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Stadtfest im Schatten des Todes von Tabitha
Ganz Asperg steht unter Schock

Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger (vierter von links) bei der Gedenkminute für die getötete Tabitha beim Stadtfest. Fotos: Andreas Essig
Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger (vierter von links) bei der Gedenkminute für die getötete Tabitha beim Stadtfest. Fotos: Andreas Essig
Bürgermeister Chrisian Eiberger entzündet eine Kerze für Tabitha.
Bürgermeister Chrisian Eiberger entzündet eine Kerze für Tabitha.
Unbekannte haben ein Kreuz in Gedenken an Tabitha auf dem Kirchplatz aufgestellt.
Unbekannte haben ein Kreuz in Gedenken an Tabitha auf dem Kirchplatz aufgestellt.
Gedenkminute auf dem Stadtfest.
Gedenkminute auf dem Stadtfest.
Das Asperger Stadtfest steht unter einem schwarzen Schatten. Eine junge Frau aus der Mitte der Gemeinschaft wurde durch ein Gewaltverbrechen mitten aus dem Leben gerissen. Es gibt lange auch nur ein Gesprächsthema: Tabitha.Sie wurde vergangenen Sonntag, am 17. Juli, tot aufgefunden.

Asperg. Dabei war alles durchorganisiert. Erstmals wieder nach zweijähriger Corona-Pause. Ein Dutzend Vereine hatte ihre Teilnahme mit 25 Ständen angemeldet. So viele wie nie. Wegen des Andrangs wurde der Kirchplatz miteinbezogen. Dort wurde auch eine zweite Bühne aufgebaut, von der die Pfarrer der Asperger Kirchengemeinden am Sonntag einen normalen ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt des Festes zelebrierten, der unter dem Thema „zuversichtlich leben“ stand: Martin Merdes, Winfried Schmid, Pastorin Kerstin Gottfried und Volker Speidel zelebrierten ihn gemeinsam. Aber auch der 17-Jährigen, die letzten Sonntag an der Enz bei Unterriexingen tot gefunden wurde, wurde kurz gedacht. Ganz am Anfang wurde eine Kerze für sie entzündet. Gedenkfeiern oder Trauerfeiern seien sonst Sache der Familie, so Merdes.

Gedämpfte Stimmung

Die Stadt steht unter Schock. Über allem liegt zunächst eine gedämpfte Stimmung. Die Gaudi Fassanstich und Freibier ist abgesagt. Stattdessen steht ganz Asperg still. 250 Menschen falten die Hände, schweigen, senken den Kopf zu Boden. Eine, zwei Minuten oder mehr. Es fließen Tränen. Danach bleiben erst einmal die Bühnen leer, die Musik bleibt für weitere 15 Minuten stumm. Dann aber spielt die Stadtkapelle mit Verspätung ihr Platzkonzert. Sie verzichtet auf Bierzeltmusik, stimmt „Concerto amore“ von de Hahn an, spielt dann klassischen Marsch und Polka. Für die Kapellen, Bands und Tanzschulen ist es Spagat. Wie geht man mit so einem schrecklichen Fall angemessen um? In so einer Situation steckten zum Beispiel „Bob’s Finest“ und „Permanent Vacation“ noch nie. Sie sind sonst gebucht, Party zu machen.

Keine Absage des Festes

Auch wenn im Internet Stimmen laut wurden, das Fest komplett abzusagen, war das für Bürgermeister Christian Eiberger keine Option. „Es geht um einen angemessenen Umgang mit dieser grausamen Tat“, meint er. Deshalb wurde auch das Feuerwerk als sonst krönender Abschluss vor der Kulisse des Hohenasperg am Samstag gecancelt. Das laute Spektakel habe man den Angehörigen ersparen wollen. Aber trotz allem, müsse das Leben aber irgendwie weitergehen. „Die ganze Stadtgemeinschaft hat mit der Familie gebangt und gehofft, bis traurige Gewissheit über herrschte.“ Dennoch ruft er auf, das Stadtfest wie immer zu feiern. „Wir alle sehnen uns nach zwei Jahren wieder danach, sind ausgezehrt.“

Gerüchte machen die Runde

An einigen Biertischen schießen derweil die Gerüchte ins Kraut. Das liegt auch an der mehr als zurückhaltenden Informationspolitik von Polizei und Staatsanwaltschaft aus „ermittlungstaktischen Gründen“. Viele wollen etwas um die Ecke gehört haben, vermuten Näheres zu den Tatumständen zu wissen, glauben sowohl das Opfer als auch den Täter gekannt zu haben. Es wird gemunkelt, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen vorbestraften Wiederholungstäter handeln soll, eine Behauptung, die durch nichts belegt ist. Trotzdem macht es die Runde. Die Kleinstadt ist ein Dorf. Die befürchtete Kundgebung von rechts dagegen bleibt am Samstag aus.

Alle bedauern das Schicksal, das die Familie nun verkraften muss. Das Wort des Tages heißt „schrecklich“. Die meisten schütteln erschüttert den Kopf. Froh, dass dieser Kelch an ihnen vorüberging. „Vielleicht bringen die Besucher aus den Nachbargemeinden bessere Stimmung mit“, hoffen Samuel und seine Clique. Gerade seien sie nicht in Feierlaune. „Natürlich sind die Asperger betroffen.“

Unfassbares Verbrechen

„Das Verbrechen ist in Worte nicht zu fassen“, sagt der Vorsitzende des TSV Asperg. Ulrich Meyer. Er versteht die Informationspolitik der Behörden nicht, die sich in Schweigen hüllen, aber die Nationalität des Verdächtigen sofort preisgaben. „Das tut doch gar nichts zur Sache“, überhaupt gelte im Rechtsstaat bis zum, Prozess die Unschuldsvermutung. Aber bei aller Betroffenheit wäre es falsch gewesen, das Stadtfest abzusagen. „Die Asperger sind hungrig und es steckt viel Aufwand und Vorbereitung der Vereine in der Veranstaltung.“ Sein Kollege von der DLRG, will sich zur ganzen Sache nicht äußern.

Party mit angezogener Handbremse

An den Ständen hat man sich, wie von der Stadtverwaltung gebeten worden war, mit der Musik zurückgehalten. Organisatorin Patricia Fischer bestätigt, dass es am Ende eine ganz normale Party war, wie immer. Vielleicht mit leicht angezogener Handbremse. „Die Menschen hatten nach so langer Zeit einfach wieder Lust zu feiern.“ Darüber aber sei Tabitha bestimmt nicht vergessen worden.