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Gesundheit

Coronavirus auf dem Vormarsch

Im Kreis Ludwigsburg ist die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen von zwei auf vier geklettert. Am Klinikum Ludwigsburg soll nun ein Testzentrum eingerichtet werden, um Patienten zu prüfen.

Vier Menschen in Ludwigsburg, Besigheim, Benningen und Gerlingen gelten derzeit im Kreis als Coronapatienten: Das Personal, das mit Betroffenen zu tun hat, muss strenge Richtlinien einhalten. Foto: Marcel Kusch/dpa
Vier Menschen in Ludwigsburg, Besigheim, Benningen und Gerlingen gelten derzeit im Kreis als Coronapatienten: Das Personal, das mit Betroffenen zu tun hat, muss strenge Richtlinien einhalten. Foto: Marcel Kusch/dpa

Kreis Ludwigsburg. Das Coronavirus hat am Mittwoch auch die Stadt Ludwigsburg erreicht. Betroffen ist nach Angaben des Landratsamtes ein 61 Jahre alter Mann, der sich zuvor in Neapel in Italien aufgehalten hatte. Dazu kommt ein weiterer Covid-19-Fall in Besigheim. Hier war der Patient vor Kurzem in Südtirol – ebenso wie der Reiserückkehrer aus Gerlingen, dessen Erkrankung am Dienstag nachgewiesen worden ist. Im Fall des Benninger Coronapatienten ist dem Landratsamt allerdings die Infektionsquelle weiter unbekannt. Unter dem Strich ist die Zahl der mit dem Virus Infizierten im Kreis nun auf vier gestiegen.

Die Patienten stehen zu Hause unter Quarantäne. Alle sind männlich und zwischen 45 und 61 Jahren alt. „Wir mussten bislang noch keine Einweisungen in Kliniken vornehmen“, so Landrat Dietmar Allgaier gestern auf einer Pressekonferenz.

Der Kreisgesundheitsdezernent Thomas Schönauer appellierte auch am Mittwoch an die Bevölkerung, „den Ball flachzuhalten“. Nach seiner Einschätzung sei die Lage „einigermaßen im Griff. Wir reden hier nicht von Pest und Cholera“. Schönauer und der Landrat haben längst einen „Arbeits- und Kommunikationsstab“ in Ludwigsburg eingesetzt, dem auch der Kreisbrandmeister Andy Dorroch, der Klinikenchef Jörg Martin und der Leitende Notarzt Stefan Weiß angehören. Das Ziel: die wichtigen Akteure schnell und vor allem valide mit Informationen zu versorgen.

Darüber hinaus nimmt am Freitagmittag um 12 Uhr ein Coronatestzentrum in einem separaten Gebäude des Ludwigsburger Klinikums die Arbeit auf. „Der bisherige Weg hat nicht funktioniert“, räumte Martin gestern ein. Mittlerweile seien Hausärzte mit Coronapatienten überfordert – organisatorisch und was das Material angehe. „Deshalb müssen wir einen anderen Weg gehen“, so der Klinikenchef.

Wichtig ist ihm, dass Coronapatienten nicht in die Notaufnahmen der Häuser in Ludwigsburg und Bietigheim kommen – weil sonst alle anderen, die mit ihnen in Kontakt gekommen sind, nach Hause geschickt werden müssten. Martin: „So blutet eine Klinik aber nach und nach aus.“

Das Testzentrum in Ludwigsburg soll täglich von 12 bis 16 Uhr geöffnet sein. Termine werden allerdings nur vom Gesundheitsamt des Kreises vergeben, damit die neue Stelle nicht überrannt wird – einfach auf der Matte stehen ist laut des Notarztes Weiß nicht drin. Sollten die Fallzahlen weiter steigen, wäre ein weiteres Testzentrum am Bietigheimer Krankenhaus möglich. Dienst in der neuen Stelle schieben künftig ein Arzt und eine Kraft der Kornwestheimer Feuerwehr. Der Dezernent Schönauer sucht noch Allgemeinmediziner, Internisten oder Anästhesisten, die Zeit haben und in dem Testzentrum freiwillig mitarbeiten wollen.

Der Krankenhausmanager Martin sieht seine Häuser mit Blick auf die Schutzkleidung, die seine Mediziner und Pflegekräfte tragen müssen, „ganz ordentlich aufgestellt“. Auf den Besuchertoiletten werden allerdings keine Desinfektionsmittel mehr nachgefüllt. „Sie sind in den vergangenen Tagen immer wieder geklaut worden“, so Martin.

Lobend äußern sich die Gesundheitsexperten dagegen über die vier Coronapatienten im Kreis. „Sie zeigen sich motiviert und kooperationsbereit“, so der Dezernent Schönauer. Häusliche Quarantäne sei keine freiwillige Angelegenheit, sondern eine behördliche Anweisung, die von den Gesundheitsämtern kontrolliert werde. Augenzwinkernd fügt er an: „Die Nachbarschaft achtet aber auch darauf.“ Damit die Ausbreitung des Virus verhindert oder zumindest deutlich verlangsamt wird.

Info: Menschen, die sich einem Coronatest unterziehen sollten, können sich zwischen 12 Uhr und 16 Uhr unter der Hotline (0.71.41) 14.46.98.44 an das Gesundheitsamt wenden.

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