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Sommerserie: Besondere Gärten
Christian und Dorothee Elser aus Markgröningen sind Verfechter der Vielfalt

Wohl bekomms: Hoch über der Glems in Markgröningen bauen Dorothee und Christian Elser ihren eigenen Wein an – Spätburgunder, Trollinger und Riesling. Fotos: Ramona Theiss
Wohl bekomms: Hoch über der Glems in Markgröningen bauen Dorothee und Christian Elser ihren eigenen Wein an – Spätburgunder, Trollinger und Riesling. Fotos: Ramona Theiss
Neues Element im Garten: Eine Kräuterschnecke mit rund 30 Positionen.
Neues Element im Garten: Eine Kräuterschnecke mit rund 30 Positionen.
Studentenblumen begleiten die Tomaten und dienen als Schutz vor der Hitze.
Studentenblumen begleiten die Tomaten und dienen als Schutz vor der Hitze.
Zeit zur Entspannung: Beate Elser und ihre Enkelin Annika machen es sich mit Erwin Elser unter einem Blätterdach bequem. Hier lässt es sich auch bei hohen Temperaturen gut aushalten.
Zeit zur Entspannung: Beate Elser und ihre Enkelin Annika machen es sich mit Erwin Elser unter einem Blätterdach bequem. Hier lässt es sich auch bei hohen Temperaturen gut aushalten.
Die Jalapenos hat Christian Elser von einem Freund aus Mexiko.
Die Jalapenos hat Christian Elser von einem Freund aus Mexiko.
In unserer Sommerserie stellen wir besondere Gärten vor. Heute der Garten von Christian und Dorothee Elser aus Markgröningen

Markgröningen. Auf der Holzbank, die ihm sein Schwager 2019 zum 30. Geburtstag angefertigt hat, sitzt Christian Elser mit seiner Frau Dorothee am liebsten abends, wenn die Sonne untergeht. Dann blicken die beiden über das Glemstal bei Markgröningen und nippen an einem Glas Riesling, den sie hier in der Steillage selbst hergestellt haben. Neben ihnen im Beet gedeiht die Zitronenverbene, die Christian Elsers Liebling ist. Er fährt mit seiner Hand über die zarten, weißlichen Blüten, das krautige Grün der Blätter und atmet den erfrischenden Duft nach Zitrone ein.

„Der Kontakt mit der Natur beruhigt mich“, sagt Elser, „er bringt mich runter.“ Tagsüber arbeitet der ehemalige Landesbeamte als Fundraiser für eine katholische Priesterbruderschaft in Stuttgart. Mit dem eingenommenen Geld unterstützen sie Projekte für Waisenkinder in Afrika, aber auch Schulen und Kitas hierzulande. Nach Feierabend fährt Elser dann heim nach Talhausen und steigt die Stäffele in seinem rund 4500 Quadratmeter großen Garten hoch, den er sich vor einigen Jahren mit seinem Vater Erwin Elser gekauft hat. Ursprünglich handelte es sich um zwei Grundstücke, die die beiden aber zusammengelegt haben. Zu gärtnern liegt ihnen im Blut. Im Stammbau finden sich schon im Jahr 1680 Elsers, die in Markgröningen Weingärten besaßen.

Die Sonne lässt den Trollinger gut gedeihen

Aktuell steht der Trollinger im Glemstal so früh und so schön da wie noch nie – die intensive Sonne macht es möglich. Christian und Erwin Elser haben die Trauben gekalkt, um sie vor Hitzeschäden zu schützen. Dazu kommt noch Spätburgunder. „Ist aber alles Hobby“, sagt Erwin Elser. Bis zu 800 Liter keltern sie jährlich. Wein, Most, Saft oder Schnaps, die in einem Gewölbekeller schön kühl bleiben. Annika, 7, die Enkeltochter von Erwins Frau Beate, reicht eine dunkle Tafeltraube zur Verkostung. Sie ist zuckersüß.

„Nur die Reben wären mir aber zu langweilig“, sagt Christian Elser. Er hat sich zum Fachwart ausbilden lassen und ist zweiter Vorsitzender des Markgröninger Obst-, Wein- und Gartenbauvereins – und er will auf seinem steilen Stückle die pralle Vielfalt haben. Im Gemüsebeet wachsen Paprika, Gurken, Fenchel, Peperoni oder Kapuzinerkresse. Dazu gesellen sich Jalapenos, die Elser von einem Freund aus Mexiko hat. Derzeit glänzen sie schwarz, später wechseln sie ihre Farbe mehrfach – über Rot zu Grün. Zu den Tomaten gesellen sich Tagetes, im Volksmund Studentenblumen. Ihre Blüten leuchten rot und orange. Sie bieten den Tomaten Schatten. „Das ist eine tolle Symbiose“, sagt Elser. „Tomaten mögen starke Hitze nicht.“

Kleiner Teich als Lebensraum für einen Frosch

Weiter unten in Richtung Glems baut er Quitten, Birnen, Äpfel, Sauerkirschen oder Brombeeren an. „Im Sommer sind wir Selbstversorger“, sagt Christians Frau Dorothee. In diesem Jahr haben sie auch noch eine Kräuterschnecke mit einem kleinen Teich angelegt, der Lebensraum für einen kleinen Frosch ist. Neben das Wasser haben sie Liebstöckel und Estragon platziert. Weiter oben, wo es trockener wird, wachsen Hopfen und Stevia – und auf dem Dach der Kräuterschnecke bauen die Elsers die mediterranen Klassiker Oregano, Thymian und Rosmarin an. Insgesamt sind es rund 30 verschiedene Kräuter. Dazu haben sie ein Refugium für Insekten aufgestellt. „Auf minimalem Raum kann man verschiedene Standorte abbilden“, sagt Elser zufrieden und nickt: „Ein schönes Element.“ Die Natursteine für die Kräuterschnecke hat er von einem Nachbarn, der Sand kommt aus der ehemaligen Ziegelei in Besigheim.

Natürlich bedeutet so ein Garten auch einen Haufen Arbeit. Wenn mal wieder eine Trockenmauer nachgibt, schleppen die Elsers schwere Steine durch die Steillage. „Dann fragt man sich schon, warum man das Ganze überhaupt macht“, räumt Christian Elser ein. Früher seien in Markgröningen die Hänge auf rund 300 Hektar bewirtschaftet worden, jetzt vielleicht noch auf 30 Hektar. Man könne im Glemstal gut beobachten, wie sich die Natur die aufgegebenen Flächen zurückholt.

Doch solche Gedanken verfliegen schnell, wenn am Abend die Sonne untergeht, es sich alle auf der Bank oder in der Laube gemütlich machen, Salamander über die Steine flitzen und der Riesling ins Glas läuft. „Jeder Tag im Garten ist anders“, sagt Erwin Elser. „Es gibt immer etwas zu tun oder zu beobachten.“

Zur Serie

In unserer Sommerserie stellen wir immer mittwochs und freitags besondere Gärten im Kreis Ludwigsburg vor.