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altes kino

Die Zeichen stehen auf Abbruch

Eine Mehrheit aus Freien Wählern, SPD und Bürgermeister Jan Trost hat sich für einen raschen Abriss des alten Kinos in der Güntterstraße ausgesprochen; übergangsweise sollen hier Parkplätze angelegt werden. CDU, Grüne und Puls sehen das Vorgehen mit großer Skepsis.

Die Tage des alten Kinos in der Güntterstraße dürften gezählt sein; der Gemeinderat entscheidet nächste Woche über den Abriss.Foto: Oliver Bürkle
Die Tage des alten Kinos in der Güntterstraße dürften gezählt sein; der Gemeinderat entscheidet nächste Woche über den Abriss. Foto: Oliver Bürkle

marbach. Die endgültige Entscheidung fällt kommenden Donnerstag im Gemeinderat, wo die beiden Fraktionen eine (knappe) Mehrheit haben; im vorberatenden Ausschuss für Umwelt und Technik gab es gestern sechs Jastimmen für den baldigen Abbruch und vier Gegenstimmen.

Die Haltung von SPD und Freien Wählern ist nicht überraschend, hatten doch die beiden Fraktionen schon vor vier Jahren die Forderung nach Abriss in einen Antrag gegossen; über ihn wurde bislang nicht entschieden, weil man die Aufnahme der Stadt in ein Landessanierungsprogramm abwarten wollte. Das ist nun geschehen und hat den Vorteil, dass die Stadt mit einem 60-prozentigen Zuschuss zu den voraussichtlichen Abrisskosten in Höhe von 100 000 Euro rechnen kann.

Weil es sich nach der – unwidersprochenen – Auffassung von SPD-Fraktionschef Ernst Morlock verbietet, über eine Sanierung des maroden Gebäudes auch nur nachzudenken, sei es sinnvoll, die alte „Oase“ jetzt abzureißen, wo es Geld dafür gebe. „Dann können wir in aller Ruhe darüber nachdenken, was langfristig auf diesem Areal geschehen soll.“ Martin Mistele (Freie Wähler) sah sich „auf einer Wellenlänge“ mit der SPD und forderte kurz und knapp: „Das alte Kino gehört weg.“

Doch für Jochen Biesinger und die CDU ist das zu kurz gesprungen. Er wehre sich zwar nicht gegen Parkplätze als Zwischenlösung, aber nur, wenn zuvor ein Parkkonzept samt Maßnahmenpaket für die gesamte Innenstadt auf dem Tisch liege und wenn feststehe, ob eine Tiefgarage unter der Grabenstraße tatsächlich realisiert werden kann. Dazu wird aber laut Bürgermeister Jan Trost erst Mitte Mai eine Machbarkeitsstudie vorliegen. „Wir sollten an dieser Stelle nur eine Lücke reißen, wenn wir eine Idee haben, wie wir sie wieder schließen wollen“, deutete Biesinger den Wunsch nach Vertagung an. Unterstützung erhielt er von Jürgen Waser (Grüne), der mahnte: „Nichts hält so lange, wie ein Provisorium.“ Und wenn man den von der Verwaltung so bezeichneten „Schandfleck“ Kino abgerissen habe, bekomme man dafür einen „geschotterten Schandfleck“, fürchtete Waser. Hendrik Lüdke (Puls) ärgerte sich besonders darüber, dass „so viel Geld“ für Parkplätze ausgegeben werden soll; in den Jahren 2019 und 2020 ist insgesamt eine Million Euro vorgesehen. An die Adresse von SPD und Freien Wählern sagte er: „Wer hier für Parkplätze streitet, darf sich danach nicht über mehr Verkehr in der Innenstadt beklagen.“

Bürgermeister Jan Trost versuchte, einen möglicherweise erfolgreichen Vertagungsantrag zu verhindern, und schlug vor, den Beschlussantrag um den Satz „Die Verwaltung wird beauftragt, nach dem Abbruch ein Gesamtkonzept für die Nutzung des Areals zu erstellen“ zu ergänzen. Die Formulierung wurde bei zwei Enthaltungen angenommen. Unstrittig ist, dass in dieses Konzept nicht nur das Kinogrundstück, sondern auch das Art-Hotel, die Pizzeria, das China-Restaurant und die Schneiderei in der direkten Nachbarschaft einbezogen werden müssen. Ein Vorschlag der SPD steht schon im Raum: eine Parkebene und darüber preisgünstige Wohnungen. Das von Puls geforderte Kultur- und Vereinszentrum dürfte kaum mehrheitsfähig sein.

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