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Erwachsenenbildung

Der Schiller-VHS fehlt es an Räumen

Mindestabstand, Kontaktbeschränkungen und Homeoffice: In entschleunigten Zeiten von Corona bringt die Erwachsenenbildung Spannung in den Alltag vieler Menschen. Dank verschiedener Onlineangebote können sich Dozenten und Kursteilnehmer auch im digitalen Raum treffen. Dennoch steht die Schiller-Volkshochschule im Landkreis Ludwigsburg vor einem gewaltigen Problem: Weil etwa 80 Prozent der Kurse in Schulen stattfinden und die Nutzung von Schulgebäuden laut Coronaverordnung bis 15. Juni untersagt ist, wird es erst nach den Pfingstferien wieder einen Kursbetrieb geben.

Wie viele Kurse die Schiller-Volkshochschule im Landkreis Ludwigsburg bis zum Semesterende noch anbieten kann, hängt sehr von der Raumsituation ab. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Wie viele Kurse die Schiller-Volkshochschule im Landkreis Ludwigsburg bis zum Semesterende noch anbieten kann, hängt sehr von der Raumsituation ab. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Eigentlich müsste Jürgen Schmiedel glücklich sein. Seit Montag dieser Woche dürfen die Volkshochschulen ihren Betrieb wieder aufnehmen – zehn Wochen nach dem Lockdown Mitte März. Unter der Einhaltung von Hygienevorgaben sind Präsenzveranstaltungen in geschlossenen Räumen somit wieder möglich. Doch die Freude beim Leiter der Schiller-Volkshochschule hält sich in Grenzen, weil die Einrichtung der Erwachsenenbildung noch weit von einem geregelten Kursbetrieb entfernt ist. „Wir könnten loslegen, wenn wir die geeigneten Räumlichkeiten hätten“, beschreibt Schmiedel das Problem. Etwa 80 Prozent aller VHS-Angebote finden in Schulgebäuden statt. Doch hier ist die Schiller-VHS bis Ende der Pfingstferien ebenso außen vor wie beispielsweise Musikschulen.

Dass die neue Verordnung erst wenige Tage vor Inkrafttreten veröffentlicht wurde, machte es nicht einfacher. Schließlich lassen sich die Kurse nicht einfach fortsetzen, ohne geeignete Vorbereitungen getroffen zu haben. „Die Verordnungen sind terminlich gesehen eine Katastrophe“, sagt der Leiter der Volkshochschule. Dazu komme, dass sich aufgrund der immer noch unsicheren Lage kaum Interessierte für einen der vielen aktuellen Kurse angemeldet haben. „Das sind schwierige Verhältnisse. Wenn das so weitergeht, bricht uns das gesamte Semester zusammen“, sagt Schmiedel.

Um die Raumnot wenigstens im Ansatz zu lindern, wird mit aller Macht versucht, Alternativräume zu finden. So hat Jürgen Schmiedel als Teilnehmer selbst Glück gehabt, weil sein Gitarrenkurs in Murr nach den Ferien fortgesetzt werden kann. Zwar nicht in der Schule, dafür aber im Rathaus. Allein dieser Kurs macht deutlich, mit welchen Schwierigkeiten Schmiedel und seine Stellvertreterin Constanze Weis derzeit zu kämpfen haben.

Viele Teilnehmer – kleine Räume: So sah es in der VHS noch vor Corona aus. Heute ist es genau umgekehrt. Ist nach vielen Telefonaten endlich ein Raum gefunden, kann ein Angebot nur dann darin stattfinden, wenn eine gewisse Anzahl von Teilnehmern nicht überschritten wird. Bei allen Kursen muss ein Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Teilnehmern garantiert sein. Bei Bewegungs- und Entspannungskursen, in denen die Übungen auf einer Matte durchgeführt werden, müssen mindestens zehn Quadratmeter pro Person vorhanden sein. Bei Kursen ohne Matten sind es sogar 40 Quadratmeter. Deshalb mussten alle rund 150 von der Schiller-VHS im Landkreis genutzten Immobilien, die nicht zu einer Schule gehören, hinsichtlich ihrer Größe erfasst werden. Nur so lässt sich feststellen, wie viele Personen dort jeweils zugelassen sind. Bevor das Angebot stattfinden kann, muss freilich auch der Kursleiter dazu bereit sein, es anzubieten. Doch nur wenige der rund 700 Dozenten haben abgesagt, wie Jürgen Schmiedel mitteilt.

Insgesamt 1700 Veranstaltungen sind im aktuellen Programmheft der Schiller-VHS aufgeführt, rund 800 davon haben vor der Coronapandemie begonnen und warten auf ihre Fortsetzung. Das Semester dauert bis 13. Juli. Ein paar wenige Nachholtermine finden noch direkt danach und in den Sommerferien statt. Kurse, die nicht angeboten werden können, müssen komplett abgesagt werden. Die Teilnehmer werden über alle aktuellen Entwicklungen sofort informiert. Geld, das dafür bereits ausgegeben wurde, wird erstattet. „Wir werden die Gebühren anteilsmäßig zurückbezahlen“, sagt Schmiedel. Sprich: Wer bei einem Kurs mit zehn Terminen bereits drei besucht hat, bekommt für die restlichen sieben Termine das Geld zurück.

Das Programm für das Wintersemester ist bereits erstellt. Es wird wegen der unsicheren Coronasituation allerdings erst Ende August, statt wie sonst Mitte Juli, veröffentlicht. „Je länger wir den Redaktionsschluss hinausschieben, desto mehr Informationen können wir reinpacken“, sagt Jürgen Schmiedel.

Info: Stets aktualisierte Informationen zu den Angeboten und dem Programm der Schiller-Volkshochschule gibt es im Internet unter www.schiller-vhs.de.

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