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Grüner Baum

Der Grüne Baum in Erligheim ist verkauft - Betrieb läuft vorerst weiter

Gemeinde sucht Investoren für großes Sanierungsprojekt um die Zehntscheuer – Gastronomie bleibt erhalten

Das Traditionsgasthaus „Grüner Baum“. Eine Ära geht dort bald zu Ende.Foto: Alfred Drossel
Das Traditionsgasthaus „Grüner Baum“. Eine Ära geht dort bald zu Ende. Foto: Alfred Drossel

Erligheim. Die Gemeinde Erligheim hat auf dem Areal „Grüner Baum/Zehntscheuer“ Großes vor. Bürgermeister Rainer Schäuffele ist es nach einjährigen Verhandlungen gelungen, alle relevanten Gebäude in dem Bereich zu erwerben – die Gemeinde hat auch das Gasthaus „Grüner Baum“ gekauft.

Die Verträge sind in trockenen Tüchern. Lediglich der genaue Zeitpunkt ihrer Wirksamkeit ist im Falle des Landgasthauses „Grüner Baum“ noch nicht ganz klar. Wie die Gastwirtsfamilie Ahner gestern im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte, wird der Betrieb bis längstens Ende des nächsten Jahres so weiterlaufen wie bisher. Es hänge aber davon ab, ob der neue Besitzer, die Gemeinde, zu einem früheren Zeitpunkt einen Pächter oder einen Investor gefunden habe.

Für Bürgermeister Rainer Schäuffele ist klar, dass ein Betrieb in dem historischen Gebäude weitergehen müsse. Das sei schließlich das wichtigste Erligheimer Aushängeschild. Der „Grüne Baum“ ist ein schwäbisches Gasthaus mit einer über 400-jährigen Tradition. Mehr als 90 Jahre davon wurde er von der Familie Ahner betrieben. So eine schwäbisch-traditionelle Küche in diesem Ambiente ist selten geworden.

Erwähnt wird das historische Gebäude an der alten Poststraße zwischen Bietigheim und Bönnigheim erstmals um 1600. Viele Wirte hatte das „erste Haus am Platze“ seitdem, vor allem die Gutsbesitzerfamilie Scheuerlen hat Gasthaus und Ort maßgeblich geprägt. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war der „Grüne Baum“ Treffpunkt und beliebtes Ausflugsziel für die Schwadronen der Ludwigsburger Garnison. Auch eine Kegelbahn war in Betrieb, in der die Erligheimer Buben ein Taschengeld durchs Kegelaufstellen verdienten. Der gegenüberliegende Lustgarten war Ort fröhlicher Feste der Oberschicht. Zur Kirbezeit im Oktober war im „Grünen Baum“ Hochsaison. An mehreren Tagen wurde da groß gegessen, getrunken und getanzt. Dabei kam es früher schon mal zu Handgreiflichkeiten, wenn Löchgauer oder Walheimer Burschen mit Erligheimer Mädchen anbandeln wollten.

Der Großvater der heutigen Besitzer, Eugen Ahner – ein in Erligheim geborener Metzgermeister, der in Stuttgart eine Metzgerei betrieb –, erwarb das Traditionsgasthaus 1929, also vor über 90 Jahren. „Unser Großvater baute Kellerräume unter die Gaststube, legte das Fachwerk frei und setzte Gauben aufs Dach“, weiß der heutige „Boom-Wirt“ Horst Ahner. Die Umgebung des Gasthauses wird sich verändern. In die Zehntscheuer werden moderne Wohnungen eingebaut. Rund zehn Millionen Euro müssen hier investiert werden. Einige Gebäude um den Innenhof werden abgerissen, andere müssen saniert werden. Geplant ist auch eine Tiefgarage. Mit dem Kauf des Ensembles und allen dazugehörenden Grundstücken ist der Gemeinde ein großer Wurf gelungen. Mit rund einer Million Euro ging die Kommune in Vorleistung. Allein kann sie das Mammutprojekt jedoch nicht schultern, wie Bürgermeister Rainer Schäuffele betont: „Wir suchen für einzelne Projekte Investoren und glauben, auf einem guten Weg zu sein.“

Für Erligheims Ortsmitte ist das Sanierungsprojekt mehr als nur eine Initialzündung. Es wird den Ort maßgeblich verändern.

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