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Landkreis Ludwigsburg beteiligt sich an Verkehrsprojekt
Die Region Stuttgart kämpft mit einer Ringzentrale gegen die Staus

Die Ampeln in der Region Stuttgart sollen über die Ringzentrale miteinander vernetzt werden, um einen besseren Verkehrsfluss zu ermöglichen. Foto: Holm Wolschendorf
Die Ampeln in der Region Stuttgart sollen über die Ringzentrale miteinander vernetzt werden, um einen besseren Verkehrsfluss zu ermöglichen. Foto: Holm Wolschendorf
Regionaldirektor Dr. Alexander Lahl, der Verkehrsminister, Winfried Hermann, sowie Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen und Landkreise unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung für das regionale Verkehrsmanagement. Foto: vrs
Regionaldirektor Dr. Alexander Lahl, der Verkehrsminister, Winfried Hermann, sowie Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen und Landkreise unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung für das regionale Verkehrsmanagement. Foto: vrs
Die Region Stuttgart kämpft gegen den Verkehrsinfarkt. Mithilfe eines neuen Verkehrsmanagements soll jetzt der Straßenverkehr flüssiger werden und es soll zu weniger Staus kommen. Wichtigstes Mittel dabei: die Ringzentrale, in der alle wichtigen Verkehrsdaten aus der Region zusammenlaufen.

Kreis Ludwigsburg. „Es ist viel in Bewegung auf den Straßen in der Region Stuttgart“, sagt Alexander Lahl. Doch der Direktor des Verbands Region Stuttgart meint damit vor allem den Autoverkehr. 800000 Fahrzeuge quälen sich täglich über die Autobahnen und Straßen in den Städten und Gemeinden in den fünf Landkreisen der Region sowie der Landeshauptstadt. „Bei der Verkehrsdichte liegen wir in Deutschland auf dem Spitzenplatz“, sagt Lahl. Was vor dem Hintergrund der Siedlungsdichte aber auch nicht verwunderlich sei. Mit den bekannten Folgen. Denn die Autofahrer stehen zunehmend im Stau. Das hat Folgen für die Umwelt, die Anwohner und sorgt für genervte Pendler.

Gegensteuern mit regionalem Verkehrsmanagment

Jetzt will die Region gegensteuern. Helfen soll dabei ein regionales Verkehrsmanagement. Herzzentrum ist die sogenannte Ringzentrale, die in der Heilbronner Straße in Stuttgart untergebracht ist. Sie besteht aus Verkehrsrechnern, die mit Livedaten zum Verkehrsgeschehen, zu Baustellen, Sperrungen und Ampeln, aber auch zu Park+Ride-Möglichkeiten gefüttert werden. Zudem sind Sperrungen und Baustellen in der Cloud hinterlegt. Ziel ist es, aus all diesen Daten Strategien zu entwickeln, damit die Autofahrer sinnvolle Ausweichrouten auf ihr Navigationssystem erhalten. Dabei soll aber vermieden werden, dass sich Blechlawinen durch Städte und Gemeinden quälen und sich der Stau von der Autobahn in die Kommunen verlagert. „Wir müssen die Belastungen für die Anwohner reduzieren“, so Lahl bei der Vorstellung des Konzepts am Montag in Stuttgart.

Kreis Ludwigsburg mit dabei

Um die Landeshauptstadt herum sind die Straßen am vollsten. Deshalb konzentriert sich das Projekt zunächst auf einen Ring von Kommunen rund um Stuttgart. 18 Projektpartner haben sich bislang angeschlossen. Mit dabei sind auch der Landkreis und die Stadt Ludwigsburg, Ditzingen und Remseck. Sie versorgen die Ringzentrale mit Informationen aus ihren eigenen Verkehrsrechnern. Auf einer Plattform laufen alle Meldungen zusammen und können dann ab dem ersten Quartal 2023 zur Verfügung gestellt werden. Allerdings nicht direkt für den Endverbraucher, sondern für die Anbieter von Navigationssystemen. Auch die virtuelle Beschilderung soll dadurch verbessert werden. Außerdem ist geplant, die Ampelschaltungen besser aufeinander abzustimmen, um Staus möglichst zu vermeiden. Für Regionaldirektor Lahl ist die Ringzentrale eine „wesentliche Weichenstellung für die Mobilität in der Region“.

Verkehrsminister setzt auf künstliche Intelligenz

Verkehrsminister Winfried Hermann sieht in einer besseren Verkehrssteuerung eine wichtige Voraussetzung, „damit Menschen auf den ÖPNV umsteigen können“. Im Land seien 6,8 Millionen Fahrzeuge zugelassen, Tendenz steigend. Glücklicherweise seien nur maximal sechs Prozent davon gleichzeitig unterwegs. Aber schon diese Zahl stelle das Land und die Region vor immense Probleme. Es handele sich bei der Ringzentrale um ein Pionierprojekt und einen Meilenstein für die Steuerung des Individualverkehrs. Immerhin 60 Prozent der Gesamtkosten von 7,5 Millionen Euro würden vom Land über EU-Fördergelder getragen. Im Vergleich zu den Kosten, die andere Infrastrukturmaßnahmen verschlingen, keine große Summe. Einen Radschnellweg gäbe es dafür nicht, so Hermann, der Kreise, Städte und Gemeinden ermuntert, das Projekt voranzutreiben. Denn bislang existierten nur wenige moderne Anlagen, um den Verkehr zu steuern. Die Anzeigetafeln etwa am Engelbergtunnel seien über 20 Jahre alt – und veraltet. Der Grünen-Politiker setzt große Hoffnungen in die Steuerung durch künstliche Intelligenz, die absehbar bei dem Projekt zum Einsatz kommen soll. „Wir stehen erst am Anfang“, so Hermann, der aber auch darauf verweist, dass die Ringzentrale mehr sein werde als ein regionales Google maps: „Wir wollen ja gerade nicht, dass die Fahrzeuge von einem Stau auf der Autobahn in einen Stau in einer Stadt geleitet werden.“

Makurath: „Es wird besser“

Auch Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath hofft, mit Hilfe der Ringzentrale den Umgehungsverkehr aus den Städten heraushalten zu können. Als Vertreter der Kommunen in dem Verbund weiß er aber auch, dass die Situation erst besser wird, „wenn sich noch mehr Städte und Gemeinden dem Projekt anschließen“. Denn nur so sei eine regionale und durchgängige Verkehrssteuerung überhaupt möglich. „Aber ich bin sicher, es wird besser.“

Dies sieht auch der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier so. Er freut sich, dass der Landkreis und die Städte Ludwigsburg, Ditzingen und Remseck mit von der Partie sind. „Hier werden die Weichen für den Verkehr der Zukunft gestellt.“