene Woche für Christel Pechmann. Der Männerchor Winzerhausen hatte seine Dirigentin unter einem Vorwand nach Großbottwar gelockt. Im VfR-Sportheim am Stockbrunnen sollte sie eine „ausgefallene Singstunde“ abhalten, wie Chorsprecher Rainer Claus unserer Zeitung erzählt. Doch stattdessen erwartete sie eine Feier, da sie mittlerweile seit 20 Jahren dem Verein die Treue hält. „Dies erfüllt uns mit Stolz und Freude“, so Rainer Claus.

„Ich wusste gar nicht, dass ich eine Ehrung bekomme“, sagt Christel Pechmann im Rückblick auf den Abend. Es gab Blumen und Geschenke – sowie ein Wiedersehen mit nahezu allen Sängern des Chors, der seit November coronabedingt nicht mehr geprobt hat. „Die Leute wollen wieder singen“, so der Eindruck der Dirigentin. Doch auch das Zusammenkommen an sich spiele dabei immer eine wichtige Rolle.

Männerchor im TGV Winzerhausen: Von Noten zum auswendigen Singen

Zum Männerchor fand Christel Pechmann vor 20 Jahren über eine Anzeige, die sie in der Fachzeitschrift Singen des Schwäbischen Chorverbands entdeckte. „Das hat mich sofort gereizt“, sagt die Neckarweihingerin. Es gab noch einen Mitbewerber, doch nach dem Probedirigat war die Sache schnell klar: „Es hat mir gleich unheimlich gut gefallen.“ Damals sei es eventuell noch ungewöhnlich gewesen, dass eine Frau eine Gruppe von Männern dirigiert, inzwischen aber nicht mehr. Zudem hatte sie in Winzerhausen bereits eine Vorgängerin.

Bis vor Kurzem dirigierte Christel Pechmann rund 40 Jahre lang vor allem Kinderchöre. Auch Erfahrungen mit gemischten Chören hat sie gesammelt und viele Vertretungen übernommen, die ihr immer Spaß gemacht hätten. Doch in Winzerhausen gefällt es ihr offenbar besonders gut. „Männer sind einfach unkompliziert“, so ihr Fazit. Auf die damals 18 aktiven Sänger kam mit der neuen Dirigentin im Februar 2002 auch eine neue Herangehensweise zu. Laut Christel Pechmann hatte der Chor davor nie auswenig gesungen, sie habe dazu angeregt, die Noten wegzulassen. Nach drei Monaten habe die Gruppe drei Lieder auswendig gekonnt: „Auf dieser Welle haben wir weitergemacht.“

Zum 125. Jubiläum Konzert mit den Mainzer Hofsängern geplant

Das 20. Jubiläum ist nicht das einzige, das der Winzerhäuser Männerchor in diesem Jahr zu feiern hat. Er wurde zudem vor 125 Jahren gegründet. Dazu ist ein Jubiläumskonzert für den Herbst in Planung. „Ich hoffe, dass es stattfinden kann. Man braucht einfach Ziele“, sagt die Dirigentin. Welche Lieder dafür im Gespräch sind, kann sie noch nicht genau sagen, verrät aber schon einmal: „Wir wollen die Highlights der vergangenen 20 Jahre aufarbeiten.“ Auch wenn die Sänger in der vereinseigenen Halle Abstand halten könnten, dürfen noch keine Proben in Präsenz stattfinden. Virtuelle hat es mitunter gegeben, doch waren dafür nicht alle Mitglieder technisch ausgerüstet, auch Zeitverzögerungen erschwerten das Ganze. Die Hoffnungen ruhen nun auf Mitte März. So bliebe noch rund ein halbes Jahr, um sich auf den großen Auftritt vorzubereiten.

Dass der Männerchor auch nach kurzer Vorlaufzeit Lieder zum Besten geben kann, hat er in der Pandemie bewiesen. Denn während ein für den Mai 2020 geplantes Konzert aufgrund des Lockdowns abgesagt werden musste, war während der Lockerungen im vergangenen Sommer ein Auftritt im Pflegeheim Haus am Wunnenstein in Winzerhausen möglich. Und das nach nur drei, vier Proben, wie Christel Pechmann betont.

Erinnerungen an Partnerchor aus Illnau-Effretikon

Nach besonders schönen Erinnerungen aus den vergangenen 20 Jahren gefragt, fallen der Dirigentin Ausflüge mit dem Chor ein: „Die waren immer super organisiert.“ Beim Aufstieg zur Festungsruine Hohentwiel etwa habe man immer mal wieder haltgemacht, um zu singen – die auswendig gelernten Lieder machten es möglich. Vom Singen im Bus hält Christel Pechmann dagegen nicht viel – man müsse sich dafür schon als Chor aufstellen. Auch eine Schifffahrt auf dem Bodensee bei Sturm ist ihr im Gedächtnis geblieben: „Wir sind uns fast wie auf der Titanic vorgekommen.“ Die Unternehmungen mit dem Chor aus Illnau-Effretikon, der Partnerstadt von Großbottwar in der Schweiz, hätte sie ebenfalls nicht missen wollen. Auch wenn der Austausch durch die Pandemie zum Erliegen gekommen sei. Die Freundschaften, die einst entstanden waren, müsse man wieder aufleben lassen. In Spitzenzeiten waren im Chor laut der Dirigentin unter ihr um die 35 Sänger aktiv, derzeit sind es etwas über 20. Wenn es bald wieder losgeht, sind neue sehr willkommen.

INFO: Das Jubiläumskonzert, bei dem der Männerchor mit den Mainzer Hofsängern auftreten will, ist am 22. Oktober geplant.

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