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Reaktorstilllegung

Ende des Atomzeitalters rückt näher

Ende 2022 soll das Atomkraftwerk Neckarwestheim endgültig vom Netz gehen – als letzter deutscher Meiler. Stilllegung und Abbruch bereitet die EnBW aber schon jetzt vor: Am kommenden Montag startet die Beteiligung der Öffentlichkeit mit der Auslegung der Genehmigungsunterlagen.

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Das AKW Neckarwestheim: außen die Meiler GKN II und GKN I, in dem der Rückbau bereits läuft, in der Mitte die dafür benötigten, aber noch nicht ganz fertiggestellten Rückbauanlagen, das Standortabfalllager und das Reststoffbearbeitungszentrum. Foto: Alfred Drossel
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Im GKN I liegt der Rückbau im Zeitplan. Das Foto zeigt die Demontage des Motors der Hauptkühlmittelpumpe. Foto; privat

Neckarwestheim/Gemmrigheim. Seit 1989 liefert Block II des Atomkraftwerks Neckarwestheim – kurz GKN – Strom, mehr als elf Milliarden Kilowattstunden waren es im Jahr 2016. Das entspricht etwa der Hälfte des privaten Stromverbrauchs in Baden-Württemberg. Doch mit dem Atomzeitalter in der Energieerzeugung soll in viereinhalb Jahren Schluss sein: GKN II wird Ende 2022 abgeschaltet, so wie Block I nach dem Super-Gau von Fukushima im Frühjahr 2011. Und der Karlsruher Kraftwerksbetreiber EnBW will offenkundig möglichst früh nach der Abschaltung auch mit dem Abriss des jüngsten deutschen Reaktors beginnen. Dazu ist – angesichts der höchst aufwendigen und mehrere Jahre dauernden Genehmigungsverfahren zum Rückbau von Kernkraftwerken – eine frühzeitige Antragstellung vonnöten. Die erfolgte bereits im Juli 2016, ebenso wie mehrere Infoveranstaltungen in Neckarwestheim.

Inzwischen liegen dem Umweltministerium in Stuttgart die erforderlichen Unterlagen vor. Neben dem Antrag selbst sind das eine Kurzbeschreibung des Rückbaus, ein Sicherheitsbericht sowie die Umweltverträglichkeitsuntersuchung, die sich mit den möglichen Auswirkungen der einzelnen Schritte auf den Menschen sowie auf Tiere, Pflanzen, Boden, Luft und Wasser befasst. Ein Paket von 808 Seiten.

Am kommenden Montag, 2. Juli, werden sie öffentlich: Mit der Auslegung der kompletten Genehmigungsunterlagen beginnt die formale Öffentlichkeitsbeteiligung. „Betroffene“ Bürger – und das ist bei Atomkraftwerken ein denkbar großer Kreis – und Umweltverbände können bis zum 3. September Einwendungen, Anregungen und Bedenken gegen beziehungsweise zu allen Einzelheiten des geplanten Rückbaus formulieren.

Danach wird in Neckarwestheim ein sogenannter Erörterungstermin stattfinden, bei dem die Einwender ihre Stellungnahmen näher erläutern und mit den Vertretern der Atomaufsicht und der EnBW diskutieren können. Der Termin hänge von „der Anzahl und dem Inhalt der Einwendungen ab“, meint das Ministerium dazu. Aus den Fehlern des Erörterungstermins zum GKN I, bei dem empörte Atomkraftgegner teils miserabel vorbereiteten Vertretern der EnBW gegenübersaßen, habe man gelernt, heißt es im Ministerium. Beispielsweise werde man eine Zusammenfassung der Erläuterungsberichte bereitstellen.

Den Bürgerinitiativen wird das nicht reichen. Sie zeigen schon vor der Auslegung der Unterlagen Flagge, die AG Atomerbe Neckarwestheim fordert etwa ein neues Genehmigungsverfahren für die in Bau befindlichen Rückbaufabriken, das Standortabfalllager und das Reststoffbearbeitungszentrum. Sie werden ohne eigene Umweltverträglichkeitsuntersuchung errichtet.

Info: Die Unterlagen stehen ab 2. Juli auf der Homepage des Ministeriums ( https://um.baden- wuerttemberg.de/de/service/service/oeffentliche-bekanntmachungen/) zum Download bereit.