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Porträt

Die Stimme der Jungunternehmer kommt aus Mundelsheim

Sarna Röser setzt sich für die Interessen der Familienbetriebe ein und verschafft ihnen mit ihren Auftritten längst auch Gehör

Jungunternehmerin Sarna Röser. Foto: Anne Großmann Fotografie/p
Jungunternehmerin Sarna Röser. Foto: Anne Großmann Fotografie/p

Mundelsheim. Sarna Röser pendelt regelmäßig zwischen Ludwigsburg und der Hauptstadt Berlin. Denn die in Mundelsheim geborene 34-Jährige ist Cheflobbyistin der Jungen Unternehmer und vertritt deren Interessen auf dem politischen Parkett. Die Arbeit als Bundesvorsitzende beim Verband der Jungen Unternehmer macht ihr Spaß. Das ist ihr sichtlich anzumerken, wenn man mit ihr spricht. Es ist ein Amt an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik, bei dem es darum geht, die Interessen der Klientel zu wahren und das aus ihrer Sicht schlechte Image ihres Standes aufzupolieren. „In Deutschland haben wir ein negatives Unternehmerbild. Im Tatort ist der Mörder am häufigsten ein Unternehmer“, klagt die Schwäbin.

Röser ist seit 2018 Bundesvorsitzende des Verbandes. Er sieht sich als eine branchenübergreifende Interessenvertretung in Deutschland für Familien- und Eigentümerunternehmer bis 40 Jahre. Mitglied kann nicht jeder werden. Das entsprechende Unternehmen muss mindestens zehn Mitarbeiter aufweisen oder eine Million Umsatz im Jahr erwirtschaften. Die Stimme der Unternehmer sieht deutliche Unterschiede zwischen ihrer Branche und dem Politikbetrieb. „Die Mühlen in der Politik mahlen langsam. Es braucht länger für Entscheidungen als in Unternehmen. Mir geht es eindeutig zu langsam“, sagt sie und setzt noch gleich eins obendrauf. „Unternehmer haben eine Vision, die umgesetzt wird. Und das fehlt in der Politik.“ Die 34-Jährige redet Klartext und will die Pläne der neuen Ampelkoalition in Berlin kritisch begleiten. Vor allem beim Thema Rente sieht sie Bedarf, nachzusteuern. „Das Thema Rente muss die neue Bundesregierung angehen. Wir können nicht nur Steuergelder verteilen, ohne den demografischen Wandel im Blick zu behalten. Es muss ein Bewusstsein geschaffen werden, dass Steuergelder zuvor erwirtschaftet werden müssen.“ Bei der Zukunft der Altersversorgung bleibe die neue Bundesregierung eine Antwort schuldig. „Die geplante Aktienrente ist aber ein guter Einstieg, um Reformen anzustoßen“, sagt sie und moniert zugleich, dass in der Vergangenheit bei dem ein oder anderen Thema oftmals nur Versprechungen gemacht worden sind und es nur zur zögerlichen Umsetzung kam. Beispiel Digitalisierung: „Wir brauchen ein digitales Wirtschaftswunder. Wir müssen das Land auf den aktuellen Stand bringen.“

Sarna Röser ist im eigenen Familienbetrieb in Mundelsheim am Neckar aufgewachsen. Ihr Vater und dessen Bruder leiten die Zementrohr- und Betonwerke Karl Röser & Sohn GmbH, einen Betrieb mit 50 Mitarbeitern, in dritter Generation. Ihr Vater hatte seine älteste Tochter schon seit längerem in die Führung des Unternehmens mit eingebunden. „Als designierte Nachfolgerin habe ich von meinen Eltern schon früh Verantwortungsbewusstsein vermittelt bekommen.“ Zudem arbeitet sie in der Geschäftsführung der zur Röser-Unternehmensgruppe gehörenden Röser FAM. Das ist ein Personalberatungsunternehmen, welches für Firmen Personalstrategien und Konzepte zur unternehmerischen Verantwortung, zur Rückkehr von älteren, schon ausgeschiedenen Mitarbeitern für einzelne Projekte entwickelt.

Röser hat eigenen Angaben zufolge Internationale Betriebswirtschaft zwischen 2006 und 2009 in Stuttgart und Newcastle studiert und 2013 ein Aufbaustudium im Bereich unternehmerische Verantwortung an der Hochschule im schweizerischen Luzern draufgesattelt. Unter die Start-up-Gründer ist sie auch gegangen. 2018 ging sie zusammen mit drei Geschäftspartnern in Düsseldorf mit Beamcoo an den Start, einer Plattform für Wissensaustausch, speziell für Mittelständler, auf der sich Angestellte verschiedenster Branchen miteinander vernetzen können, über Unternehmensgrenzen hinweg.

Die 34-Jährige ist in den Medien sehr präsent, auch in bekannten Talkformaten des deutschen Fernsehens. „Die junge Unternehmergeneration braucht eine Stimme. Daher sind Talkshows, Podiumsdiskussionen und Gespräche so wichtig.“ Auf der Internetseite des Verbandes ist sie nicht zu übersehen. Der eigene Podcast mit dem Namen „U-Talk by Sarna Röser“ darf natürlich auch nicht fehlen. Hier hat sie regelmäßig politische Entscheider zu Gast. So ist auch schon der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, dabei gewesen. Er sagt über die 34-Jährige: „Sie ist eine smarte junge Unternehmerin, die den Familienunternehmen ein neues Bild in der Öffentlichkeit und gleichzeitig starke inhaltliche Impulse gegeben hat. Damit ist sie ein Vorbild für viele andere junge Unternehmerinnen, auch noch stärker ihre Stimme einzubringen.“

Die junge Frau gehört keiner Partei an. „Parteipolitisch bin ich ungebunden. Wichtig in meiner Position ist, dass es um Themen und Ziele geht und nicht um die Positionen einzelner Parteien.“ Aber man hört im Gespräch schon heraus, dass ihr die Positionen von der Union und der FDP näher sind als die Positionen von SPD und Grünen. „Bei der Modernisierung des Staates darf es nicht bei Worthülsen bleiben.“ Die Wirtschaftsvertreterin hat eine jüngere Schwester, die auch schon im Familienunternehmen tätig ist.

In Berlin ist Röser gut vernetzt und bewegt sich geschickt auf dem politischen Parkett. Über die Jahre hinweg hat sie sich ein großes Netzwerk aufgebaut. Ihre Maxime lautet: „Ich bin von Haus aus Unternehmerin. Das ist meine Leidenschaft. Ich setze mich im politischen Berlin dafür ein, dass Familienunternehmen nicht aus dem Fokus der Politik geraten.“

Ihre schwäbische Heimat schätzt sie sehr. Hier kann sie abschalten. Hier sei sie gerne unterwegs. Und wenn sie mal Freizeit hat, widmet sie sich der Kunst und unterstützt gleichfalls junge und begabte Künstler. Doch Röser ist nicht nur im Verband aktiv, sondern auch Aufsichtsratsmitglied. Sie ist 2020 als jüngstes Mitglied in das Kontrollgremium bei Fielmann eingezogen. Zugleich ist sie Mitglied im Beirat der Deutschen Bank und seit kurzem Mitglied im Vorstand der Ludwig-Erhard-Stiftung.

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