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Brände
Flüchtlingsunterkunft in Hemmingen durch Feuer zerstört

Flammen schlagen aus dem Dach des als Flüchtlingsunterkunft genutzten Gebäudes. Foto: KS-Images.de/Karsten Schmalz
Flammen schlagen aus dem Dach des als Flüchtlingsunterkunft genutzten Gebäudes. Foto: KS-Images.de/Karsten Schmalz
Erneut hat es im ehemaligen Gasthof „Schiff“ in Hemmingen gebrannt, die Flammen griffen zudem auf das Nachbarhaus über. Auch diesmal wurde niemand verletzt – der Schaden aber ist enorm.

Hemmingen. Es war gegen 2.45 Uhr in der Nacht zu Mittwoch, als ein Bewohner des ehemaligen Gasthauses in der Hochdorfer Straße ein Feuer bemerkte. Als Polizei und Feuerwehr kurze Zeit später eintrafen, stand das Gebäude bereits in Vollbrand.

Die Flammen griffen schnell auch auf ein Nachbarhaus über, aus dem zwei 73- und 75-jährige Bewohner unverletzt gerettet werden konnten. Sie kommen laut Polizei vorübergehend bei Bekannten unter. Auch die fünf Menschen im Alter zwischen 24 und 36 Jahren, die zum Brandzeitpunkt im „Schiff“ waren, blieben unverletzt, sie konnten nach Angaben der Polizei selbstständig ihre Wohnungen verlassen und sich ins Freie retten. Zwei weitere dort gemeldete Personen traf die Feuerwehr bei einer Überprüfung nicht im Haus an – zunächst waren vier Vermisste gemeldet worden, hier gab es aber Überschneidungen mit Ummeldungen. Bei einem Mann wird vermutet, dass er sich bei einer Freundin weiter entfernt aufhalte, so Bürgermeister Thomas Schäfer – der sich sicher wünscht, nicht so viel Erfahrung mit Bränden und Notunterbringungen zu haben.

Sanierung mutmaßlich zu teuer

Er war neben zahlreichen Rettungskräften in der Nacht ebenfalls vor Ort, kümmerte sich um die Unterbringung der Flüchtlinge. Und das längerfristig. Denn für Schäfer ist das Gebäude „wohl nicht mehr zu retten“, zieht er am Nachmittag eine erste Bilanz, die Polizei hatte zuvor schon den Schaden auf eine halbe Million Euro taxiert. Der Bürgermeister geht aufgrund des Alters und einer Bausubstanz aus der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht davon aus, dass man noch großartig Geld in eine Sanierung investieren werde, letztlich entscheide darüber aber der Gemeinderat.

Die Flüchtlinge leben nun an einer Adresse, an der es ebenfalls schon mehrfach gebrannt hat: in der Patronatstraße. Dort waren laut Schäfer gerade erst die Räume für neue Zuweisungen des Landkreises vorbereitet worden. Die Zuständigen hätten sich aber schon am Morgen verständigt, wie es weitergehen soll. Denn Hemmingen muss in diesem Jahr 17 Personen aufnehmen – ein Kraftakt angesichts der nun fehlenden Plätze. Aber dann müsse man eben überlegen, ob man auf eigenem Grund und Boden auch Container aufstelle, so Schäfer.

Zwei Brände führen zu einer Verurteilung

Erst vor einem Jahr war in der Patronatstraße ein Brand ausgebrochen, der das betroffene Zimmer lange unbewohnbar gemacht hatte. Größer war der Schaden im Nachbarhaus bei einem Feuer Ende Mai 2018. Ursache damals war laut Polizei ebenso ein technischer Defekt – und keine Brandstiftung, auch wenn der Syrer, der im August 2018 aus Unzufriedenheit über die Unterbringung zwei Mal Matratzen im „Schiff“ anzündete, zuerst genau dort lebte. Er war für seine Taten im Februar 2019 unter anderem wegen versuchten Totschlags zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, auch ein Revisionsverfahren bestätigte das Strafmaß ein Jahr darauf.

Doch was ist im aktuellen Fall die Ursache? „Man wird wohl wieder von einem technischen Defekt ausgehen“, verweist Schäfer auf das, was die Polizei schon am Morgen gegenüber der LKZ geäußert hatte. Doch erst am Vortag seien Gemeindemitarbeiter in dem querstehenden Gebäudeteil und der Scheune auf der Rückseite, Ausgangspunkt des Feuers, gewesen. „Große Brandlasten gab‘s dort keine“, berichtet Schäfer.

Die Ermittlungen dauern an.