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Ein Schloss als Trumpf für den Maschinenbauer

Das historische Gebäude in Hochdorf hat den Besitzer gewechselt. Für das Unternehmen Trumpf könnte es zur Alternative zur angemieteten Ministerpräsidentenvilla auf der Solitude werden, wo derzeit Führungskräfte geschult werden.

Zahlreiche Besucher interessieren sich bei einer Schlossführung vor zwei Jahren für das denkmalgeschützte Gebäude.Archivfoto: Susanne Müller-Baji
Zahlreiche Besucher interessieren sich bei einer Schlossführung vor zwei Jahren für das denkmalgeschützte Gebäude. Foto: Susanne Müller-Baji

Eberdingen. „Privateigentum, Zutritt verboten“ warnten die Schilder an dem schmiedeeisernen Zaun des Hochdorfer Schlosses. Doch damit soll bald Schluss sein – denn das denkmalgeschützte Gebäude soll zu einem Ort für Veranstaltungen werden. Der Umnutzung weg vom reinen Wohnen und dem entsprechenden Bauantrag hat der Gemeinderat unlängst auch das Einvernehmen erteilt.

Der neue Eigentümer wurde darin zwar nicht genannt – zu hören war aber, dass die Räume künftig für Führungskräfte des Ditzinger Maschinenbaukonzerns Trumpf genutzt werden sollen. Die Schulungen, Workshops und Veranstaltungen für bis zu 50 Personen, wie es in dem Bauantrag heißt, sollen im Erdgeschoss stattfinden. Im Obergeschoss sind demnach Büros und Besprechungsräume vorgesehen.

So ist zumindest der Plan. Doch noch gibt es bei der Frage nach dem „ab wann“ – und vielleicht sogar „ob überhaupt“ – eine große Unbekannte: Der Ausgang der Landtagswahl im kommenden Frühjahr. Denn dem Landesoberhaupt steht eigentlich die Ministerpräsidentenvilla auf der Solitude als Wohnsitz zur Verfügung, doch Winfried Kretschmann hat – wie schon sein Vorgänger Stefan Mappus – darauf verzichtet. Und so kam es, dass Trumpf die Räumlichkeiten für Führungskräfte-Schulungen angemietet hat – so lange, bis vielleicht ein neuer Regierungschef doch einziehen will.

Prophylaktisch habe sich deshalb die Bauabteilung nach Alternativen umgeschaut, heißt es aus der Trumpf-Pressestelle. Denn trotz der Erweiterung am Ditzinger Stammsitz gebe es dort nur wenig Möglichkeiten für Schulungen, und die entsprechenden Räume seien dann eher für Kundentermine reserviert.

Von den Plänen für das barocke Schloss unberührt sind die weiteren Gebäude des Areals, etwa die ehemalige Schlossscheuer, die heutzutage als Atelier und Galerie genutzt wird, ebenso die Flächen auf der anderen Seite der Hemminger Straße. Damit gibt es insgesamt kaum eine nach außen sichtbare bauliche Veränderung, die ein Veto des Gemeinderats gerechtfertigt hätte. Neu hinzukommen sollen aber einige Park- und Radabstellplätze vor dem Gebäude, unter den Bäumen. Ob diese aber ausreichten, war die Sorge der SPD/Grüne Liste-Fraktionschefin Veronika Wernstedt. Bürgermeister Peter Schäfer teilt die Sorge aber nicht. Der Parkdruck in dem Gebiet sei gering, oft gebe es etliche freie Plätze auf dem Parkplatz davor und in der Pfarrgasse – und schließlich werde die Zahl der Besucher verkraftbar sein.

Zuletzt hatte das Barockschloss dagegen kaum Besucher gesehen. Eine Ausnahme war eine Führung der Schiller-Volkshochschule und des Vaihinger Anwalts Ulrich Eberle, der bis vor zwei Monaten noch der Schlossverwalter war, im August 2018. Eberle bot dabei zusammen mit Jörg Alexander Mann einer Gruppe Interessierter Einblicke in das Gebäude, aber auch in die wechselvolle Geschichte der adligen Eigentümerfamilie.

Philipp Heinrich von Tessin hatte den Herren von Münchingen 1709 Hochdorf abgekauft und im Jahr darauf das Landschloss erbauen und den 1,5 Hektar großen Garten anlegen lassen. Zur Miete bewohnt wurde es zuletzt von einem Zigarrenfabrikant, der den Gewölbekeller zum Humidor umfunktionierte und die gesamte Anlage für Events nutzen wollte. Doch daraus wurde nur selten etwas und nach seiner Zahlungsunfähigkeit musste der Mieter 2018 ausziehen. Schon damals stand aber fest, dass künftig das Schloss nicht mehr so hermetisch abgeschottet sein sollte.

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