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Ärztliche Versorgung

Gemeinschaftspraxis im Be Carré

Der Gemeinde Benningen droht der Verlust der hausärztlichen Versorgung. Dies soll der Gemeinderat durch die Zustimmung zum Ankauf einer Fläche im Be Carré abwenden, wo eine Gemeinschaftspraxis entstehen könnte.

Die Gemeinde Benningen kämpft um den Erhalt der medizinischen Versorgung der Bürger vor Ort. Foto: stokkete /stock.adobe.com
Die Gemeinde Benningen kämpft um den Erhalt der medizinischen Versorgung der Bürger vor Ort. Foto: stokkete /stock.adobe.com

Benningen. Zwei allgemeinärztliche Praxen, dazu eine ebenfalls gut gelegene Apotheke: In Zeiten eines akuten Mangels an Hausärzten, speziell im ländlichen Raum, sei Benningen mit seinen 6500 Einwohnern „sehr gut aufgestellt“, befand Bürgermeister Klaus Warthon bei einem Pressegespräch zur medizinischen Versorgung im Ort. Der Schultes hatte dazu ein knappes Dutzend Akteure mitgebracht. Ein Aufgebot, das schnell verdeutlichen sollte, wie wenig selbstverständlich die aktuell noch sehr komfortabel wirkende Situation tatsächlich ist.

Der entscheidende Punkt, der das Gefüge ins Rutschen bringt, ist der anstehende Ruhestand von Dr. Gernot Rüter, dessen Eltern bereits die Praxis in der Blumenstraße betrieben hatten. Jetzt kann Rüter aber keine Nachfolge finden, jedenfalls nicht für die angestammten Räumlichkeiten. Sein Kollege Dr. Joachim Kolb sieht sich unterdessen nicht imstande, Rüters Patienten zu übernehmen. Mehr noch: Weil die räumlichen Bedingungen seiner eigenen Niederlassung im Rosenweg unzureichend sind, hatte er sich schon andernorts nach Alternativen umgeschaut, denn im Ort selbst war keine adäquate Fläche zu finden. Schwer vorstellbar, dass die Einwohnerschaft damit quasi mit einem Schlag ohne örtliche Hausärzte dastehen könnte. „Doch genau diese Gefahr hat bestanden“, sagte der Schultes und stellte das Konzept vor, das den noch nicht endgültig abgewendeten Exodus verhindern könnte.

Kernpunkt ist dabei das derzeit im Bau befindliche Be Carré an der Ludwigsburger Straße. Der Rohbau steht, der Innenausbau schreitet voran. 17 Wohnungen entstehen hier. Außerdem ziehen die Kreissparkasse, eine physiotherapeutische Praxis sowie ein Bäcker ein. Im Erdgeschoss sind noch 240 Quadratmeter Gewerbefläche zu haben, die ein Planer bereits dahingehend untersucht hat, ob eine Arztpraxis dort eingerichtet werden könnte. Das Ergebnis: Die Fläche wurde als tauglich befunden.

Mit der Aussicht, sich in dem Gebäude niederlassen zu können, hat sich schließlich auch ein Nachfolger für Rüters gefunden: Dabei handelt es sich um Dr. Imre Gubik. Er ist ein 32-jähriger Facharzt für Innere Medizin, der derzeit in einer Klinik bei Heilbronn beschäftigt und gewillt ist, das breite Terrain der Allgemeinmedizin zu erobern – und zwar in einer Gemeinschaftspraxis mit Kolb und dessen Praxiskollegin Dr. Antje Nielsen. Der Haken an der Geschichte: „Für das Trio ist der Ankauf der Räumlichkeit „wirtschaftlich nicht möglich“, wie Kolb sagte.

An diesem Punkt kommt die Gemeinde ins Spiel: „Der Plan ist, die Fläche zu kaufen und an die Ärzte zu vermieten“, sagte der Bürgermeister. Bezüglich der Kosten für den Erwerb der Immobilie hielt sich Wharton bedeckt und sprach von einem Betrag „an der Grenze zur Siebenstelligkeit“. Die Gemeinde könnte die Investition „mit dem laufenden Haushalt tragen.“ Er preist die „relativ ideale Lage“ und mancherlei Synergie-Effekte: „Die Ansiedlung der Ärzte hier wäre eine tolle Sache und ein zukunftsfähiges Konzept“, zeigte sich der Schultes überzeugt. Dies unterstrich auch Gemeinderat Manfred Meister: „Angesichts der unklaren Zukunftsperspektive der medizinischen Versorgung im Ort sollten wir dieses Konzept schnellstmöglich realisieren.“

Wichtig ist allen Beteiligten, dass im Falle der Realisierung des Projekts die Niederlassung als Gemeinschaftspraxis mit hausärztlichem Charakter und drei hauptamtlichen Allgemeinmedizinern geführt wird. Ein Punkt, den alle nachdrücklich betonten. Von dieser Lösung hängt übrigens auch die Zukunft der örtlichen Apotheke ab, wie deren Inhaber Willi Siegel deutlich machte: „Wir hängen am Tropf ärztlicher Niederlassungen. Das ist unsere Existenzgrundlage.“

Die Eigentümer der Immobilie, Sonja und Rüdiger Beck, erklärten, dass sie von Beginn der Planung an„ein medizinisches Element im Sinn hatten“. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Fläche „an einen Immobilien-Investor zu veräußern“, sagte Beck. Und seine Frau erklärte: „Als Bürger dieser Gemeinde, wissen wir, was das für Benningen bedeutet. Wir wollen, dass der ganze Ort etwas davon hat.“

Den Gemeinderat wähnt der Bürgermeister hinter sich: „Das wurde bereits diskutiert, die Rahmenbedingungen sind abgearbeitet.“ Nun sei er davon überzeugt, dass die Umsetzung gelingt. Sollte der Gemeinderat am heutigen Mittwoch um 19.30 Uhr im Rathaus den Weg zum Kauf der Fläche ebnen, könne damit „für Benningen etwas Epochales entstehen“, befand Warthon. Es könnte bereits zur Jahresmitte der Einzug stattfinden.

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