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Fagott bereichert Jugendmusikschule

Wüstenrot-Stiftung finanziert den Kauf von ehemaligem Staatsorchester-Instrument

Fagott
Stolz auf ihren neuen Schatz (von links): Hans-Dieter Karsch, Thomas Bäurle, Ute Kabisch, Detlef Reikow, Daniel Casares, Philip Kurz und Wulf D. von Lucius. Foto: Bild: Holm Wolschendorf

Das hat der Jugendmusikschule noch gefehlt: ein Kontrafagott. Gestern wurde das seltene Instrument vom Stuttgarter Staatsorchester endgültig übernommen. Möglich machte den Kauf die Wüstenrotstiftung, die das Geld für den tiefen Bass eines Orchesters zur Verfügung stellte. „Es ist ein absoluter Glücksfall für das Jugendsinfonieorchester“, jubelt Fagott-Lehrer Detlef Reikow, „wie ein Sechser im Lotto.“ So ein Instrument würden nur die großen Musikschulen besitzen. In der Region ist Ludwigsburg nun neben Tübingen und Stuttgart die Dritte. Das Kontrafagott wurde 1939 vom renommierten Instrumentenbauer Heckel aus Wiesbaden gebaut. Bis heute werden hier Fagotte der „Roll-Royce-Klasse“ gebaut. Dort werden derzeit gar keine Bestellungen für neue Kontrafagotte angenommen, die Wartezeit beträgt 7,5 Jahre. Abgesehen davon, dass sich die Musikschule so etwas nie hätte leisten können. Zwischen 80 000 und 90 000 Euro kostet so ein Kontrafagott frisch aus der Manufaktur. Vier Kehren hat das Instrument und wäre ausgezogen etwa sechs Meter lang. Bis zu 50 Zentimeter messen die Klappengestänge. Und selbst bei bester Pflege leiern die unter Dauerbetrieb irgendwann aus und werden für ein Profi-Orchester zu unzuverlässig. Für ein Schulensemble dagegen sei so ein Gelegenheitskauf immer noch ein absoluter Glücksgriff, betont Thomas Bäurle, Geschäftsführer des Staatsorchesters. Es sei für das „Patenkind“ aber auch ein Freundschaftspreis gemacht worden. Denn seit 2006 pflegen das Jugendsinfonieorchester und das Staatsorchester Stuttgart eine Patenschaft. In diesem Zuge kam eben dieses Kontrafagott auf Betreiben von Ute Kabisch als Leihgabe nach Ludwigsburg. Jetzt wollte es der ursprüngliche Eigentümer verkaufen, um ein Neues anzuschaffen. Wer es spielen will, sollte wenigstens 16 Jahre alt sein und eine gute Luftkontrolle haben. Um es aber spielen zu dürfen, muss man Fagott-Schüler sein und sich bereiterklären, damit im Orchester der Musikschule mitzuwirken. Denn eines ist das Kontrafagott nicht unbedingt: ein Soloinstrument – aber es verleiht einem Ensemble ein gutes Fundament an wichtigen Klangfarben. „Es gibt viel Notenliteratur aus dem 19. und 20. Jahrhundert“, meint Orchesterleiterin Ute Kabisch. Der tiefe Ton ist sonor, warm und gemütlich, wie Daniel Casares zeigt. Zusammen mit vier Fagott-Kollegen spielt er eine Paduana, dann mit Schulleiter Wilfried Peschke am Flügel den „Elefanten“ aus Saint-Saënts Karneval der Tiere. Melodisch stapft der gutmütige Dickhäuter durch den Musiksaal. „Als wir von dem geplanten Verkauf erfahren haben, schrillten bei uns die Alarmglocken“, erzählt Musikschulleiter Hans-Dieter Karsch. Erst im letzten Jahr hatte das Fagott-Quintett mit eben diesem Kontrafagott einen ersten Preis beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert gewonnen – mit der Höchstwertung von 25 Punkten. Das sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Die Wüstenrot-Stiftung gab dann die 10 000 Euro für den Kauf. Mit der Musikschule fühle sich die Wüstenrot-Stiftung seit langem verbunden und freue sich, etwas Besonderes überreichen zu dürfen, betonte deren Vertreter Professor Dr. Wulf D. von Lucius. Musik solle den Schülern in erster Linie Freude machen, aber es sei auch schön und erstrebenswert, ein professionelles Niveau zu erreichen. „Wir sind glücklich, stolz und dankbar, dass wir das Kontrafagott jetzt unser eigen nennen können“, sagte Karsch. Die Musikschule habe tolle Spieler und das Instrument sei oft im Einsatz. „Wir konnten es einfach nicht ziehen lassen.“